24.04.2017

Geistliches Wort - 17./18. KW 2017 - von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Pastoralreferent Thomas Hoffmann
Portrait Thomas Hoffmann

„Niemand hat das Recht zu gehorchen“

Es ist schon manchmal so: Ein Satz fliegt einen an und er nistet sich ein.

Mir ist es mit diesem Satz der Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) so gegangen. Zweimal ist er mir innerhalb kürzerer Zeit begegnet: „Niemand hat das Recht zu gehorchen.“

Gehorchen – da denke ich zunächst eher an Gehorsamspflicht, an Gehorsamsversprechen bei Priesterweihen, innerhalb von Ordensgemeinschaften. Mir fallen Eltern, Lehrer/innen, Kirchenvertreter, Vorgesetzte, Chefs, Machthaber ein, die von anderen Gehorsam einfordern. Nicht fehlen dürfen freilich auch Stichworte wie „ziviler Ungehorsam“ bis hin zur „Pflicht zum Ungehorsam“.

„Niemand hat das Recht zu gehorchen.“ Heißt das
- niemand hat das Recht, es sich im Gehorsam bequem zu machen und die Verantwortung unbesehen an eine übergeordnete Instanz abzugeben;
- niemand hat da Recht, ungerechte Maßnahmen gegen eine Kollegin zu schlucken, nur weil die Maßnahme von oben kommt;- niemand hat das Recht, um des lieben Betriebsfriedens willen als Betriebsrat falsche Eingruppierungen durchzuwinken;
- niemand hat das Recht, sich einer Gruppe, gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Vorgaben unterzuordnen, wenn er oder sie damit Unrecht mitträgt?

„Niemand hat das Recht zu gehorchen“: Könnte es all das heißen?

Hat uns nicht der Auferstandene gerade dazu befreit und in seine Nachfolge gerufen?

In eine Nachfolge, die keinen eindeutigen Pfad vorgibt, dem wir einfach gehorsam zu folgen hätten. In eine Nachfolge vielmehr, die uns statt zu blindem Gehorsam im Vertrauen auf den liebenden Gott Jesu und mit kritischem heiligen Geist einlädt, mitzubauen daran, dass „dein Reich komme, in die Fabriken, Werkstätten, Büros und in unsere Häuser“ (KAB-Gebet).