Senden, 5.3.2010, (uh). Harsch geht die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) in Senden mit ihren Stadträten ins Gericht. Die Entscheidung, einen zweiten verkaufsoffenen Sonntag in der Illerstadt einzuführen zeuge von einer erschreckenden Kulturvergessenheit - nicht mehr der Mensch stehe im Mittelpunkt solcher Entscheidungen, sondern ausschließlich die Interessen weniger Handeltreibender.
KAB-Teamsprecherin Hannelore Beck erinnert sich noch gut an die Einführung des ersten verkaufsoffenen Sonntags in Senden: „damals wurde gesagt, es handele sich ja nur um einen verkaufsoffenen Sonntag, mehr seien niemals angedacht“. Dass der Stadtrat nun auf Druck einer kleinen aber starken Wirtschaftslobby „umfalle“, tut weh, so Beck: „und dass gerade die Stadtratsfraktion, die das Christliche im Namen führt, die Sonntagskultur am geschlossensten mißachtet ist unerträglich.“ Gleichzeitig machen ihr die sieben Stadträtinnen und Stadträte, die für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntages eingetreten sind, Mut.
Als einen Hohn empfindet es die KAB, dass ausgerechnet dem Josefsmarkt ein verkaufsoffener Sonntag angeschlossen werden soll. „Der heilige Josef ist der Schutzpatron der arbeitenden Menschen und steht für eine menschliche Kultur gerade auch in der Arbeitswelt,“ so KAB-Präses Ulrich Hoffmann: „wer den Sonntag dem Profit opfert und eine Arbeitswelt schafft, die die sozialen Interessen der Beschäftigten verletzt, kann auch christlichen Maßstäben nicht gerecht werden“. Hoffmann sieht im aktuellen Stadtratsbeschluss eine Antiwerbung für die Stadt Senden, die viel darüber aussage, welche Kultur offensichtlich in der Stadt vorherrsche: „Gott hat die Zeit erschaffen, der Teufel die Zeitnot, die Hetze und die Eile,“ so Hoffmann, „letztlich wissen und spüren doch alle: Die Stunden die zählen, sind die Stunden die nicht gezählt werden. Um das zu erfahren, ist der Sonntag da und notwendig. Er ist ein zu wertvoller Zeitverlust, um auf ihn verzichten zu können.“
Die KAB in Senden überlegt nun zusammen mit der eben gegründeten „Allianz für den freien Sonntag“, die von einer breiten Öffentlichkeit getragen wird, der Sonntags-Kulturvergessenheit um der Menschen willen kreative Aktionen entgegen zu setzen, denn, so Hannelore Beck, „Ohne Sonntag gibt's nur noch Werktage“.






