13.03.2017

Geistliches Wort - 11./12. KW 2017 von Pastoralreferent Andreas Kohl, Betriebsseelsorge Weilheim

Andreas Kohl
Portrait Andreas Kohl

Ein Fasten, wie Gott es liebt (Jes 58,6)

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ heißt es wehmütig in einem bekannten Karnevalslied. Mit dem Aschermittwoch hat die Fastenzeit begonnen. Aber Fasten ist keine Trauerveranstaltung. Fasten meint nicht, dass „man den Kopf hängen lässt“ oder „sich mit Sack und Asche bedeckt“. Der Prophet Jesaja wird da ganz deutlich (vgl. Jes 58,5).
Beim Fasten geht es nicht um Äußerlichkeiten. Beim Fasten geht es um mein Inneres, um meine innere Haltung: „das einüben und verwirklichen, was wir durch die Taufe geworden sind: der neue Mensch, in dem Christus sichtbar wird“ (Schott-Messbuch).

Eine gute Übung dazu kann sicherlich sein, dass ich mich selber in meinem Konsum einschränke. Weniger essen, rauchen, fernsehen, für mich selbst verbrauchen: Das kann mir helfen, den Blick freizukriegen auf das Wesentliche meines Lebens.

Für Jesaja ist jedoch noch etwas anderes ganz wesentlich: „Das ist ein Fasten wie Gott es liebt: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen“ (Jes 58,6-7).

Fasten heißt nach Jesaja also vor allem: barmherzig handeln, sich solidarisch mit den Notleidenden zeigen, den Schwachen und Bedrängten zu Gerechtigkeit verhelfen. Jesaja ruft uns auf, Unrechtssituationen um uns herum wahrzunehmen, uns vom Leid der Menschen berühren zu lassen, um dann entschieden zu handeln und beherzt das Gute zu tun. Wie sehr wir in KAB, Betriebsseelsorge und CAJ in diesen programmatischen Sätzen doch unser eigenes Profil entdecken können!

Noch eine weitere Aussage von Jesaja an gleicher Stelle finde ich bemerkenswert. Er schreibt: Wenn du dich so verhältst und dich für die Notleidenden einsetzt, dann „werden deine Wunden schnell vernarben“, „dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag“ (Jes 58, 8.10).
Da steckt doch ein toller Gedanke drin: Indem ich mich für andere engagiere, geschieht Heilsames auch an mir. Im Dienst am Nächsten kommt auch in mir selbst etwas in Gang, was mich wieder freier, gesünder und glücklicher werden lässt.

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“? Von wegen. Am Aschermittwoch darf ich wieder neu beginnen, ein neuer Mensch zu werden – im Vertrauen, dass Gott mir immer wieder einen neuen Anfang schenkt.