18.12.2017

Geistliches Wort - 51./52. KW 2017 - von Diakon Erwin Helmer, KAB-Diözesanpräses, Augsburg

Diakon Erwin Helmer
Portrait Erwin Helmer

Warum Maria und Josef bei uns bleiben

Eine sehr sinnreiche und aktuelle Weihnachtsgeschichte von Propst Wöllenstein erzählt Folgendes: Eines Tages zog eine Horde von Randalierern nächtens durch die Stadt und sprühte an die Wände der Bürgerhäuser: „Ausländer raus! Deutschland den Deutschen!“ Plötzlich – mitten in der Nacht – rührte sich etwas in der Stadt: „Kommt, wir tun, was an den Wänden steht. Wir gehen.“

Die Rohstoffe und die Waren aus dem Ausland hatten die Nase voll. Sie nahmen die Sprüche ernst und begannen, in ihre Heimatländer zurück zu wandern. Den Kaffee zog es nach Afrika, die Gewürze nach Asien, das Erdöl in den Orient, Metalle nach Brasilien, Kongo, Zaire, China, … die Weihnachtsgänse flogen zurück nach Polen und bald war nichts Ausländisches mehr im Land.

Aber - Tannen gab es noch, Äpfel und Nüsse und „Stille Nacht“ konnte noch gesungen werden, denn das Lied stammte ja immerhin aus Österreich. Maria und Josef waren noch da geblieben, zwei Juden, ausgerechnet. Sie sahen einander an und sagten: „WIR BLEIBEN HIER! Wenn wir auch noch gehen, wer soll ihnen dann noch den Weg zeigen zu mehr Menschlichkeit und Brüderlichkeit?“

Diese nette kleine Geschichte sagt uns, wie sehr wir von den Ländern dieser Welt profitieren und wie angewiesen wir aufeinander sind. Menschen leben davon, dass sie einander begegnen, miteinander in Kontakt treten, dass sie miteinander handeln und einander aushelfen. Was wäre das für eine Welt ohne Austausch und Warenhandel, ohne Vertrauen und Zusammenarbeit weltweit? Genau dafür stehen wir ein – mit allen Menschen guten Willens, für die EINE Welt, für den Zusammenhalt in Gerechtigkeit und Solidarität. Als KAB, als CAJ und Betriebsseelsorge arbeiten wir deshalb mit allen Menschen aus aller Herren Länder zusammen. Wir stehen an der Seite der AMAZON-Beschäftigten, wo mehr als 80 Nationen vertreten sind. Wir kümmern uns um Menschen aus Osteuropa, die hier nicht selten ausgebeutet werden und viele von uns begleiten Flüchtlinge aus Eritrea, Afghanistan, Nigeria, Syrien, Irak – um nur einige Länder zu nennen. Josef und Maria, die Hauptpersonen der Adventszeit, hatten es vor 2000 Jahren auch nicht leicht. Sie waren in freudiger Erwartung auf das Kind, das sie Jesus nennen sollten, Jesus – auf Deutsch: Gott rettet! Das lange erwartete Kind, der lang ersehnte Retter, der Messias „Christus“. Ihn feiern wir. Ihn, der das Licht der Welt ist. Ihn, dessen Gesicht uns in jedem Menschen aufleuchtet. Ihn, dem wir in jedem Ausländer, in jeder Ausländerin begegnen. Ihn, der die Liebe in Person ist. Darum geht es. Um nicht mehr und nicht weniger.

Ich wünsche Ihnen eine Gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!