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Geistliches Wort - 27./28. KW 2018 - von Peter Ziegler, KAB-Diözesansekretär, Augsburg

Es ist lästig…..

In der letzten Woche war eine größere Gruppe aus unserem Diözesanverband auf einer Studientagung in Würzburg. Unter anderem haben wir auch eine Onlinedruckerei besucht, in der der Geschäftsführer stolz über die Erfolge des Unternehmens berichtete. Gerade wegen der zahlreichen Aufträge ist es möglich, auch kleinere Margen zu günstigen Preisen herzustellen. Dadurch werden die Kunden zufriedengestellt und die Arbeitsplätze in einem umkämpften Markt erhalten. Durch diese Neuerung profitieren eigentlich alle…

Etwas schmallippiger wurde er, als die Rede auf den Betriebsrat oder auf die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften kam. An einem Standort, an dem nahezu Vollbeschäftigung herrsche, liege es im eigenen Interesse des Unternehmens, gute Arbeitsbedingungen zu erhalten. Sonst verliere man gerade die engagierten Beschäftigten. Einen Betriebsrat brauche es daher aktuell an diesem Standort nicht…

Nicht nur mir sind da die Sätze aus Evangelii Gaudium eingefallen, wo der Papst dazu aufruft, „lästig“ zu sein:

203. "… Wie viele Worte sind diesem System unbequem geworden! Es ist lästig, wenn man von Ethik spricht, es ist lästig, dass man von weltweiter Solidarität spricht, es ist lästig, wenn man von einer Verteilung der Güter spricht, es ist lästig, wenn man davon spricht, die Arbeitsplätze zu verteidigen, es ist lästig, wenn man von der Würde der Schwachen spricht, es ist lästig, wenn man von einem Gott spricht, der einen Einsatz für die Gerechtigkeit fordert.“

Und manchmal ist es eben lästig, in einem Unternehmen ohne Betriebsrat danach zu fragen, warum keiner existiert, um damit von außen die Beschäftigten zu unterstützen, die sich bislang nicht durchsetzen konnten.

Hier gilt es bei all den anstehenden Betriebsbesuchen wachsam – und bisweilen eben auch „lästig“ zu sein…

Geistliches Wort - 25./26. KW 2018 - von Pastoralreferentin Martina Berndt-Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Einigkeit ist das entscheidende Gebot der Stunde

Die Fußball-WM hat begonnen. Viele sind im Fußballfieber. Ich bin eine, die recht wenig Ahnung hat von Spielregeln oder gar Spieltaktik. Deshalb interessiert es mich oft mehr, was eher am Rand des eigentlichen Geschehens zu beobachten ist: Menschliche Reaktionen, Imponiergehabe, Eingeständnisse von Fehlern, unsägliche Fragen von Reportern….Gerade, wenn das Spiel gut gelaufen ist, fallen immer wieder Schlagworte wie „ wir waren ein eingespieltes Team“, „der Rückhalt in der ganzen Mannschaft“, „die Fans haben unglaublich unterstützt“. Schnell wird klar, Teamgeist und Zusammenhalt sind die Grundlagen vieler Erfolge. Eine Mannschaft, die aus lauter Einzelkämpfern besteht, die sich nur selbst profilieren wollen, hat selten eine echte Chance.

Momentan beschäftigt uns in der Betriebsseelsorge, was wir im Gegensatz dazu in unserer Arbeit erleben: Solidarität, die Kraft, mit der in der Vergangenheit  vieles erkämpft wurde, ist bei einer ganzen Reihe Kolleginnen und Kollegen zum Fremdwort geworden. Es wird gehandelt nach der Devise „Jeder ist seines Glückes Schmied“ oder „ich kämpfe für mich selbst“. Von Teamgeist und Zusammenhalt, ebenfalls Grundlagen der Erfolge gewerkschaftlicher Arbeit oder der christlichen Verbände ist nur mehr wenig zu spüren. Ellenbogen werden ausgefahren anstatt Hand in Hand zu gehen.

Wie ist es möglich, Solidarität wieder erfahrbar zu machen?  Wie ist es möglich, ihre Kraft zu aktivieren? Wie kann die positive Wirkung vom Miteinander spürbar werden? Und wo können wir als Betriebsseelsorge oder KAB etwas dazu beitragen?

Neulich bin ich an einem Text von Martin Luther King hängen geblieben, der dazu motiviert, an diesen Fragen weiter zu denken:

„Ich möchte, dass es überall (…) bekannt wird, dass wir Christen sind. Wir glauben an die christliche Religion. Wir glauben an die Lehren Jesu. Die einzige Waffe, die wir heute Abend in unseren Händen halten, ist die Waffe des Protests. (…) Wir sind nicht im Unrecht bei dem, was wir tun. (…) Sind wir im Unrecht, ist auch Gott der Allmächtige im Unrecht. Sind wir im Unrecht, war Jesus von Nazareth nur ein utopischer Träumer und ist nie zur Erde gekommen. Sind wir im Unrecht, ist Gerechtigkeit eine Farce. (…) Ich möchte betonen, dass wir bei all unseren Aktionen zusammenhalten müssen. Einigkeit ist das entscheidende Gebot der Stunde. Wenn wir zusammenstehen, können wir viele von den Dingen erlangen, die wir nicht nur ersehnen, sondern die uns gerechterweise auch zustehen.“

Geistliches Wort - 23./24. KW 2018 - von Ewald Lorenz-Haggenmüller, Betriebsseelsorge Allgäu

Gratwanderung

Bergwege führen gelegentlich über einen Grat. Das hat etwas Erhabenes und gleichzeitig auch Unsicheres, manchmal gar Bedrohliches. Je schmäler der Pfad, desto tiefer kann es links wie rechts nach unten gehen. Fast schon wie „auf des Messers Schneide“ kann sich das anfühlen. Zuweilen verdeckt der Anstieg auch noch, wohin es letztlich geht.

Was ist das Ziel meiner Reise, unseres Lebens?
Wie schnell kann schon nach wenigen Schritten die Richtung eine völlig andere sein?
Geht es weiter bergauf oder tut sich Abgründiges auf?

- Eben noch in ungekündigter Stellung bin ich bei denen, die gekündigt werden.
- Wie aus heiterem Himmel zerbricht eine persönliche Beziehung.
- Eben noch bei vermeintlich bester Gesundheit beeinträchtigt mich eine Diagnose.
- Ein schwerer Unfall verändert mein Leben oder das lieber Bekannter.

Das ganze Leben scheint zu jeder Zeit und für jeden Augenblick eine Gratwanderung zu sein, es gibt keine Sicherheit für den weiteren und scheinbar niemals eintrübbaren Weg. Aber weil wir in Freude lebendig sind, gehen wir beständig mit der Hoffnung, dass es auf der Gratwanderung des Lebens wohlwollend weiter geht.

Alles hat seine Zeit, so hat es der Prediger Kohelet wunderschön gegenüber- und doch auch zusammengestellt. Es hört sich auch bei ihm so an, als sei das Leben selbst eine unablässige Gratwanderung, ob zwischen oben und unten, links und rechts, Gutem und Schlechtem, Freude und Ärger, Gesundheit und Krankheit, Beziehung und Einsamkeit, Glaube und Unglaube oder Gottesnähe und – ferne.

Bei aller Unsicherheit über das, was uns hinter dem Grat erwartet, dürfen wir also getrost und sicher sein, es wird weitergehen…..

Geistliches Wort - 21./22. KW 2018 - von Pastoralreferent Hans Gilg, Betriebsseelsorge Augsburg

Ein kleines Pfingsten

Letztes Aprilwochenende – Rasthof Hegau in der Nähe von Singen: Die Betriebsseelsorge Freiburg startet ein spannendes Projekt – Lenkpause für Körper und Seele. Wir aus Augsburg und Kollegen aus anderen Diözesen unterstützen diese Aktion.

An den Wochenenden sind die Rasthöfe voll mit LKW´s. Die Fahrer – fast alle aus Osteuropa – sind gezwungen dort ihre Freizeit zu verbringen. Oft sind sie vertraglich verpflichtet ihr Fahrzeug nicht aus den Augen zu lassen. Essen, schlafen, Wäsche waschen – alles geschieht am LKW oft unter unwürdigen Lebensbedingungen.

Wir haben ein Wochenende die Zeit mit ihnen geteilt, haben mit Hilfe von Dolmetschern und Smartphone –Übersetzungen viel von ihrem Leben hören dürfen und haben gemerkt wie sehr die Fahrer ihre Familien vermissen. Da ist von Fernfahrerromantik nicht s mehr zu spüren und die ungerechten, niedrigen Löhne schreien zum Himmel.

Aber: Diese Menschen sorgen dafür, dass wir etwas zu essen haben, dass die Fließbänder nicht still stehen und die Kaufhäuser voll sind. Dafür wollten wir Danke sagen.

Für mich war das wie ein kleines Pfingsten. Die vielen Sprachen von ukrainisch, polnisch, rumänisch, kroatisch, bulgarisch, bis ungarisch, tschechisch, spanisch und englisch waren kein Problem. Wir waren im selben Geist zusammen und ein Lächeln, ein anerkennendes Schulterklopfen oder eine Umarmung zum Abschied drückt mehr aus als viele Worte. Schön war es gemeinsam zu essen und zu feiern und ganz viele waren sehr berührt vom Gottesdienst in der Autobahnkirche. Die biblischen Texte in verschieden Sprachen, Fahrer, die sich getraut haben eine Fürbitte oder eine Segensgebet zu sprechen und das Vaterunser, das jeder in seiner Sprache gebetet hat – all das hat sichtbar gemacht , dass wir in Gottes Namen beisammen waren und dieser Gott keine Grenzen kennt.

Ein wichtiger Auftrag bleibt für uns trotzdem: Mitzuhelfen, dass sich die Arbeitsbedingungen dieser Menschen verändern.

Fotos: Fabian Biasio; Uli Fricker

Geistliches Wort - 19./20. KW 2018 von Diakon Erwin Helmer, KAB-Diözesanpräses Augsburg

Gottes schönste Erfindung

Eigentlich braucht Gott ja gar nichts erfin­den, er hat ja sowieso alles genial geschaf­fen. Aber wie kann man die wunderbare Aufgabe einer Mutter besser beschreiben als mit einem Text von Michel Quoist: „Meine schönste Erfindung, sagt Gott, ist meine Mutter. Es fehlte mir eine Mutter und ich habe sie gemacht. Ich habe meine Mutter gemacht, bevor sie mich empfing. Jetzt bin ich wirklich ein Mensch, wie alle Menschen. Ich brauche sie um nichts mehr zu beneiden, denn ich habe eine Mutter, eine wirkliche, das hat mir gefehlt.“ Seine Mutter heißt Maria, die junge Frau aus Na­zareth, die Mutter Jesu, des Gottessohnes.

Die meisten Menschen dürfen diese Erfah­rung machen, eine Mutter zu haben und sie zu erleben. Allerdings nicht alle. Und auch nicht jede Frau bekommt ein Kind. So manche Frau wünscht sich sehnsüchtig, ein Kind oder ein weiteres Kind zu bekommen – und es klappt nicht. Auch das gehört zum Muttertag, an die Frauen zu denken, die kinderlos bleiben – und an die Kinder, die ohne ihre Eltern aufwachsen. Auf jeden Fall sei an diesem Muttertag allen Frauen und Müttern von Herzen gedankt  - für ihr Sorgen und Mühen, für ihre Selbstlosigkeit und ihr Bereitstehen, für durchwachte Nächte und tausendfa­che Tröstungen, für das Trocknen der Tränen der ersten Liebe, für ihr Zuhören und Mit­tragen, ihr Mitfühlen und Mitfiebern, ihr Mitbeten - mit einem Wort: für ihre grenzenlose Liebe! Liebe, die allerdings auch Grenzen setzen muss. Denn in der heutigen Zeit müssen wir wie­der lernen, unseren Kindern Grenzen zu setzen, damit sie nicht untergehen im Strudel der Überflutung mit Reizen und Lockangeboten. Schauen wir hin, was un­sere Kinder im Internet machen. Zeigen wir Interesse für ihre Erfahrungen und ihre Sorgen. Denn das Wichtigste, das die Kinder brauchen ist eine sorgende Mutter, ein sorgender Vater. Noch einmal mit Michel Quoist gesagt: „Ich weiß, sagt Gott, wie es ist, von Engeln getragen zu werden, aber glaubt mir, das wiegt die Arme einer Mut­ter nicht auf.“

Geistliches Wort - 17./18. KW 2018 - von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Trillerpfeifen vor der Dillinger Basilika
oder wem gehört meine Zeit

Gab es das schon einmal auf dem Platz vor der Basilika? Ohrenbetäubender Lärm von mehreren hundert Trillerpfeifen, rote IG Metall Fahnen und Mützen und vom Kundgebungswagen herab aus heiseren Kehlen immer wieder die Frage: „Wem gehört meine Zeit?“ An einem kalten Februar-Mittwoch streikten Kolleginnen und Kollegen u.a. für eine befristete Reduzierung der Arbeitszeit, um mehr Zeit zu haben etwa für die Kinder, für die Pflege von Angehörigen:

Wem gehört meine Zeit?
Wem gehört meine begrenzte Lebenszeit zwischen den Ansprüchen des Arbeitgebers und den sonstigen Anforderungen des Alltags?

