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23.06.2015

20 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Augsburg arbeiten unter der Niedriglohnschwelle

"Arm und überschuldet – trotz Arbeit", unter diesem Motto stand die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung vom 15. bis 20. Juni. Sie will auf den Zusammenhang von sogenannter prekärer und atypischer Beschäftigung und Überschuldung hinweisen.

(Roswitha Mitulla) "Arm und überschuldet – trotz Arbeit", unter diesem Motto stand die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung vom 15. bis 20. Juni. Sie will auf den Zusammenhang von sogenannter prekärer und atypischer Beschäftigung und Überschuldung hinweisen.

In Augsburg beteiligten sich die Schuldnerberatungsstellen des Caritasverbandes für die Diözese Augsburg und des Diakonischen Werkes sowie die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB). Mit großen Plakaten am Körper und lautem Rätschen machten Mitarbeiter am Rathausplatz auf die Situation von Menschen aufmerksam, die trotz Vollzeitbeschäftigung und Mindestlohn von dem, was sie verdienen, nicht leben können, in die Schuldenfalle geraten und sich an die Schuldnerberatung wenden. Auch ein fehlender Schulabschluss, Arbeitslosigkeit, befristete Beschäftigungen und Minijobs können Ursachen für Überschuldung sein.

Auf den Plakaten waren reale Fallbeispiele aus der Region zu lesen. Da gibt es eine Friseurin, 25 Jahre alt, vollzeitbeschäftigt in der Steuerklasse 1 mit 40 Wochenstunden und mehr. Sie bekommt ein Monatsgehalt von 1.473 Euro brutto. Netto bleiben 1076,23 Euro, dazu kommen etwa 100 Euro Trinkgeld. Für Miete gehen 500 Euro weg, für eine Rate 200, das Fahrtgeld schlägt mit 60 Euro zu Buche, das Handy mit 40. Bleiben zum Leben 426,23 Euro. Ein 28-jähriger Einzelhandelskaufmann, der in Augsburg wohnt und in Landsberg arbeitet, muss von seinem Nettoeinkommen, das 1300 Euro beträgt, 1150 Euro für fixe Kosten zahlen. Nicht untypisch ist die Situation eines kinderlosen Paares. Er verdient als Bauzeichner 1300 Euro netto, sie als Krankenschwester in Teilzeit 530 Euro. Nach Abzug aller Unkosten bleiben den beiden 260 Euro im Monat zum Leben. Auch die Not vieler Familien, denen trotz Gehalt und Kindergeld  das Einkommen nicht reicht, war für die Schuldnerberater ein Grund, auf die Straße zu gehen und für sie die Stimme zu ergreifen. Nach Erfahrung von Rainer Storf, der als Schulden- und Insolvenzberater bei der Caritas tätig ist, gehen die Betroffen selbst nicht raus, um über ihre Lage zu reden. Viele würden sich völlig zurückziehen, weil sie sich gesellschaftliche Unternehmungen nicht leisten können.

„Augsburg ist ein Brennpunkt der Armut, die Gefahr arm zu werden, ist hier sehr hoch“, machte Diakon Erwin Helmer, Diözesanpräses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), in seiner Rede deutlich. Zwanzig Prozent der Vollzeitbeschäftigten in der Stadt, das sind fast 18.000, würden unter der Niedriglohnschwelle arbeiten. Es gebe viele Leiharbeiter, Werksverträge und Ausgliederungen, vielfach gebe es in den Unternehmen keinen Tarifvertrag und keinen Betriebsrat. Die Zahl der Nebenjobber sei in Augsburg mit rund 12.000 ebenfalls sehr hoch. „Wer arm ist, fühlt sich als Mensch zweiter Klasse, verliert sein Selbstwertgefühl und seine Würde, das können wir nicht akzeptieren“, erklärte Helmer das Engagement. Für die Verbände stehe immer der Mensch im Mittelpunkt. An die Wirtschaft appellierte er, Menschen nicht als Kostenfaktoren zu sehen.

Helmer zählte die Forderungen auf, die die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände an die Politik stellt. Demnach soll der Anspruch auf eine Schuldnerberatung für Erwerbstätige im Sozialgesetzbuch festgeschrieben werden. Sozialhilfeleistungen müssten bedarfsgerecht ausgestaltet und die einmaligen Leistungen für Reparaturen und Anschaffungen wie Waschmaschinen und Kühlschränke wieder eingeführt werden. Ein wichtiges Thema sei auch die Schuldner- und Budgetberatung bei Altersarmut, für die zusätzliche finanzielle Mittel gebraucht werden. Zudem müsse man die Höhe des flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns regelmäßig überprüfen. „Der vorenthaltene Lohn schreit zum Himmel“, zitierte Helmer aus der Bibel.

Auch der Augsburger Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer unterstrich die Forderungen und betonte, es sei ein Skandal, wenn Arbeit nicht zum Leben reiche. Die Armutssituation sei in den verschiedenen Stadtteilen unterschiedlich, in manchen aber ganz massiv, erläuterte er.

Sie demonstrierten für all jene Menschen, die sich nicht trauen, für sich selbst auf die Straße zu gehen, weil sie wegen prekärer oder atypischer Beschäftigung überschuldet sind: KAB-Diözesan-Präses Diakon Erwin Helmer (re.), Regina Hinterleuthner, Fachgebietsleitung Schuldnerberatung der Caritas (2.v.re.) , und Stefan Kiefer, Sozialreferent der Stadt Augsburg (li.). (Bernhard Gattner)

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