Erlebe ich meine Zeit als selbstbestimmte Zeit?
Gilt das für die Zeit, die ich im Betrieb verbringe, weil es für mich sinnvoll verbrachte Zeit ist, weil ich gute Arbeitsbedingungen vorfinde, weil ich mich für gute Arbeit im Betrieb einsetze etwa als Betriebsrat?
Wie viel selbstbestimmte Zeit habe ich als befristet Angestellter mit meinen Sorgen, was aus mir wird, wenn die Befristung ausläuft?
Wie viel selbstbestimmte Zeit habe ich, wenn ich nur damit beschäftigt bin, mit knappen finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten meinen Alltag zu organisieren?

Wie viel selbstbestimmte Zeit habe ich, wenn ich in Dreischicht und regelmäßig auch sonntags arbeite?
Wieviel selbstbestimmte Zeit bleibt mir angesichts des Diktats der ständigen Erreichbarkeit im beschleunigten Smartphone-Zeitalter?
Wieviel selbstbestimmte Zeit  lässt mir eine zunehmende Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft, die mich ununterbrochen mit Medien- und Konsumangeboten lockt und keine gemeinsamen Unterbrechungen wie den Sonntag mehr akzeptieren will?

Wie müssen wir Gesellschaft und Arbeitswelt gestalten unter der Maßgabe, allen eine gute selbstbestimmte Lebenszeit zu ermöglichen?
Wem gehört meine Zeit? Stimmt die Frage so überhaupt? Ist meine Zeit nicht zuerst eine geschenkte Lebenszeit, die ich so oder so nutzen kann? Nutzen für das, was mir wichtig ist, wo ich gebraucht werde, wofür ich mich engagieren will. Oder eher dafür, mich ohne ein Ziel und ohne eine Richtung dem Beschleunigungssog auszusetzen, wovor schon der alte Seneca gewarnt hat: „Wer keinen Hafen kennt, muss sich dem Treiben der Winde überlassen.“

Der ohrenbetäubende Lärm von Trillerpfeifen vor der Basilika und dazwischen immer wieder die Frage, „wem gehört meine Zeit?“: Vielleicht ja auch ein Weckruf Gottes: Was macht Ihr mit Eurem Leben? Was machst du aus deinem Leben? Was machst du mit deiner begrenzten, geschenkten Lebenszeit?

Geistliches Wort - 15./16. KW 2018 - von Gemeindereferentin Regina Wühr, Geistliche Begleiterin der KAB in der Diözese Augsburg

Hoher Einsatz

Wenn Sie diesen Beitrag lesen, liegt Ostern, das zentrale christliche Fest, schon hinter uns.

Auch wenn nach einer Umfrage von 2016 nur noch ca. 36 % der Deutschen bzw. 51 % der deutschen röm.-kath. und ev.-luth. Christen an die Auferstehung Jesu glauben, wird die Osterbotschaft nach wie vor in der 50-tägigen Osterzeit in der Liturgie der Kirche verkündet. Gerade das Evangelium vom 3. Ostersonntag (15. April) erzählt eindringlich von der realen Erfahrung  der Jünger Jesu mit dem Auferstandenen, der sie als seine Zeugen benennt. Diese Zeugenschaft reicht bis in unsere Zeit hinein.

So ist am 19. April der Gedenktag des französischen Zwangsarbeiters Marcel Callo, der – in der katholischen Arbeiterjugend geprägt - aus einer tiefen Christusbeziehung lebte und 1945 im KZ Mauthausen starb.

Das II. Vatikanische Konzil formuliert in der Konstitution über die Kirche:
„Jeder Laie (Laie: zum Volk Gottes gehörend) muss vor der Welt Zeuge der Auferstehung und des Lebens Jesu, unseres Herrn, und ein Zeichen des lebendigen Gottes sein.“ (Lumen Gentium IV,38.) Ein herausfordernder Satz, der für alle gilt, die zur Kirche gehören!

Ich schreibe diesen Beitrag zu Beginn der Karwoche, wenige Tage vor Ostern. Vor wenigen Tagen ist der französische Polizist Arnau Beltrame an den Folgen einer Schussverletzung, die ihm  ein islamistischer Attentäter beigebracht hat, gestorben. Beltrame ließ sich für eine Geisel austauschen, die überlebte. Offenbar war er praktizierender Christ, denn die geplante kirchliche Trauung mit seiner Frau vollzog er noch auf seinem Krankenbett.

Im Rundschreiben von Papst Franziskus „Die Freude des Evangeliums“ ist zu lesen:
Um das Leben mit den Menschen zu teilen und uns ihnen großherzig zu widmen, müssen wir auch anerkennen, dass jeder Mensch unserer Hingabe würdig ist. … Jeder Mensch ist Objekt der unendlichen zarten Liebe des Herrn, und er selbst wohnt in seinem Leben. … Jenseits aller äußeren Erscheinung ist jeder unendlich heilig und verdient unsere Liebe und unsere Hingabe (Evangelii Gaudium 274).

(Lebens-)Hingabe wird bei den wenigsten so radikal bis zum Letzten gehen müssen wie in den oben genannten Beispielen. Doch wenn wir uns Christen nennen wollen, sind wir herausgefordert, auch so zu leben, wie es diesem Namen entspricht, nämlich mit Hingabe. Darin besteht letztlich auch die österliche Zeugenschaft.

Geistliches Wort - 13./14. KW 2018 - von Diakon Georg Steinmetz, Betriebsseelsorge Dinkelsbühl - Donau/Ries

Mit Jesus auf dem Weg

- Weg der Schwachen
- Weg der Hoffnung
- Weg des Dienens
- Weg der Liebe
- Weg des Lebens

Norbert Becker zeichnet in seinem Lied (GL 763, Bistum Augsburg) den Weg Jesu mit uns Menschen nach. Mit uns ist er unterwegs und begegnet uns auf Augenhöhe, in Freude und Leid – in allen Lebenslagen. Mit ihm gehen – mit ihm leben!

Vergangenes Jahr nahmen 7 Menschen Exerzitien auf der Straße.
Die Herberge: eine Kirche an der Nord-Süd-Fahrt in Köln. Ihr Name ist Programm: Gubbio.

In Gubbio begegnet Franziskus dem Wolf. Hungrig, grimmig, Angst einflößend. Franziskus zähmt das wilde Tier und schließt Frieden mit ihm.

Die Exerzitien waren für Menschen mit und ohne Wohnung ausgeschrieben. Und so kamen wir mitten in die Gemeinde der Habenichtse. Wir waren in deren spirituellem Kraftort untergebracht. Dem einzigen Ort, wo sie als Mensch willkommen sind.

Sich dort auf Augenhöhe begegnen bedeutet, ganz herunter kommen. Die Ausstattung der Straße in die Kirche mitbringen: Schlafsack, Isomatte, Rucksack. Mit einem Hund an der Leine – aus Sicht der Passanten in der Stadt war ich einer von der Platte. Ganz ehrlich: Eine Woche das Leben in diese Welt eintauchen, fast so leben wie jemand auf der Straße, das ist ganz spannend und lehrreich. Anderen ist dies jedoch die tägliche Not!

Die Sarkophage vor dem Museum am Kölner Dom waren über zwei lange Jahre bewohnt, bevor die Menschen die dort lebten, mit Deckeln aus Metall vergrämt wurden. Wie Tauben durch Gitter aus Kirchtürmen. Einem dieser Sarkophagbewohner durften wir auf Augenhöhe begegnen, wir konnten ihn als Freund gewinnen. Heilung konnte dort auf der Straße geschehen, an uns und den Menschen von der Straße, so wie an Franziskus Heilung durch Christus geschah. Franziskus, der den wilden Wolf bändigen konnte, begegnet Christus in herzlicher Umarmung und wird ihm ähnlich. Wir konnten nach dieser einen Woche wieder zurück in unsere andere Lebenswelt. Die Erinnerung prägt jedoch den Alltag danach.

In der Karwoche und in der Feier des Osterfestes können wir ganz dicht mit Christus in Berührung treten. Sein Leiden und seine Wunden sind auch auf der Straße spürbar und werden durch das Licht der Liebe zu Hoffnungszeichen. Der Karfreitag und der Ostermorgen sollen uns ermutigen, den armen, bedürftigen und kranken Menschen so zu begegnen, wie sich Jesus und Franziskus in dieser Tonplastik aus Gubbio begegnen und in die Arme schließen. Auferstehung aus Liebe!

Mit Jesus auf dem Weg! Nur Mut dazu!

Geistliches Wort - 11./12. KW 2018 - von Pastoralreferent Andreas Kohl, Betriebsseelsorge Weilheim

Die Gleichgültigkeit überwinden

- „Unsere Produkte am Haken“ steht auf dem Zettel, der mit einer Wäscheklammer oben an der Schnur befestigt ist. Darunter reihen sich etliche Kassen-Bons über kleinere Cent- und Eurobeträge. Die Schnur baumelt von der Decke einer Bäckerei in meinem Ort. Leute mit wenig Geld können sich einfach einen Bon abreißen und zum jeweiligen Betrag eine Breze, Semmeln oder einen Laib Brot mitnehmen. Die Geldbeträge auf den Bons stammen von Kunden, die bei ihrem Einkauf für diesen Zweck ein bisschen aufgerundet hatten. „Unser Chef hat das mal in Italien in einem Café gesehen und die Idee dann für seine Bäckerei übernommen“, sagte mir die Verkäuferin im Laden.

-  Für unsere geplante Josefi-Feier von KAB, CAJ und Betriebsseelsorge habe ich auch eine ganze Reihe von Betriebsräten eingeladen. Der Teilnehmerbeitrag von 10 Euro solle, so der Hinweis in unserer Einladungsmail, die Weiterarbeit unseres Arbeitslosentreffs unterstützen. Betriebsrat Christian schickte zwar eine Absage, fragte aber zugleich nach der Bankverbindung: Er wolle den Teilnehmerbeitrag gerne für den guten Zweck spenden.

- In einer Sportschule, auf die ich vor kurzem gestoßen bin, kann jedes Mitglied freiwillig 2 Euro im Monat zusätzlich zum Mitgliedsbeitrag überweisen. Mit dem Geld, das von der Sportschule dann noch weiter aufgestockt wird, werden die Trainingsgebühren für sozial benachteiligte Menschen mitfinanziert. „Der Leiter der Sportschule ist bekennender Christ. Dem ist das wichtig“, wurde mir von einem Mitglied erzählt.

Drei Beispiele aus meinem Lebensumfeld, die mich berührt haben: Drei Menschen, die nicht gleichgültig bleiben angesichts der sozialen Not anderer, die mit ihren Möglichkeiten helfen, wo Hilfe nötig ist - teils mit pfiffigen Ideen, teils ganz spontan, aber immer mit großem Herzen!

„Überwindet die Gleichgültigkeit!“: Ein Appell, den Papst Franziskus von Anfang an immer wieder eindringlich an alle Menschen, besonders an die Christen, gerichtet hat. In scharfer Form geißelt Franziskus seither bei den verschiedensten Anlässen eine sich breitmachende „Kultur der Gleichgültigkeit“ und ruft uns auf, unser Leben „wahrhaft menschlich“ zu gestalten:

"In einer Kultur der Gleichgültigkeit … soll dagegen unser Lebensstil erfüllt sein von Erbarmen, Einfühlungsvermögen, Mitleid und Barmherzigkeit.“ (aus der Predigt in der Christmette 2015)

Das will ich immer mehr einüben und verinnerlichen – nicht nur jetzt in der Fastenzeit.

Geistliches Wort - 9./10. KW 2018 - von Pastoralreferent Christian Dorn, Betriebsseelsorge Allgäu

Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen

Diese Woche wieder mal ein Abendtermin mit engagierten Betriebsräten und Gewerkschaftern. Und wieder mal landen wir irgendwann bei der Feststellung, dass bei Treffen, wenn es gilt, etwas vorzubereiten, voranzutreiben, auf den Weg zu bringen, immer die gleichen Personen zusammensitzen. Und natürlich sind diese Engagierten nicht nur bei unserem Treffen engagiert, sondern in verschiedenen Initiativen, Vereinen und Gremien. „Sonst würde es ja niemand machen!“ Diese Aussage ist dann oft zu hören.
Ein Phänomen, das wir aus vielen Bereichen kennen: aus Pfarrgemeinden, Sportvereinen, Feuerwehren, Verbänden wie der KAB, … Oft sind es einige wenige Motivierte, Pflicht- und Verantwortungsbewusste und Unermüdliche, die „den Laden am Laufen halten“. Auch in der Arbeitswelt, besonders in sozialen und helfenden Berufen, sind diese Menschen anzutreffen. Menschen, die sehr viel geben an Zeit, Kraft und Energie. Häufig auch mehr, als ihnen an Ressourcen zur Verfügung steht. Manchmal so lange, bis der innere Vorrat gänzlich erschöpft und die physischen und psychischen Ressourcen aufgebraucht sind.
Diesen Menschen und uns allen möchte ich mit dem geistlichen Wort einen Text von Bernhard von Clairvaux schenken, der es lohnt, immer wieder gelesen und meditiert zu werden:

Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weiter gibt, während jene wartet bis sie gefüllt ist.

Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.

Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigebiger zu sein als Gott.

Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird zum See.

Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen.

Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen.

Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.

Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut?

Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht schone dich.

Geistliches Wort - 7./8. KW 2018 - von Diakon Leo Bernhard, Betriebsseelsorge Augsburg

„Entschuldigung, ich kann Ihnen heute nicht die Hand geben, ich habe  einen starken Schnupfen“.

So oder so ähnlich lauten in diesen Tagen manche Begrüßungen. Ja, es ist Grippezeit. Alle Jahre wieder hören wir von Grippewellen, von resistenten Keimen und von Krankheitserregern, die uns das Fürchten lehren.

Doch wir haben ja die voll gefüllten Regale in den Apotheken, die uns Heilung versprechen.

Oder hat vielleicht der erhöhte Krankenstand etwas mit der Arbeit zu tun?

Letzte Woche erzählte mir ein 57-jähriger Mann seine sorgenvolle Geschichte. Er soll nun nach 24 Jahren Firmenzugehörigkeit erstmals im Dreischichtbetrieb arbeiten.  Er hat auch berichtet, dass er an Kreuzschmerzen leidet und seine Krankheit bisher nicht diagnostiziert werden konnte. Ich vermute, dass diesen Schmerz weder das Röntgengerät noch eine andere Suchmaschine erkennen kann. Dieser Virus sitzt viel tiefer.
Er heißt Enttäuschung, Missachtung der menschlichen Würde und Angst vor der Überbelastung.

Ein anderer Arbeitnehmer erzählt mir, dass er nachts nicht mehr schlafen kann, weil er Angst um seine Zukunft hat. Seine Firma soll Ende 2018 geschlossen werden und er ist erst 55 Jahre alt. Da fragt man sich, ob es für diesen Virus  eine wirksame Medizin gibt.

In meiner Ausbildung als Betriebsseelsorger gab es eine „Zehnpunkte-Liste“ für gute Arbeit. Dort stand ganz oben der Begriff Sicherheit, danach kamen Anerkennung und Wertschätzung.
Diese Medizin ist in der Apotheke nicht käuflich, sondern sollte in jeder Begegnung, aber besonders der Personalführung, verabreicht werden.

Die CAJ hat dazu einen schönen Flyer mit einem Ausspruch von Kardinal J. Cardijn gestaltet: „Du bist mehr wert als alles Gold der Welt.“

Ihr Betriebsseelsorger Diakon Leo Bernhard

Geistliches Wort - 5./6. KW 2018 - von Pastoralreferent Ulrich Hoffmann, Kreispräses KAB Iller-Donau

Ab jetzt: mehr Licht!

Der 2. Februar ist ein wichtiger Tag im Kirchenkalender. An "Mariä Lichtmess" endete früher die Weihnachtszeit. Vor noch nicht allzu langer Zeit wurden erst an diesem Tag in katholischen Kirchen und Privathäusern die Krippen und die Weihnachtsbäume abgebaut. Aus dem Alltag ist das Fest mittlerweile fast verschwunden. Selbst in der katholischen Kirche endet die Weihnachtszeit seit der Liturgiereform 1970 schon am Sonntag nach dem Dreikönigstag am 6. Januar.

Dabei ist "Lichtmess" eines der ältesten Feste der christlichen Kirche: Seit Anfang des 5. Jahrhunderts wurde es in Jerusalem am 40. Tag nach der Geburt Jesu gefeiert. In Rom führte die Kirche den Feiertag um das Jahr 650 ein. Bis 1969 nannte man in der katholischen Kirche das Fest auch "Mariä Reinigung". Diese Bezeichnung knüpft an den Bericht des Lukas-Evangeliums an, nach dem Maria 40 Tage nach der Geburt Jesu ein Reinigungsopfer darbrachte, wie es das jüdische Gesetz vorschrieb. Demnach begeben sich Joseph und Maria in den Tempel, um Jesus, der als Erstgeborener Gott gehörte auszulösen - daher kommt auch der andere Name des Festes, der sich seit 1969 im katholischen Feiertagskalender findet: "Darstellung des Herrn". Maria und Joseph begegnen im Tempel dem greisen Simeon und der Prophetin Hannah. Und nun stimmt Simeon ein Loblied auf das Kind an und preist es als den Messias: „Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ (Lk 2)

Mit dem 2. Februar verbinden sich zudem viele Volksbräuche. Seit dem 11. Jahrhundert kam der Brauch der Kerzensegnung und der Lichterprozessionen auf. An Lichtmess wurden die für das nächste Jahr benötigten Kerzen der Kirchen und der Familien geweiht, weshalb Wachsmärkte, eben Licht(er)messen, durchgeführt wurden.

Auch in anderer Hinsicht war der 2. Februar in früheren Zeiten von größter Bedeutung. An Lichtmess erhielten die Dienstboten den Jahreslohn in Geld und Naturalien; sie konnten sich bei ihrem Dienstherrn neu verpflichten oder den Arbeitgeber wechseln. Die Zeit bis Agatha (5. Februar) war eine Art von vertraglich gesichertem Nichtstun, das man die "Schlenklweil" nannte.

Zugleich begann um Lichtmess die Vorbereitung auf die neue Feldarbeit. Die Wetterregeln handeln von der Vorfreude auf das Frühjahr: "Wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit." Hoffnung auf den Frühling macht auch, dass die Tage nun deutlich länger hell bleiben. Eine anschauliche Regel beschreibt, wie die Tage nach der Wintersonnwende am 22. Dezember länger werden: "Weihnachten um ein' Mückenschritt, Silvester um ein' Hahnentritt, Dreikönig um ein' Hirschensprung und Lichtmess um ein' ganze Stund."

Ab jetzt: mehr Licht! Von Herzen wünsche ich Ihnen nun eine frohe Faschingszeit und viel Licht in Ihrem Leben und in Ihren Beziehungen!

Geistliches Wort - 3./4. KW 2018 - von Peter Ziegler, KAB-Diözesansekretär, Augsburg

Jetzt kommt es darauf an…

Kürzlich habe ich eine Predigt gehört, die mich nicht loslassen will. Der Prediger, Pastoralpraktikant in unserer Pfarrei, hat über die Verantwortung, die aus unserer Taufe folgt gesprochen. Dabei gehe es ihm nicht nur um das regelmäßige Gebet und den Gottesdienstbesuch (das muss er ja sagen…), sondern auch darum, wie unser Christsein im Alltag sichtbar werden kann. Es geht also nicht nur darum, ein netter Nachbar oder ein guter Kollege, vielleicht sogar ein engagierter Mitarbeiter zu sein, sondern um einen Tick mehr. Darüber war im Jahr der Barmherzigkeit an dieser Stelle bereits einmal die Rede. Was müssen wir Christen mehr leisten, als all die anderen?

Er spitzte seine Predigt auf die Frage zu, die Sie auf dem Foto lesen können. Wir sind ja glücklicherweise in unseren Breiten nicht in der Gefahr, des Christseins angeklagt zu werden. Und doch lade ich Sie zu diesem Gedankenexperiment ein: Finden Sie Indizien, die Sie als Christ ausweisen? Situationen, in denen Sie mehr getan haben als von Ihnen gefordert werden kann? Verhaltensweisen, die empathischer sind als Sie dies von Ihrer Umgebung kennen?

Ich bin sicher: Wenn Sie danach suchen, werden Sie Beweise für Ihr Christsein finden. Gleichzeitig möchte ich Ihnen diese Aufgabe mit auf den Weg ins Jahr 2018 geben: Wir alle sollten uns bemühen, im Sinne der Anklage verurteilt zu werden…

Geistliches Wort - 1./2. KW 2018 - von Pastoralreferent Ulrich Hoffmann, KAB-Kreispräses Iller-Donau

Der goldene Mittelweg

Zum Jahreswechsel – „in den Tagen zwischen den Jahren“ – sind viele nachdenklicher und in gewisser Weise auch frömmer als im Rest des Jahres. Dies mag zwar lobenswert sein, aber welchen Wert hat dieses Verhalten, wenn wir wissen, dass wir spätestens nach Dreikönig wieder in den alten Trott verfallen?

Bei Rabbi Mosche ben Maimon finden sich dazu sehr hilfreiche Gedanken: Der gerade Weg, den der Mensch wählen soll, ist der Mittelweg in allen Eigenschaften, in der Mitte zwischen den beiden Extremen. Als Beispiele führt er an, dass ein Mensch nicht zu lustig aber auch nicht nur traurig sein soll, dass er nicht knausrig sein, aber auch nicht das Geld mit beiden Händen beim Fenster hinauswerfen soll, etc.

Der Rabbi erwähnt zwei Ausnahmen, bei denen der Mensch nicht den Mittelweg gehen, sondern sich bemühen soll, das (bessere) Extrem zu wählen. Wenn es um Bescheidenheit oder Stolz geht, soll der Mensch nicht genau die Mitte zwischen den beiden Extremen anstreben, sondern sich eher bescheiden verhalten. Auch wenn er zwischen Zorn und Sanftmut wählen soll, ist nicht die Mitte dazwischen erstrebenswert, sondern man möge sich vom Zorn fernhalten.
Sonst allerdings ist der Mittelweg der richtige.

Maimonides setzt fort:
Wenn der Mensch an sich erkennt, dass er in einer Eigenschaft den Mittelweg nicht verwirklicht, sondern zum Beispiel besonders geizig ist, so soll er sich eine Zeit lang zwingen, genau die gegenteilige Eigenschaft zum Verhaltensmuster zu wählen, also besonders viel Geld ausgeben. Dann wird er letztlich das Gleichgewicht finden und somit den erwünschten Mittelweg gehen.

Ein späteres jüdisches Werk, das Sefer haChinuch, beschreibt diesen Vorgang auch mit den Worten, dass es nicht immer unsere Ideologie ist, die unsere Taten hervorruft, sondern dass es umgekehrt auch die Taten sein können, die unser Herz beeinflussen.

Nutzen wir also die Tage des beginnenden neuen Jahres dazu, dass wir uns im Vertrauen auf den mitgehenden und uns liebevoll ansehenden Gottes neu ausrichten an Ihm, damit wir unser Gleichgewicht (wieder) finden und den goldenen Mittelweg gehen können.

Ich wünsche Ihnen und Euch allen:
Ein gesundes und glückliches Jahr, ein Jahr des Friedens und des Gleichgewichts!

Archiv 2017

Geistliches Wort - 51./52. KW 2017 - von KAB-Diözesanpräses, Betriebsseelsorger und Diakon Erwin Helmer, Augsburg

Warum Maria und Josef bei uns bleiben

Eine sehr sinnreiche und aktuelle Weihnachtsgeschichte von Propst Wöllenstein erzählt Folgendes: Eines Tages zog eine Horde von Randalierern nächtens durch die Stadt und sprühte an die Wände der Bürgerhäuser: „Ausländer raus! Deutschland den Deutschen!“ Plötzlich – mitten in der Nacht – rührte sich etwas in der Stadt: „Kommt, wir tun, was an den Wänden steht. Wir gehen.“

Die Rohstoffe und die Waren aus dem Ausland hatten die Nase voll. Sie nahmen die Sprüche ernst und begannen, in ihre Heimatländer zurück zu wandern. Den Kaffee zog es nach Afrika, die Gewürze nach Asien, das Erdöl in den Orient, Metalle nach Brasilien, Kongo, Zaire, China, … die Weihnachtsgänse flogen zurück nach Polen und bald war nichts Ausländisches mehr im Land.

Aber - Tannen gab es noch, Äpfel und Nüsse und „Stille Nacht“ konnte noch gesungen werden, denn das Lied stammte ja immerhin aus Österreich. Maria und Josef waren noch da geblieben, zwei Juden, ausgerechnet. Sie sahen einander an und sagten: „WIR BLEIBEN HIER! Wenn wir auch noch gehen, wer soll ihnen dann noch den Weg zeigen zu mehr Menschlichkeit und Brüderlichkeit?“

Diese nette kleine Geschichte sagt uns, wie sehr wir von den Ländern dieser Welt profitieren und wie angewiesen wir aufeinander sind. Menschen leben davon, dass sie einander begegnen, miteinander in Kontakt treten, dass sie miteinander handeln und einander aushelfen. Was wäre das für eine Welt ohne Austausch und Warenhandel, ohne Vertrauen und Zusammenarbeit weltweit? Genau dafür stehen wir ein – mit allen Menschen guten Willens, für die EINE Welt, für den Zusammenhalt in Gerechtigkeit und Solidarität. Als KAB, als CAJ und Betriebsseelsorge arbeiten wir deshalb mit allen Menschen aus aller Herren Länder zusammen. Wir stehen an der Seite der AMAZON-Beschäftigten, wo mehr als 80 Nationen vertreten sind. Wir kümmern uns um Menschen aus Osteuropa, die hier nicht selten ausgebeutet werden und viele von uns begleiten Flüchtlinge aus Eritrea, Afghanistan, Nigeria, Syrien, Irak – um nur einige Länder zu nennen. Josef und Maria, die Hauptpersonen der Adventszeit, hatten es vor 2000 Jahren auch nicht leicht. Sie waren in freudiger Erwartung auf das Kind, das sie Jesus nennen sollten, Jesus – auf Deutsch: Gott rettet! Das lange erwartete Kind, der lang ersehnte Retter, der Messias „Christus“. Ihn feiern wir. Ihn, der das Licht der Welt ist. Ihn, dessen Gesicht uns in jedem Menschen aufleuchtet. Ihn, dem wir in jedem Ausländer, in jeder Ausländerin begegnen. Ihn, der die Liebe in Person ist. Darum geht es. Um nicht mehr und nicht weniger.

Ich wünsche Ihnen eine Gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!

Geistliches Wort - 49./50. KW 2017 - von Hans Reich, KAB-Kaufbeuren

"Mache Dich auf und werde Licht ..."

Gerade die Adventszeit ist eine besondere Zeit des Jahres. Es ist eine Zeit der Einkehr und der Stille, der Vorfreude und der Erwartung. Jesus Christus ist das Licht der Welt. Dieses Licht möchte in jeder „Rorate“ neu in unsere Herzen hineinleuchten und die Finsternis der Welt hell machen. Daran erinnern die Kerzenflammen in der „Rorate“. Sie wecken in den Gläubigen die Sehnsucht nach der Vereinigung mit dem einen großen Licht der Welt, Jesus Christus.

Dunkelheit löst bei vielen Menschen Unwohlsein aus. Finsternis macht Angst. Dunkle Straßen oder Unterführungen sind oft für Menschen Angst-Räume. Viele ältere Menschen trauen sich abends nicht mehr vor die Tür. Weil die Dunkelheit Menschen unsicher macht, sehnen wir uns nach Licht. Wir brauchen Licht, um uns sicher zu fühlen, um uns orientieren zu können.

Gerade jetzt in der dunklen Zeit zünden viele Menschen gerne eine Kerze an. Sie erleuchtet das Zimmer und schafft eine wohlige Atmosphäre. „Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt“, ruft der Prophet Jesaja dem geschundenen und verängstigten Volk Israel zu. Sie waren aus der Gefangenschaft in Babylon nach Jerusalem zurückgekehrt. In ihrer zerstörten Heimat fanden sie Armut, Not und Bedrängnis vor. Sie waren desorientiert, traurig und ohne Hoffnung. Und in diese Situation hinein ruft Jesaja dem Volk Israel dieses Hoffnungswort zu. „Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt.“ Das sagt der Prophet Jesaja auch zu uns heute. Mache dich auf! Werde aktiv! Das ist aber nicht immer einfach. Sorgen und Ängste beschäftigen viele. Da ist die Mutter, die gepflegt werden muss. Da ist das kranke Enkelkind. Eine Familie ist zerrüttet. Da sind Menschen bedroht den Arbeitsplatz zu verlieren. Da wird ein Kind in der Schule gemobbt. Und Millionen von Menschen sind auf der Flucht – Zukunft ungewiss.

Für uns Christen bedeutet Licht so viel wie: „Mache dich auf, werde hell, strahle vor Freude. Denn es kommt ein Licht auf dich zu. Du musst nicht mehr in der Dunkelheit und Finsternis bleiben. Du wirst erhellt und angestrahlt. Angst und Hoffnungslosigkeit weichen. Du hast wieder Hoffnung und Orientierung, siehst einen Lichtstreifen am Horizont.

Damit Christus in unseren Herzen ankommen kann, müssen wir zuallererst bei uns selbst ankommen, uns besinnen auf das, was uns wichtig ist. Vielleicht kann der Advent eine Zeit sein, in der wir besonders versuchen, Licht für Andere zu sein. Ich lade euch ein, in der Adventszeit mit offenen Augen durch den Alltag zu gehen und euch zu fragen: „Für wen kann ich Licht sein?“

Geistliches Wort - 47./48. KW 2017 - von Pastoralreferentin Martina Berndt-Hoffmann, Betriesseelsorge Weißenhorn

Links liegen gelassen…

….Beim Studium der Wanderkarte ist mir neulich bewusst geworden, es gibt manche Berge, Höhenzüge oder Waldgebiete, für die kein Weg und kein Steig eingezeichnet ist. Während auf manchen Bergen – vielleicht sogar erschlossen durch Bergbahnen – sich die Wanderer auf den Wegen drängeln, findet auf die anderen kaum einmal ein Mensch hinauf. 

Sie werden nicht beachtet, werden ignoriert, weil sie nicht bedeutend genug, nicht attraktiv, zu langweilig, aber vielleicht auch zu schwierig oder gefährlich sind. Nicht ständig im Interesse der Menschen zu stehen enthält für diese Berge eine enorme Chance: dort können Wildtiere leben und Pflanzen wachsen. Es kann sich die Natur in einem Freiraum entfalten, deren Lebensraum anderswo durch den Menschen immer mehr eingeengt oder zerstört wird.

Links liegen gelassen…

….Geht es uns nicht auch manchmal so, dass es ganz gut ist, an manchen Tagen nicht im Mittelpunkt zu stehen, auch mal ein paar ruhige Stunden zu haben, an denen niemand etwas von uns will, an denen wir nicht ständig zur Verfügung stehen müssen. Sind nicht dies die Zeiten, in denen wir wieder zu uns selbst finden, unseren Gedanken freien Lauf lassen, in denen wir Interessen nachgehen können, die sonst zu kurz kommen?

Links liegen lassen…

….möchte ich selbst allerdings nicht die Menschen, die brauchen, dass ich ihnen zuhöre, die meine Aufmerksamkeit benötigen oder meine Unterstützung!

Geistliches Wort 45./46. KW 2017 - von Ewald Lorenz-Haggenmüller, Betriebsseelsorge Allgäu

…selig seid ihr ….

Warum denn die Seligpreisungen als Evangelium an Allerheiligen? Erst kam mir in den Sinn, ob wohl nur die in den Himmel kommen, welche alle acht Eigenschaften zeitlebens auf sich vereinigen konnten. So ein hoher und unerfüllbarer Anspruch kann nicht alles sein. Das würde die Schar der Seligen wohl auf ein kleines Häuflein reduzieren.

Ist von Jesus nicht auch und vor allem gemeint, dass das rechte Tun die Verhältnisse hier auf Erden schon zum Besseren wenden soll? Frieden stiften und der Gerechtigkeit auf die Sprünge helfen. Den Schwächsten zuerst beistehen, Bedrängten und Bedrückten Trost spenden, Verfolgten Zuflucht gewähren und Hoffnung aufzeigen. Barmherzigkeit walten lassen und – ganz gegen den Trend von Leistungsdruck und Vorrang der Stärksten – sanftmütig sein. Entschleunigen, eine Pause einlegen (helfen) und das alles oft und gerade gegen alle Megatrends und den Mainstream von Geld und Größenwahn, Gewalt und Gegeneinander.

So werden mir die Seligpreisungen vor allem wie Bausteine für eine veränderte, bessere und gerechtere Welt. Und wenn wir eifrig daran mitarbeiten, können wir vielleicht alle zu Heiligen werden….

Geistliches Wort - 43./44. KW 2017 - von Pastoralreferent Hans Gilg, Betriebsseelsorge Augsburg

Scheiben-Wischer

Alles zugeschüttet mit Arbeit und Problemen. Kein Blick mehr für das Schöne. Wie im Blindflug.

Wir können sie nicht ständig sauber halten – die Scheiben unseres Lebens. Aber wenn es gar zu arg wird, dann tun sie gut, die Scheiben-Wischer:

Ein gutes Wort zur rechten Zeit

Solidarische Menschen in schwierigen Konflikten

Ein gutes Essen mit der Familie oder mit Freunden

Die Hand, die sich mir entgegenstreckt

Muße, die mir gut tut

Vieles kann die Scheiben wieder klar machen

Und ist dann nicht sogar ein Stück Himmel zu sehen?

GeistlichesWort - 41./42. KW 2017 - von Diakon Erwin Helmer, KAB-Diözesanpräses Augsburg

„Ihr seid das Salz der Erde - auf Dich kommt es an!“
KAB-Diözesantag in Augsburg

Am 7.Oktober tagte in Augsburg der KAB-Diözesantag, um eine 4-Jahres-Bilanz zu ziehen und Wege in die Zukunft zu beschließen. „Ihr seid das Salz der Erde“, sagt uns Jesus Christus und wir fragen uns in der KAB, was dies heute für uns bedeuten kann. Sind wir wirklich „Salz der Erde“? Mitten in der Arbeitswelt? Mitten in den Kämpfen der Menschen unserer Zeit? Sind wir würziges Salz, das Geschmack hat, das Profil hat?

In diesen Tagen, am 4.Oktober, gedachten wir auch unseres Seligen Marcel Callo, der vor genau 30 Jahren von Papst Johannes Paul II selig gesprochen wurde. Marcel wird als „Märtyrer der Arbeiterjugend“ von der CAJ und KAB verehrt. Er war Pfadfinder und Mitglied und Gruppenleiter der CAJ, von Beruf Drucker und Mitglied der Gewerkschaft. Wir rufen ihn immer an, wenn wir das KAB und CAJ-Gebet sprechen und bitten um seine Fürsprache bei Gott für unsere KAB, die CAJ, die Betriebsseelsorge, für die Welt der Arbeit.

„Salz der Erde“ sein wie Marcel Callo, „Salz der Erde“ sein heute ganz aktuell. Das sehen wir als unsere Aufgabe. Dieses Profil zu stärken, das Profil der KAB wieder neu zu finden und zu erfinden, das haben wir an diesem Diözesantag getan. Und was ist dieses „Profil“?

1.  Glauben und Leben verbinden

Die KAB versteht sich als Bewegung, die Glauben und Leben, Kirche und Arbeitswelt immer wieder neu auf ihre Art verbindet. Wir sind Kirche! Und wir sind Kirche, die an die Ränder geht - „verbeulte Kirche“ nennt sie Papst Franziskus -, weil wir mit allen Menschen, egal welcher Religion, Hautfarbe oder Kultur, reden und Verbindungen und Begegnungen suchen. Aus sich heraus gehen, nennt es Franziskus und macht es uns vor. Wir wollen „Salz der Erde“ sein und gerecht und solidarisch handeln.

2.  Gute Arbeit schaffen und prekäre Arbeit begrenzen

Es ist erfreulich, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland weiterhin sinkt und vielen Arbeitsuchenden Perspektiven eröffnet. Gleichzeitig aber wurde die sogenannte „prekäre Arbeit“, ausbeuterische, niedrig entlohnte, ungerecht bezahlte Arbeit erheblich mehr. Das kann nicht so bleiben. Mit dem Jakobusbrief 5,4 gesagt: „Der Lohn, den ihr euren Arbeitern vorenthalten habt, schreit zum Himmel!“ Nach wie vor wird Leistung, die vorhanden ist, unterbezahlt. Hier muss der sozialethische Grundsatz endlich umgesetzt werden: Gleicher Lohn und gleiche Arbeitsbedingungen für alle! Deshalb haben wir für den Mindestlohn gekämpft, der endlich umgesetzt wurde (heute immerhin bei 8,84 Euro!). Wir setzen uns ein gegen diskriminierende Leiharbeit, für die Regulierung der Werkverträge, Einschränkung der Befristungen (nur mehr mit einem Sachgrund), die Anhebung des Mindestlohns auf 11,50 Euro, für Tarifverträge und Mitbestimmung.

3. Den Sonntag schützen – Ladenschluss erhalten!

In Bayern haben wir immer noch die bewährten Ladenschlusszeiten, die uns allen nach 20 Uhr Ruhe, wenigstens im Handel, verschaffen. Darauf sind wir stolz, diese Zeitoasen wollen wir auf jeden Fall erhalten. Dringenden Handlungsbedarf sehen wir in der hohen Zahl der verkaufsoffenen Sonntage in Bayern: mehr als 2 000 sind viel zu viel und erfüllen nicht die Vorgaben der Bundesgerichte. Wir sind stolz darauf, dass unsere Klage gegen zwei „Marktsonntage“ in Augsburg, gemeinsam mit den evangelischen Kollegen und der Gewerkschaft VER.DI, im Rahmen unserer Sonntagsallianz, durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eindeutig für uns entschieden wurde. Sie wurden gerichtlich gekippt! Aber: Wir stellen uns auf harte Auseinandersetzungen ein gegen Karstadt, Kaufhof und den Dachverband HDE (Handelsverband des Deutschen Einzelhandels), die grundgesetzwidrige Forderungen aufstellen. In Zukunft muss es zudem auch ein „Recht auf  Unerreichbarkeit“, ein „Recht auf das Abschalten“ geben, das die Pausen und Ruhezeiten wirksam schützt.

4. Renten sichern – Kranke und Pflegebedürftige schützen!

Wir sind stolz darauf, dass die Sozialwahlen und die Mitbestimmung in den Aufsichtsgremien der Sozialversicherungen bundesweit wesentlich von der KAB getragen und mitgetragen werden. So nehmen wir direkt Einfluss auf die effektive und sachorientierte Gestaltung der Renten- und Krankenversicherungen, der Pflegeversicherung und der Unfallverhütung.

5. Fairer Handel und nachhaltiges Wirtschaften

Wir stehen hinter dem freien Welthandel, der allerdings viel stärker als in der Vergangenheit den menschlichen, sozialen und nachhaltigen Zielen der Weltgemeinschaft dienen muss. Um dies durchzusetzen sehen wir die „Freihandelsabkommen“ kritisch. Gemeinsam mit anderen Organisationen haben wir erreicht, dass mehr Demokratie und soziale wie nachhaltige Ziele in die entsprechenden Abkommen verbindlich verankert werden müssen. Hier werden wir weiterhin sehr aufmerksam die Abkommen CETA, TTIP, TISA und andere begleiten.

Die KAB geht mit neuem Mut und großer Begeisterung ihren Weg

Wir sehen uns gestärkt durch die sozialen und ökologischen Botschaften aus Rom. Papst Franziskus spricht uns aus dem Herzen. In seinem Sinn wollen wir würziges Salz sein und denen „lästig“ sein, die ihre Geld- und Machtinteressen in der Welt durchsetzen wollen:

„Wie viele Worte sind diesem System unbequem geworden!
Es ist lästig, wenn man von Ethik spricht,
es ist lästig, dass man von weltweiter Solidarität spricht,

es ist lästig, wenn man von einer Verteilung der Güter spricht,
es ist lästig, wenn man davon spricht, die Arbeitsplätze zu verteidigen,

es ist lästig, wenn man von der Würde der Schwachen spricht,
es ist lästig, wenn man von einem Gott spricht, der einen Einsatz für die Gerechtigkeit fordert.“


Evangelii gaudium 203

Geistliches Wort - 39./40. KW 2017 - von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

O´zapft is – oder die große Ablenkung

Freitagvormittag halb zehn. Bahnhof Neu-Ulm.
Männer in Hosen, die angesichts der morgendlichen Kühle eindeutig zu kurz sind, und mit unglaublichen Strümpfen. Frauen jeden Alters in Dirndln, die in Neu-Ulm sonst nicht zu sehen sind und im Hinterland vielleicht beim sonntäglichen Kirchgang Verwendung finden.
Freitagvormittag halb zehn. Bahnhof Neu-Ulm.

Es geht zum Hochamt nach München, ein Hochamt ohne Nüchternheits-Gebot: Oktoberfest, Bayern gegen Wolfsburg, es ist Feiertag. Im Zug kreisen Sektflaschen, auch Fremden wird etwas angeboten, ausgeschüttetes Bier stimmt geruchlich ein auf das, was der Tag heute noch bereithält. Für den Preis einer Oktoberfestmaß muss mancher über eine Stunde arbeiten.
Oktoberfest, Fußballspiel, so ein Feiertag tut gut. Sie tut gut die Ablenkung angesichts der Nachrichten über Naturkatastrophen, Kriege, Krisenherde, Flucht, angesichts eigener Schwierigkeiten.
Auch wenn mich das Oktoberfest noch nicht gesehen hat, ich meine es nicht zynisch: Die Ablenkung tut gut.

Jesus war als Fresser und Säufer verrufen. Die Evangelisten berichten immer wieder von Mählern Jesu. Jesus hat sie wohl genossen. Und mit wem er da alles gespeist hat: Zöllner, Prostituierte, Sünder, Pharisäer, …  waren dabei. Er hat Menschen versammelt, die sonst nicht so viel miteinander zu tun hatten.
Ohne jedes Besäufnis heilig zu sprechen: Lässt sich vielleicht beim Feiern einüben, wie Leben gelingen kann schon vor dem verheißenen himmlischen Hochzeitsmahl?

Im Moment bin ich allerdings froh, dass ich im Nachmittagszug zurück nach Neu-Ulm sitze und nicht den alkoholgeschwängerten Abendzug nehmen muss.

Geistliches Wort - 37./38. KW 2017 - von Gemeindereferentin Regina Wühr, Geistliche Begleiterin der KAB im Diözesanverband Augsburg

Wer die Wahl hat…

…hat die Qual, werden Sie beim Lesen sicher sofort dieses Sprichwort ergänzen. Gilt dies schon für alltägliche Entscheidungen (was zieh ich an, was koch ich heute, was mach ich in der Freizeit, welches Handy kaufe ich mir…), umso mehr für politische. Viele fragen sich angesichts der bevorstehenden Wahlen zum Bundestag: welche der Mandatsträger/innen kann oder soll ich wählen? Manche gehen überhaupt nicht mehr zur Wahl: aus Frust über die Politik und ihre Skandale. Was vor den Wahlen verspochen und hinterher umgesetzt wird, ist ein Kapitel für sich. Pauschalurteile über Politiker/innen tun ein Übriges. Doch wer die Wahl hat, ist vor allem ein freier Mensch in einem demokratisch geführten Land; sein Wahlrecht zu nutzen zeugt von Verantwortung, die jede/r hat und niemandem abgenommen werden kann.

Doch wovon soll man sich leiten lassen bei  seiner Entscheidung?  Vermutlich bringt kaum jemand die Geduld und Zeit auf, die umfangreichen Wahlprogramme zu lesen,  und Schlagworte allein reichen nicht aus. Für mich gibt das alttestamentliche Buch Deuteronomium die Richtung vor: „Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen.“ (Dtn 30,19c) Wählen, was dem guten Leben miteinander dient, dem sozialen Frieden untereinander, damit es auch der nachfolgenden Generation gut geht: das sollte der Maßstab sein. In der katholischen Soziallehre haben das die Päpste immer wieder angesichts der Herausforderungen der jeweiligen Zeit konkretisiert, aktuell Papst Franziskus in seinen Rundschreiben „Evangelii Gaudium“ und „Laudato si.“ Davon inspirierte politische Modelle, Aktionen und Stellungnahmen finden Sie auf unserer Homepage. Gewiss: christlich geprägte Menschen können durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, welcher Partei sie letztlich ihre Stimme geben. Und ja: es kann anstrengend sein, sich mit den kirchlichen und politischen Positionen auseinanderzusetzen. Doch einfach von selber stellt sich kein gutes Leben für alle ein. Sich dafür zu engagieren gehört zum christlichen Profil. Insofern war Christsein schon immer anspruchsvoll. Stellen wir uns diesem Anspruch und treffen wir eine gute Wahl!

Regina Wühr

Geistliches Wort - 35./36. KW 2017 - von Pastoralreferent Andreas Kohl, Betriebsseelsorge Weilheim

Wie ein Tropfen im Ozean

„Was ist das schon?“ höre ich die Verkäuferin sagen, die ihrer von vielerlei Sorgen bedrückten Kollegin ein offenes Ohr schenkt.

„Was ist das schon?“ höre ich die Altenpflegerin sagen, die mit ihrer humorvollen Art für gute Stimmung unter den Heimbewohnern sorgt.

„Was ist das schon?“ höre ich den Verwaltungsangestellten sagen, der einmal die Woche einem jungen Asylbewerber beim Deutschlernen hilft.

„Was ist das schon?“ höre ich die Rentnerin sagen, die immer wieder mal einspringt, wenn das Kind der alleinerziehenden Nachbarin kurzfristig betreut werden muss.

„Was ist das schon?“ höre ich den Ausbilder sagen, der für den lernschwachen Azubi besonders viel Geduld aufbringt.      

Was ist das schon, was wir als Einzelne tun und verändern können, angesichts der Bedürftigkeit und Not so vieler Menschen um uns herum?

Von Mutter Teresa, die vor 20 Jahren, am 5. September 1997, gestorben ist und vor einem Jahr von Papst Franziskus heilig gesprochen wurde, stammt das Wort:
"Was wir bewirken, ist kaum mehr als ein Tropfen im Ozean. Aber wenn wir tatenlos blieben, fehlte dem Ozean gerade dieser Tropfen."

Ja, unsere Möglichkeiten und Kräfte sind oft begrenzt. Aber mit jeder liebevollen Aufmerksamkeit und Hilfestellung, sei sie noch so klein, verändern und gestalten wir diese Welt zu einer menschlicheren, geschwisterlichen Welt – wie Gott sie für uns Menschen gedacht hat.

Na wenn das nichts ist!

Geistliches Wort - 33./34. KW 2017 - von Pastoralreferent Christian Dorn, Betriebsseelsorge Allgäu

Eine kleine Anregung für die Sommerzeit

Vor einigen Jahren an einem warmen Augustabend saß ich mit einer Gruppe Jugendlicher am Rande des Gaisalpsees (unterhalb des Rubihorns), wo wir für die Nacht biwakieren wollten. Die Sonne ging langsam unter. Geplant war ein spiritueller Abendimpuls mit biblischer Lesung, einigen Gedanken und Gebet. Es blieb bei der biblischen Lesung. Ich hatte die Lesung ausgesucht, die am Sonntag dieser Woche (19. Sonntag i.J.) in den Gottesdiensten zum Vortrag kommt: Elija am Gottesberg Horeb (1 Kön 19,9-13). Die Jungs im Alter zwischen 13 und 16 waren wie Jungs im Alter zwischen 13 und 16 eben so sind: gut hörbar, sehr lebendig und bewegungsfreudig. Wir saßen also zusammen, den Blick Richtung Sonnenuntergang und ich las die Geschichte von Elija am Horeb. Elija war dort angekommen, nachdem er mit Leidenschaft für die Sache Gottes gekämpft und sich für das Gute verausgabt hatte – dieser festen Überzeugung war er zumindest. Umso mehr erschütterte es ihn, dass er scheiterte. Und er zweifelt und verzweifelt. Er legt sich in der Wüste unter einen Ginsterstrauch und wünscht sich den Tod. In diesem Augenblick lässt er los von seiner Illusion, die Welt nach seinen frommen Vorstellungen gestalten und verändern zu können.
Er lässt die Enttäuschung zu, dass seine hehren Pläne zerbrochen sind. Er ist am Nullpunkt. Und genau an diesem Nullpunkt findet er zu Gott bzw. Gott zu ihm. Er erfährt Stärkung und macht sich auf zum Horeb.

Hier setzt die Erzählung ein, die ich am Gaisalpsee vorgelesen habe. Ein Sturm kommt, ein Erdbeben, ein Feuer – doch in keinem dieser gewaltigen Naturzeichen ist Gott. Elija begegnet Gott in einem sanften, leisen Säuseln – so die Einheitsübersetzung. Sehr viel schöner übersetzt von Martin Buber: in einer „Stimme verschwebenden Schweigens“. Hier fernab dem Getöse des Alltags, der menschlichen Parolen und (Schein-)Gewissheiten, ganz zurück­geworfen auf sich selbst, an seinem Seelengrund – hier zeigt sich Gott dem Elija. Elija spürt die Gegenwart Gottes, doch wird er seiner nicht habhaft. Er erfährt Gott in einer „Stimme verschwebenden Schweigens“. Elija tritt vor die Höhle und hüllt sein Gesicht in einen Mantel. Der Prophet lernt in diesem Augenblick: Gott begegnet dem Menschen, der von allen allzu menschlichen Gewissheiten und Sicherheiten ablassen kann, der von seinen festbetonierten Überzeugungen einen oder zwei Schritte zurücktreten kann und der so ganz offen wird für Gott.

Und was passierte am Gaisalpsee? Die Erzählung war zu Ende und die Jugendlichen und Begleiter saßen einfach da. Ich spürte: das ist kein Moment für neue, bedeutungsvolle Worte. Das ist ein Moment der Stille, des Schweigens des Loslassens. Minutenlang saßen wir so da, was bei Jungs dieses Alters sicher nicht allzu häufig vorkommt. Ich bin überzeugt: einige in der Gruppe konnten in diesem Augenblick am Gaisalpsee einfach mal loslassen.

Die Selbstverständlichkeiten des Alltags loslassen, um ganz bei sich und ganz offen für Gott zu sein. Dazu möchte ich mir in der Sommerzeit einige Räume reservieren und sie einladen, sich auch einmal aufs Loslassen einzulassen. Mit hinein in diesen Raum nehme ich noch ein Gedicht von Mascha Kaléko, in dem sie ganz schlicht und wunderbar eine solche Erfahrung beschreibt:

Mein schönstes Gedicht?
Ich schrieb es nicht.
Aus tiefsten Tiefen stieg es.
Ich schwieg es.

Christian Dorn, Betriebsseelsorge Allgäu

Geistliches Wort 31./32. KW 2017 - von Diakon Leonhard Bernhard, Betriebsseelsorge Augsburg

Von den Bienen lernen…

Ein altes Imker-Sprichwort heißt: „ Willst du Gottes Schöpfung sehen, musst du zu den Bienen gehen.“ Den Bienenstaat nennen wir „Das Volk“.

Da gibt es noch eine echte Königin mit Hofdamen, Ratgeber, Kundschafter und vielen Kindern.
Der Fleiß der Königin entscheidet die Vermehrung und somit den Fortbestand des Volkes. Für den Imker ist die Brut entscheidend. Keine Brut, kein Fortbestand.

Was können wir also von den Bienen lernen?
Bei den Bienen gibt es keinen Egoismus. Wenn eine Biene Nahrung gefunden hat, verständigt  sie sofort ihre Mitschwestern und zeigt ihnen, wo Nahrung zu finden ist.
Jede Biene hat eine bestimmte Aufgabe und jedes Tun dient dem ganzen Volk. Die Jungbiene zum Beispiel reinigt den Brutraum und lagert den Honig ein.
Die anderen sind für die Hygiene zuständig, wieder andere bewachen das Flugloch, damit keine Feinde eindringen können.

Wie erwähnt, alles dient dem Ganzen.
Die Bienen sind fleißig. Viele Flugstunden sind notwendig, um ein Glas Honig zu füllen. Man sagt: „Um ein Glas Honig zu sammeln, muss eine Biene eineinhalb mal um die Erde fliegen.

Für die Bienen gibt es keinen Terminkalender.
Ich selber habe die Erfahrung gemacht, wenn ich an den Bienen arbeite, darf ich keinen Termindruck haben. Das können sie nicht ertragen, das macht sie nervös. Sie antworten mir dann auf ihre unangenehme Art und Weise.
Wenn ich am Sonntag zur Kirche gehe und die leeren Kinderbänke sehe, fallen mir unwillkürlich meine Bienen ein: Ohne Brut kein Fortbestand! Und sie geben uns das Beispiel einer bedingungslosen Zusammengehörigkeit.
Auch wir  Menschen haben Talente und Fähigkeiten, jede/r nach seiner Art. Wir sind von Gott berufen. Und unser Handeln muss dem Volke dienen. Im Neuen Testament schreibt Petrus seiner Gemeinde folgendes:

„Wer redet, der rede mit den Worten, die Gott ihm gibt; wer dient, der diene aus der Kraft, die Gott verleiht. So wird in allem Gott verherrlicht durch Jesus Christus.  Sein ist die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen“ (1 Petr 4,11)

Da lassen sich doch Parallelen entdecken, oder ?

Ihr Betriebsseelsorger Leonhard Bernhard wünscht erholsame Ferien.

Geistliches Wort - 29./30. KW 2017 - von Diakon Georg Steinmetz, Betriebsseelsorge Dinkelsbühl - Donau Ries

Zu Mt 9,9-13

 

Was sagst Du, Gott

zu Freihandel mit TTIP, Ceta und G20zu Krieg, Flucht und Vertreibungzu Kleiderfabriken in Bangladesh und Asien

Und was sagst du
zu Niedriglohn, Managergehältern und zu Boni
zu Spekulationen und Schlupflöchern in Steueroasen
zu Klimawandel und Energieverschwendung

Wie stehst du
zu Leiharbeit und Werkverträgen
zu Pflegekräften mit Billiglöhnen aus fernen Ländern
zu unsicheren Arbeitsverträgen junger Menschen

Was denkst du im Anblick
von Palmölplantagen, Erdölfeldern, Biogas aus Mais und Weizen
von Lebensmitteln in Müllcontainern
von Hunger, Not und Dürre in Afrika

Jesus sah einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus.“

Matthäus sitzt an der Grenze
in der Zollstation
der hat Macht
mit kaiserlichem Geld

Jesus geht zur Grenze
zum Arbeitsplatz des Zöllners
und sieht
den Menschen Matthäus
... und er sprach zu ihm:
Folge mir!
Und er stand auf und folgte ihm.

Matthäus bricht auf,
geht hinter ihm her,
in seiner Spur
Dahin
wohin er ihn führt.

Erst heim in sein Haus
zum Essen und Mahl halten
mit Jesus, seinen Jüngern
und vielen Zöllnern und Sündern
Wandlung geschieht

Matthäus lernt die Welt
mit Jesu Augen sehen
Was würde Jesus sagen?
Jetzt in unsere Zeit
des Überflusses hier
Und des Mangels
an anderen Orten
unserer Welt

Folge mir?

Ja, folge mir
zu den Menschen
mit und bei ihnen!

Geistliches Wort - 27./28. KW 2017 - von Peter Ziegler, KAB-Diözesansekretär, Augsburg

Werkzeugkiste für das Leben

In jedem Jahr bekommen die Neupriester in der Diözese Augsburg einen individuell gestalteten Werkkoffer von der Verbändekonferenz im Bistum überreicht. Jeder Verband hat das Symbol hineingepackt, das ihm als ein Bild für sein Tun geeignet scheint – und das den Neugeweihten für Ihren kirchlichen Dienst dienen mag.

So finden sich darin Buntstifte, die die Vielfalt unserer Kirche abbilden und nur im Miteinander so etwas Faszinierendes wie einen Regenbogen entstehen lassen können. Es gibt dort aber auch ein Klebeband, das dazu dient, Spaltungen zu kitten und Trennungen zu begegnen. Es findet sich darin auch ein Radiergummi, der für eine Fehlerfreundlichkeit und das Ermöglichen einer zweiten Chance steht. Der Bleistiftspitzer steht dafür, dass es immer wieder die Gelegenheit gibt, Abgestumpftes neu zu schärfen. Drei Jonglierbälle stehen für das Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist. Mehrere Stifte stehen dafür, dass jeder und jede das Buch seines/ihres Lebens selbst schreibt. Und natürlich kommt man auch ohne das Wort Gottes nicht gut durch das Leben.

In diesem Jahr hatte ich die Ehre, die Koffer zu überreichen und habe hier viel Dankbarkeit gespürt. Dabei kam mir der Gedanke, dass ein derartiger Koffer nicht nur Neupriestern für ihre Aufgaben, sondern eigentlich jedem jungen Menschen beim Start in ihr selbstständiges Leben eine wertvolle Hilfe sein könnte…   

Geistliches Wort - 25./26. KW 2017 - von Pastoralreferentin Martina Berndt-Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Kennen Sie die Lutherrose?

Bis vor kurzem kannte ich sie nicht- sie gehört zu meinen Entdeckungen im Lutherjahr, das unsere evangelischen Mitchristen/innen gerade intensiv erleben.

Da ich selbst gerne mit Bildern und Symbolen arbeite, fasziniert mich an ihr besonders, dass sie in einem einzigen Bild die komplette Theologie Martin Luthers beinhaltet und das für ihn Wesentliche „an-schau-bar“  zusammenfasst.

 

 

 

Die Lutherrose deutet der Reformator selbst folgendermaßen:

Sie ist „Ein Merkzeichen meiner Theologie. Das erste sollte ein Kreuz sein, schwarz im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte, damit ich mir selbst Erinnerung gäbe, dass der Glaube an den Gekreuzigten mich selig macht. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht. Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rose stehen, anzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt. Darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose steht im himmelfarbenen Feld, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlischen Freude zukünftig. Und um solch Feld einen goldenen Ring, dass solche Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich ist über alle Freude und Güter, wie das Gold das edelste, köstlichste Erz ist.“

Quelle: WA, Luthers Briefwechsel, 5. Band, S. 444f (Nr. 1628)

Die Lutherrose war das Siegel, das Martin Luther ab 1530 für seinen Briefverkehr verwendete. Luther nutzte dieses Wappen, um Schriften und Schreiben als von ihm verfasst kenntlich zu machen.

Die Lutherrose regt mich heute dazu an, wieder einmal darüber nachzudenken, was mir im Glauben besonders wichtig ist, was mich darin trägt und hält. Und sie motiviert mich weiter zu überlegen, welche Zeichen und Symbole unsere Überzeugungen in der KAB und Betriebseelsorge besonders anschaulich machen….

Geistliches Wort - 23./24. KW 2017 - von Ewald Lorenz-Haggenmüller, Betriebsseelsorge Allgäu

…hinter verschlossenen Türen ….

Hinter verschlossenen Türen harrten die Jünger Jesu seit Ostern fünfzig Tage lang und rührten sich nicht mehr vom Fleck. Bis heute hatte sich bei mir das Bild eingebrannt von einer Apostelschar, die der selbst gewählten Isolation nicht mehr entkommen konnte. Geschockt vom gewaltsamen Tod Jesu trauten sie sich nicht mehr ins öffentliche Leben zurück. Obwohl ihnen der Auferstandene mehrmals begegnet war und sie ihn gar noch in den Himmel auffahren sahen, sie hatten – in meiner Fantasie - alle Türen hinter sich zugemacht. Erst als ich jetzt die Bibeltexte nachlas, stand da gar nichts von verschlossenen Türen: „Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort“ (Apg. 2,1).

„Da kam … ein Brausen … Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt“

Gottes guter Geist nahm sich der verängstigten Jüngerschar an und heilte sie von den tiefen Wunden, die der Weggang ihres Herrn und Meisters geschlagen hatte. Sturm und Feuerzungen waren nötig, dass sich die Gemeinschaft um Petrus aus der Deckung traute. Die inneren Türen hatten sich aufgetan und blieben offen.

In diesem Sinne bleibt mir das Bild, der Heilige Geist kam an Pfingsten nicht unbedingt hinter verschlossene Türen, sondern zu verschlossenen, verängstigten Menschen. Und so kommt er - immer wieder neu und nicht nur an Pfingsten – zu Dir, zu mir, zu allen, die sich aus welchem Grund auch immer zurückgezogen haben oder nicht mehr zutrauen, über sich hinaus zu gehen. Das ist wie eine persönliche Stärkung und Zusage: Du kannst es, misch Dich ein, geh auf die anderen zu, kümmere Dich um die Menschen und die Welt. Der Heilige Geist möge uns immer finden und erreichen, wenn wir uns zurückziehen oder verschlossen werden.

Komm, Heilger Geist, der Leben schafft (GL 342)

Geistliches Wort - 21./22. KW 2017 - von Pastoralreferent Hans Gilg, Betriebsseelsorge Augsburg

Hier arbeitet ein Mensch

Auf einem kleinen Aufkleber ist solch eine große Botschaft.

So klein, wie dieser Aufkleber, so klein fühlen sich manche Beschäftigte, wenn Mächtige mit ihren Arbeitsplätzen spielen.

So klein und schwach kann die Gesundheit werden, wenn sich der Druck immer weiter erhöht, wenn das Betriebsklima vergiftet ist und jeder nur noch wie eine Maschine funktionieren muss.

So klein wird die Hoffnung, wenn umstrukturiert wird, der Arbeitsplatz weg und die Existenz gefährdet ist.

So klein und ausgenutzt fühlen sich Leiharbeiter und prekär Beschäftigte.

So klein der Aufkleber ist, er hat diese wichtige Botschaft:

Hier arbeitet ein Mensch – und drunter kann man ruhig noch schreiben: Und dieser Mensch ist mehr wert als alles Gold und Geld und Kapital dieser Erde.

Das ist unser Auftrag: Mithelfen, damit Arbeit wirklich gute Arbeit ist

Geistliches Wort - 19./20. KW 2017 - von Diakon Erwin Helmer, KAB Diözesanpräses Augsburg

„Heilung braucht Nähe“

Zum Internationalen Tag der Pflege am 12.Mai 2017

Am Beginn jeder Pflegediskussion steht der große DANK an alle, die sich engagieren, damit Kranke, Alte, Pflegebedürftige und Sterbende ein menschenwürdiges Leben haben können. Nicht umsonst reden wir vom „Lebensabend“, der sich entwickeln darf, der in aller Ruhe und Gelassenheit sein darf, der dem Menschen gerecht wird und Gott zur Ehre gereicht.

DANKE allen Pflegenden in Krankenhäusern, Kliniken, Seniorenheimen, Hospizhäusern, in Wohnungen, Zimmern und Stuben.

DANKE allen Frauen und Männern, die als Ärzte, Arzthelferinnen, Therapeuten, Sozialarbeiter und Seelsorger aktiv sind.

DANKE allen Politikern und Verantwortlichen, die sich wirklich um die Menschen in ihrer Ganzheitlichkeit und in jeder möglichen Situation bemühen.

DANKE allen Personalräten, Betriebsräten und Gewerkschaftern/innen, die sich solidarisch zeigen und die guten Interessen vertreten.

An diesem 12. Mai weist die Gewerkschaft VERDI darauf  hin, dass in Bayern ca.        21 000 Stellen im Kranken- und Pflegebereich fehlen. Allein 10 000 in der Pflege. Ferner heißt es in einem Aufruf:

„In Deutschland muss eine Pflegekraft fast zehn Patient/innen betreuen, in Irland sind es sechs, in den Niederlanden fünf und in Norwegen vier.“

Heilung braucht Nähe!

Deshalb unterstützen wir als KAB und Betriebsseelsorge alle Bemühungen,

·        die unsere Gesundheitsversorgung besser ausstatten

·        die den Personalschlüssel in Deutschland menschenwürdig gestalten

·        die das Personal in jeder Hinsicht entlasten – finanziell, zeitlich, menschlich

·        ein erster Schritt wäre die deutlichere Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze und damit ein höherer Beitrag derer, die es sich leisten können.

Heilung braucht Nähe!

Das bedeutet für Christen, dass wir uns eindeutig auf die Seite der Kranken, Krankwerdenden und Pflegebedürftigen stellen.

Denn  Christus sagt, dass ER uns in den Kranken begegnet:

„Denn ich war krank und pflegebedürftig … und du hast mich begleitet.“

Geistliches Wort - 17./18. KW 2017 - von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

„Niemand hat das Recht zu gehorchen“

Es ist schon manchmal so: Ein Satz fliegt einen an und er nistet sich ein.

Mir ist es mit diesem Satz der Philosophin Hannah Arendt (1906-1975) so gegangen. Zweimal ist er mir innerhalb kürzerer Zeit begegnet: „Niemand hat das Recht zu gehorchen.“

Gehorchen – da denke ich zunächst eher an Gehorsamspflicht, an Gehorsamsversprechen bei Priesterweihen, innerhalb von Ordensgemeinschaften. Mir fallen Eltern, Lehrer/innen, Kirchenvertreter, Vorgesetzte, Chefs, Machthaber ein, die von anderen Gehorsam einfordern. Nicht fehlen dürfen freilich auch Stichworte wie „ziviler Ungehorsam“ bis hin zur „Pflicht zum Ungehorsam“.

„Niemand hat das Recht zu gehorchen.“ Heißt das
- niemand hat das Recht, es sich im Gehorsam bequem zu machen und die Verantwortung unbesehen an eine übergeordnete Instanz abzugeben;
- niemand hat da Recht, ungerechte Maßnahmen gegen eine Kollegin zu schlucken, nur weil die Maßnahme von oben kommt;- niemand hat das Recht, um des lieben Betriebsfriedens willen als Betriebsrat falsche Eingruppierungen durchzuwinken;
- niemand hat das Recht, sich einer Gruppe, gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Vorgaben unterzuordnen, wenn er oder sie damit Unrecht mitträgt?

„Niemand hat das Recht zu gehorchen“: Könnte es all das heißen?

Hat uns nicht der Auferstandene gerade dazu befreit und in seine Nachfolge gerufen?

In eine Nachfolge, die keinen eindeutigen Pfad vorgibt, dem wir einfach gehorsam zu folgen hätten. In eine Nachfolge vielmehr, die uns statt zu blindem Gehorsam im Vertrauen auf den liebenden Gott Jesu und mit kritischem heiligen Geist einlädt, mitzubauen daran, dass „dein Reich komme, in die Fabriken, Werkstätten, Büros und in unsere Häuser“ (KAB-Gebet).

Geistliches Wort - 15./16. KW 2017 von Gemeindereferentin Regina Wühr, Geistliche Begleiterin der KAB Diözese Augsburg

Was für ein Feuer!

Was verbinden Sie mit diesem Bild?
Ein Lagerfeuer, an dem man sich die Hände wärmt, Speisen gart und mit anderen Lieder singt (wie vielleicht schon die Steinzeitmenschen)?  Ein romantisches Kaminfeuer? Johannisfeuer, um das getanzt wird? Andere Brauchtumsfeuer? … Vermutlich Gedanken, die mit Wärme und Gemeinschaft zu tun haben, aber auch solche, die um die verheerende Wirkung unbewachten Feuers wissen.

Feuer – ein gewaltiges Naturelement und nicht wegzudenken aus unserem Leben!

Kein Wunder, dass es in unserer Sprache bildlich verwendet wird und man nicht lange erklären muss, was es bedeutet, wenn jemand „Öl ins Feuer gießt“, politisch „herumzündelt“, jemand  „Feuer und Flamme“  oder „entbrannt“  ist für eine Sache oder einen Menschen, eine Fußballmannschaft oder andere Sportler/innen „anfeuert“…

Kein Wunder auch, dass es mit Gott in Verbindung gebracht wird. Spätestens jetzt werden viele Leser/innen an den brennenden Dornbusch denken, in dem Gott sich dem Mose offenbarte (Exodus 3, 1-4), ans Osterfeuer, an dem jährlich die Osterkerze als Symbol für den auferstandenen Christus entzündet wird und an die „Zungen wie von Feuer“, die sich an Pfingsten über die Jünger/innen Jesu verteilten (Apostelgeschichte 2,3). Weniger bekannt ist das Wort Jesu aus dem Lukasevangelium: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ (Lukas 12,49)

Wann aber „springt der Funke über“? Der Schlüssel dazu scheint mir in der Emmausgeschichte (Lukas 24,13-35) zu liegen: wenn sich in unseren Begegnungen die Erfahrung der Emmausjünger wiederholt, im Gespräch über einschneidende Lebensereignisse enttäuschte Hoffnungen und Vorstellungen hinterfragt werden, um Sinn gerungen und beim Teilen des (Lebens-) Brotes eine völlig neue, befreiende Sicht geschenkt wird, die IHN erkennt und im Rückblick fragen lässt: „Brannte uns nicht das Herz…als ER mit uns redete“ (Lukas 24,32). Das „brennende Herz“ scheint neben existentieller Betroffenheit ein sicheres Kriterium für das Erahnen SEINER Nähe zu sein. Und wer einmal „Feuer gefangen“ hat für Jesus und seine Botschaft, der muss sie „noch in derselben Stunde“ (Lukas 24,33) weitertragen; den wird – wie ihn - die Not seiner Mitmenschen nicht „kalt“ lassen, er oder sie wird mit „Feuereifer“ an der Seite der Betroffenen sein, sich ihrem Fragen und Ringen stellen und mit ihnen gegen unheilvolle und trostlose Situationen angehen.

So ist das Osterfeuer kein „Strohfeuer“, sondern „entflammt“ weltweit immer wieder aufs Neue Menschen für Gott und die Welt: Frauen und Männer – wunderbar dargestellt in der Emmausikone von Sr. Marie-Paul OSB.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest, besonders einen frohen Emmausspaziergang am Ostermontag!

Geistliches Wort -13./14. KW 2017 - von Hans Reich, Betriebsseelsorge Allgäu

Gottesbilder - Menschenbilder“

Wenn Menschen von Gott reden, verbinden sie damit häufig ein inneres Bild. Diese Gottesvorstellung durchläuft im Leben Wandlungen und passt sich gesellschaftlichen Gegebenheiten an. Denn als aufgeklärte Zeitgenossen meinen wir genau zu wissen, was Gott für einen Gläubigen darstellt: das Höchste Wesen, das die Welt und alles in ihr geschaffen hat. Viele Gläubige und die meisten Theologen räumen zwar theoretisch ein, dass Gott ganz und gar transzendent sei, trotzdem haben sie erstaunlich konkrete Vorstellungen, wer "er" ist und was er von uns erwartet. Unser modernes Gottesbild ist jedoch oft naiv.

In Lobpreisungen erinnern wir Christen den Herrn daran, dass er die Welt geschaffen hat und wir nur arme Sünder sind. Dabei existiert durchaus ein Bewusstsein davon, wie schwierig es ist, über Gott zu sprechen. Große jüdische, christliche und muslimische Theologen erklärten immer wieder, dass wir, wenn wir das Göttliche in Worte fassen, notwendigerweise an die Grenzen des Sagbaren gelangen. Bei jedem Menschen haben sich im Laufe seines Lebens bewusst oder oftmals auch unbewusst Bilder von Gott oder über Gott herausbildet. Gottesbilder sind uns Menschen nicht immer offensichtlich und entwickeln sich über einen längeren Zeitraum hinweg, oft sogar zeitlebens. Dabei spielen persönliche Erfahrungen in der Kindheit und Jugend, die Erziehung der Eltern sowie soziale, kulturelle und bildungsmäßige Aspekte eine wichtige Rolle. Diese Erlebnisse werden unbewusst auf Gott übertragen und prägen letztlich mein Gottesbild. Aber Gott verändert sich nicht. Sein Charakter bleibt immer gleich. Gott ist ein durch alle Zeiten hindurch gleichzeitig liebender, gnädiger und barmherziger Gott.

Ein Gottesbild hat Gott uns selbst in Jesus Christus, der „… das Bild des unsichtbaren Gottes …“ (Kol 1,15) ist, aufgezeigt. Deshalb ist die Bibel, die von Gott und Jesus zeugt, der Maßstab an dem sich alle unsere Gottesbilder messen lassen müssen. Unsere Gottesbilder sind immer auch zugleich Menschenbilder. Deshalb schenken uns unsere Gottesbilder immer auch einen neuen Blick auf unsere Mitmenschen. Was ein Mensch von Gott glaubt, das kann gar nicht ohne Auswirkungen auf sein Fühlen, Denken, Reden und Handeln sein. Die Bilder, die Menschen von Gott haben, werden nicht ohne Auswirkungen darauf bleiben, wie sie ihr Verhalten und ihre Beziehungen zu den Mitmenschen gestalten. In seinen Gleichnissen ging es Jesus nie bloß um Gott oder die Vertröstung auf ein Jenseits. Seine Gottesverkündigung hat immer mit dem konkreten Leben zu tun. Wenn es ihm um Gott geht, ist der Mensch im Blick. Diese Entwicklungen und Veränderungen prägen die Lebenseinstellungen, Interessenlagen und „Leitbilder“ vieler Menschen. Somit heißt Christ sein frei sein, großzügig sein und voller Hoffnung. Christen sind Brückenbauer und keine Brückenwächter. In einer Ellenbogengesellschaft, in der sich nur der Rücksichtsloseste durchzusetzen scheint, sollten gerade wir Christen eine andere Lebensqualität bezeugen.

 

Hans Reich
Betriebsseelsorge Allgäu
Seit dem 1. März 2017 offiziell in Rente

Geistliches Wort - 11./12. KW 2017 von Pastoralreferent Andreas Kohl, Betriebsseelsorge Weilheim

Ein Fasten, wie Gott es liebt (Jes 58,6)

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ heißt es wehmütig in einem bekannten Karnevalslied. Mit dem Aschermittwoch hat die Fastenzeit begonnen. Aber Fasten ist keine Trauerveranstaltung. Fasten meint nicht, dass „man den Kopf hängen lässt“ oder „sich mit Sack und Asche bedeckt“. Der Prophet Jesaja wird da ganz deutlich (vgl. Jes 58,5).
Beim Fasten geht es nicht um Äußerlichkeiten. Beim Fasten geht es um mein Inneres, um meine innere Haltung: „das einüben und verwirklichen, was wir durch die Taufe geworden sind: der neue Mensch, in dem Christus sichtbar wird“ (Schott-Messbuch).

Eine gute Übung dazu kann sicherlich sein, dass ich mich selber in meinem Konsum einschränke. Weniger essen, rauchen, fernsehen, für mich selbst verbrauchen: Das kann mir helfen, den Blick freizukriegen auf das Wesentliche meines Lebens.

Für Jesaja ist jedoch noch etwas anderes ganz wesentlich: „Das ist ein Fasten wie Gott es liebt: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen“ (Jes 58,6-7).

Fasten heißt nach Jesaja also vor allem: barmherzig handeln, sich solidarisch mit den Notleidenden zeigen, den Schwachen und Bedrängten zu Gerechtigkeit verhelfen. Jesaja ruft uns auf, Unrechtssituationen um uns herum wahrzunehmen, uns vom Leid der Menschen berühren zu lassen, um dann entschieden zu handeln und beherzt das Gute zu tun. Wie sehr wir in KAB, Betriebsseelsorge und CAJ in diesen programmatischen Sätzen doch unser eigenes Profil entdecken können!

Noch eine weitere Aussage von Jesaja an gleicher Stelle finde ich bemerkenswert. Er schreibt: Wenn du dich so verhältst und dich für die Notleidenden einsetzt, dann „werden deine Wunden schnell vernarben“, „dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag“ (Jes 58, 8.10).
Da steckt doch ein toller Gedanke drin: Indem ich mich für andere engagiere, geschieht Heilsames auch an mir. Im Dienst am Nächsten kommt auch in mir selbst etwas in Gang, was mich wieder freier, gesünder und glücklicher werden lässt.

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“? Von wegen. Am Aschermittwoch darf ich wieder neu beginnen, ein neuer Mensch zu werden – im Vertrauen, dass Gott mir immer wieder einen neuen Anfang schenkt.

Geistliches Wort - 9./10. KW 2017 von Pastoralreferent Christian Dorn, Betriebsseelsorge Allgäu

„Macht euch keine Sorgen“

Während ich mir Gedanken zu diesem geistlichen Wort mache, höre ich aus dem Nebenraum die Stimmen meiner 5-jährigen Tochter und ihrer Freundin. Die beiden spielen mit ihren Playmobil-Figuren, die alle Namen haben und ganz bestimmte Rollen spielen. Sie sind nun schon beinahe eine Stunde ins Spiel vertieft. Nichts lenkt ihre Aufmerksamkeit weg davon, es gibt keine Gedanken, die sie wegholen aus dem gemeinsamen Tun. Ich denke wieder an den Evangeliumstext des 8. Sonntags im Jahreskreis und auf einmal ist mir das Wort Jesu ganz nahe: „Macht euch also keine Sorgen!“ (Mt 6,31). Meine Tochter und ihre Freundin sind gerade in diesem Modus, ihre Gedanken hängen nicht an irgendeiner Sorge, die sie gefangen nimmt. Sie können ganz in diesem Moment leben.

„Von der falschen und der rechten Sorge“ – so ist das Stück aus dem Matthäusevangelium überschrieben. Christen aller Zeiten haben sich über diesen Text den Kopf zerbrochen, er hat viele Umdeutungen erfahren, für manche leistet er der Faulheit Vorschub, für andere ist er ein Beleg für die ökonomische Naivität des Christentums. Und gerade für einen Sozialverband wie der KAB, für den gerade die Sorgen vieler Menschen um ihre soziale und ökonomische Lage Antrieb sind, ist es alles andere als ein leicht zugänglicher Text. Ursprünglich spricht er in eine Situation hinein, in der sich Menschen ganz dem Reich Gottes verschrieben haben, dessen Kommen sie bald erwarten. Uns heute wird der Text in anderer Weise ansprechen.

Jesus erschüttert uns in unserem Denken, das sich an Sicherheiten klammern möchte.
Was erreicht ihr denn mit all eurer Sorge letztlich? Ihr könnt euch noch so viel absichern, versichern, in einem einzigen Moment kann euch euer Leben aus der Hand genommen werden. Alles Sorgen kann euch nicht eure Gesundheit, euer Glück, euer Wohlergehen, die Liebe anderer Menschen garantieren. Und was, so kann man fragen, hat einer noch von diesem Leben, wenn er sich nur noch von Sorge getrieben abrackert? Bei dieser Frage denke ich an so manche arbeitende Menschen, die sich über Jahre für das Erreichen einer vermeintlichen finanziellen Sicherheit kaputt geschuftet haben.

Möchte uns der Text also motivieren, keinen Gedanken an morgen zu verschwenden? Das wäre, vor allem wenn man auch für andere Menschen zu sorgen hat, zutiefst verantwor­tungslos. Sorge aus Liebe ist nicht nur gut, sondern geboten. Die Gedanken Jesu können für uns heute aber eine wirkliche Frohbotschaft sein. Denn sie weisen uns den Weg zu einem gelungenen Leben. Die Aufmerksamkeit nur darauf zu richten, alle äußere Dinge geregelt und gesichert zu haben, führt uns nicht zu diesem Ziel. Vielmehr lenkt Jesus unsere Aufmerksamkeit darauf, von innen heraus richtig zu leben: Freundschaft, Zeit haben, Hilfsbereitschaft. Wenn ich diese Dinge, die dem Reich Gottes entsprechen, in den Mittelpunkt stelle, werde ich auch den Teil meines Lebens in den Griff bekommen, der oft ausschließlich Ziel aller Sorge ist. Meine Tochter und ihre Freundin haben mir diese Haltung heute vor Augen geführt, als sie Zeit miteinander und füreinander hatten. Einfach so.

Geistliches Wort - 7./8. KW 2017 von Diakon Leonhard Bernhard, Betriebsseelsorge Augsburg

Wir stehen mitten in der Faschingszeit und alle Veranstalter wünschen sich eine gute Stimmung. Doch die Stimmung hat immer Höhepunkte und Tiefpunkte.  Die Faschingsfreunde wünschen sich stundenlang einen Höhepunkt nach dem anderen. Mit viel (und lauter) Musik wird versucht, den Höhepunkt lange aufrecht zu erhalten.  Die technische Musik leistet dazu ihren Beitrag.

Aber ist das dann wirklich ein Höhepunkt?

Manchmal ist es notwendig, auf die Wurzel unserer Musik zu schauen.

Der Gesang mit seinen spielerischen Möglichkeiten war Jahrhunderte lang Ausdruck der Gefühle.

Da gab es die natürlichen Pausen. Denn ohne Pause sind wir nicht in der Lage zu singen (oder auch zu sprechen). Wir brauchen die Pause, um Luft zu holen. Wir brauchen die Pause, um ein Wort bzw. einen Satz vom anderen zu trennen. Wir brauchen die Pause zur Kommunikation. Je mehr wir in diese Richtung philosophieren, umso mehr kommen wir auf das Thema unserer Betriebsseelsorge.

Alles braucht seine Pausen im Rhythmus der Zeit.

Beim Sprechen ist es der Augenblick, im Wochenplan ist es der Sonntag und im Jahresablauf ist es der Urlaub.

Wer genauer hinschaut, muss sich selber die Frage stellen: Wie halte ich mich an dieses göttliche Gesetz? „Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht; am siebten Tag ruhte er und atmete auf“ (2.Mose31,17).

Und wer die Erfahrung schon gemacht hat, dass gerade die Pause bzw. die Stille mit Gott der Höhepunkt  sein kann, darf sich glücklich schätzen.

Ich wünsche allen Faschingsfreunden viele heitere Stunden und eine heilige Stimmung für diese närrische Zeit.

Geistliches Wort - 5./6. KW 2017 von Präses Ulrich Hoffmann, Pastoralreferent

Fröhlich scheitern

Februar ist heuer der Faschingsmonat. Viele freuen sich darauf, sich verkleiden, verfremden, verändern zu dürfen, andere und überraschende Rollen auszuprobieren. Das hat durchaus etwas Befreiendes, Reinigendes. Mal ein Anderer, eine Andere sein: die Brave mal keck, der Gute mal böse und den Mund etwas voller nehmen, als man sich's sonst erlauben würde.

Ein ganz besonderes Faschingsgewand ist das Clown-Kostüm. Ein Clown ist für uns lustig, weil bei ihm scheinbar ganz einfache und alltägliche Dinge nicht klappen. Und weil er oft in dem, was er sich vorgenommen hat, scheitert. Wir erkennen uns in ihm wieder, und wir lachen, weil wir dieses Scheitern doch selber so gut kennen. Deshalb kann es so befreiend sein, einem Clown bei seinem Scheitern zuzusehen. Nur: im eigenen Leben ist einem dabei selten zum Lachen. Dabei kann es so gut tun, dass eigene Stolpern mal anders anzuschauen als nur als ärgerliches Fehlen von Kontrolle: Mein Stolpern bringt mich auf eine andere Spur - und lässt mich flexibel bleiben. Und wenn der Clown mal wieder - wie so oft - von rein gar nichts eine Ahnung hat, bleibt er offen und neugierig: "Mal sehen, was hier passiert. Ich habe zwar keine Ahnung, aber ich bin dabei!"

Fröhliches Scheitern will gelernt sein. Das ist manchmal ganz schön anstrengend, weil wir ja so furchtbar erfolgsorientiert sind. Soll ja immer alles gut aussehen, gut klappen, gut ankommen. Da kann so eine rote Nase einem tatsächlich helfen, mal einen etwas anderen, einen verrückten Blickwinkel auf die eigenen Verhaltensweisen und Ziele zu werfen. Sich nicht ganz so ernst, aber die eigene Lebendigkeit ernst genug zu nehmen. Mal wieder auszuprobieren, spontan zu sein und zu tun, was gerade auf dem Herzen liegt. Freundlich und liebevoll mit dem Anderen, in dem wir uns ja immer auch selber gespiegelt sehen. Und die Neugierde, das Interesse an der Welt und ihren Menschen wieder neu zu lernen.
Nichts zu erwarten, und keine Vorstellungen zu haben. Nur da zu sein. Zu schauen und zu staunen. Mal sehen, was wird. Wie sieht's aus: Gehen Sie dieses Jahr mal als Clown?

Geistliches Wort - 3./4. KW 2017 - von Diözesansekretär Peter Ziegler, Augsburg

Dunkelkammer

Zwischen den Jahren habe ich eine anregende Predigt gehört, in der der Prediger die Zuhörer aufgefordert hat, „Gott in die Dunkelkammer seines Lebens einzulassen“. Der Gedanke ließ mich nicht mehr los:
„Dunkelkammer“, das ist erst einmal etwas aus einer anderen Zeit; in Zeiten der allgegenwärtigen digitalen Fotografie kennt man das nicht mehr...

„Dunkelkammer“, das war

  • der Ort, an dem sich entschied, ob unsere Abbilder vom Leben wirklich Erinnerungen eingefangen hatten
  • der Ort, wo man der „Entwicklung“ noch Zeit einräumte
  • der Ort, an dem Schnappschüsse zu Hochglanzabzügen veredelt wurden
  • aber auch der Ort, der die Spreu vom Weizen trennen sollte – nur wenige der 34 Aufnahmen auf einem Film schafften es schließlich ins Album – aber sie gelangten dort hinein…

Mit „Dunkelkammer“ meinte der Prediger aber noch mehr: das war die Kammer, in der wir all das Unangenehme und Sorgende wegzusperren oder geradezu zu entsorgen versuchen. Der Ort für Kummer und Leid, die ja im wirklichen Leben keinen Platz finden sollten – all das Unverarbeitete, das wir lieber verdrängen als uns dem zu stellen.
Aber erst – und so kommt das eine zum anderen – wenn wir uns diesem Unangenehmen, zur Verdrängung Bereiten stellen, ist eine Entwicklung möglich. Nicht am Alltäglichen wachsen wir und entwickeln wir uns weiter, sondern am Unerwarteten, Fremden, zu dem ich eine Haltung einnehmen muss. Und dann bekomme ich vielleicht auch dort meinen „EingeSCHNAPPtheiten“ in Hochglanz veredelt…

Geistliches Wort - 1./2. KW 2017 von Gemeindereferentin Regina Wühr, Geistl. Begleiterin der KAB Diözese Augsburg

Ein Stern geht auf…

…inmitten eines Gerüsts, das zur Sicherheit das Dach der Christkönigskirche in Augsburg stützt. Eine weihnachtliche Dekoration, die mich zum Nachdenken angeregt hat und mich das Evangelium am Fest der Erscheinung des Herrn neu lesen lässt.

Darin heißt es, dass Sterndeuter nach Jerusalem kamen, um den neugeborenen König der Juden zu suchen und ihm zu huldigen, denn sie sahen seinen Stern aufgehen.  Sie werden nach Betlehem geschickt, „und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind…“ (Matthäus 2,9b-11a)

In einem Haus wohnen, ein Dach über dem Kopf haben: ein Bild für das Grundbedürfnis jedes Menschen nach Geborgenheit, Schutz und Sicherheit. Doch das kann erschüttert, bedroht und zerstört werden im realen wie im übertragenen Sinn (an die Geschichte von den Sterndeutern schließt sich übrigens gleich die von der Flucht der Familie Jesu nach Ägypten an).

Im großen Lebenshaus der Welt und bis vor die eigene Haustür erleben wir z.Zt. eine ganze Menge solcher Erschütterungen, Bedrohungen und Zerstörungen, doch zum Glück gibt es Menschen, die sich um Stabilisierung bemühen, „Gerüste“ aufbauen und „Reparaturen“ durchführen, damit die Welt bewohnbar bleibt.

Und wie ist es um mein eigenes Lebenshaus und dessen Verunsicherungen bestellt? Was stützt mich und die Welt?

Mein Blick wird vom Stern angezogen: nach dem Zeugnis des Evangeliums ist er zuverlässig da und weist den Suchenden den Weg, bis sie am Ziel sind. Auf den Stern ist Verlass. Wenn das kein Anlass zu „sehr großer Freude“ in all den Unsicherheiten unserer Tage ist!

In geistlichen Texten und Liedern steht der Stern für Jesus selbst, wie z.B. im Lied: „Morgenstern der finstern Nacht, der die Welt voll Freuden macht…“ (Gotteslob 372)

Er ist der Grund, warum wir als Christ/inn/en und in der KAB nicht aufhören wollen, das Menschenmögliche zu tun und uns zuverlässig auf den „Baustellen“ in Gesellschaft und Kirche engagieren – auch im neuen Jahr 2017, über dem er uns zuverlässig als Stern der Hoffnung leuchtet.

In diesem Sinn wünsche ich uns allen ein gutes neues Jahr!

Archiv 2016

Geistliches Wort - 51./52. KW 2016 von Ewald Lorenz-Haggenmüller, Betriebsseelsorge Allgäu

Gott wird Mensch

 – weil auf Erden kein Frieden ist.

Auf die Menschwerdung Gottes richten wir in diesen Tagen unser ganzes Hoffen und Wünschen, unser Suchen und unsere Freuden. Sich so herab zu lassen, unter uns und mit uns das Menschsein zu teilen, ist ein unvergleichliches sich alle Jahre wiederholendes Geschenk.

Allein schon durch die Wahl der Umstände und des Ortes seiner Menschwerdung machte Gott mehr als deutlich, dass er sich vor allem denen offenbarte, deren wahres Menschsein noch weit gefehlt war.

Hineingeboren in eine Welt, die heute mehr denn je von Gegensätzen geprägt, geteilt in Arme und Reiche, zerbombt und bekriegt, ums Leben gebracht und in die Flucht getrieben, scheint es, als ob der Himmel, der Frieden, die Gerechtigkeit in immer weitere, unerreichbare Ferne rückt. Es mangelt vom Grunde auf an der Menschwerdung des Menschen selbst.

Die Ausgegrenzten, die Verstoßen, Geschundenen, Geschlagenen, Vergewaltigten, Getöteten, Gedemütigten, Entrechteten – für alle, denen das Mensch werden und sein dürfen vorenthalten ist, wurde Gott solidarisch und ihnen gleich.

In jedem Advent geben wir Christen der Hoffnung neue Kraft, dass dem Unrecht zum Trotz bald schon Wirklichkeit wird, was uns an Weihnachten verheißen ist: „ … und auf Erden ist Frieden….“

Geistliches Wort - 49./50. KW 2016 von Pastoralreferent Andreas Kohl, Betriebsseelsorge Weilheim

„Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ (Röm 11,18)

Spurensuche im Harz: In diesem Jahr suchte ich zum ersten Mal die Stätten der Kindheit meines Vaters auf. Das kleine Dorf, wo er aufwuchs und zur Schule ging. Orte, Landstriche oder ein Fluss in der näheren  Umgebung, deren Namen ich bisher nur aus den Erzählungen meines Vaters kannte. Hinter dieser Reise in die Vergangenheit meiner Familiengeschichte steckte zum einen sicherlich eine Portion Neugier. Zum anderen war es mir aber auch ein echtes Bedürfnis, einen Teil meiner eigenen Wurzeln kennenzulernen.

Was sind meine Wurzeln? Und vor allem: Welche Wurzeln tragen mich und bilden das Fundament, auf dem mein Lebensbaum wächst?

Mir fallen Menschen ein, denen ich wichtige Wurzeln verdanke. Es gibt Ereignisse, Lebensumstände, meine Heimat, die mich geprägt oder Grundhaltungen, die sich tief in mein Herz eingewurzelt haben. Solche Wurzeln können mir Halt, Stabilität und Orientierung schenken.

Jeder Mensch hat Wurzeln. Und dennoch fühlen sich viele heute halt- und orientierungslos, ja „entwurzelt“. In der modernen Arbeitswelt, wo vor allem flexible und mobile Mitarbeiter gesucht werden, wird es den Menschen oft schwer gemacht, sich fest zu verankern – äußerlich durch wechselnde Einsatzorte, Verlagerungen oder permanente Umstrukturierungen. Aber auch innerlich, weil durch die zunehmenden Anforderungen und Belastungen häufig Zeit und Muse fehlen, sich seiner Wurzeln zu besinnen, um mit ihrer Hilfe einen festen Halt im Leben zu finden.      

Das Bild vom „Baumstumpf Isais“, das uns der Prophet Jesaja am 2. Adventssonntag vor Augen stellte, kann auch ein Bild für den Menschen sein, der von seinen Wurzeln abgeschnitten ist. Er gleicht einem gefällten Baum, getrennt von seiner Wurzel.

Aber Jesaja zeigt auch an diesem Bild: Auch wenn Stamm und Wurzel getrennt sind, können aus dem Wurzelstock neue Lebenskräfte hervorsprießen:

„Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.“ (Jesaja 11,1)

Wenn ich gesunde Wurzeln habe, können aus diesem Fundament immer wieder neue Lebensmöglichkeiten hervorwachsen – selbst wenn bei mir etwas abbricht oder ich selber zu Fall komme: „Die Wurzel trägt dich.“ (Röm 11,18) .

Der vor fünf Jahren verstorbene Münchner Pfarrer und Autor Elmar Gruber hat einmal geschrieben: „Letztlich entscheidend ist jedoch die Frage nach der Verwurzelung unserer Lebensfreude. Wenn wir in der Freude fest verwurzelt sind, können wir alle anderen Entwurzelungen, Umbrüche und Zusammenbrüche des Lebens überstehen.“ Und als Grund für die „unverlierbare Freude“ nennt er den Glauben „an das bedingungslose Geliebtsein in Gott“.

Wer sich auf Spurensuche nach den eigenen Wurzeln macht, wird zuweilen auf neue Orte und Landschaften stoßen. Wer nach den tiefsten Wurzeln seines Glaubens fragt, dem begegnet immer wieder neu die Zusage des lebendigen Gottes: „Ich nehme dich an wie du bist. Du bist mir wertvoll. Ich liebe dich.“ Was für eine freudige Entdeckung!

Geistliches Wort - 47./48. KW 2016 - von Hans Reich, Betriebsseelsorge Allgäu

Jesus Christus als König ist für viele Menschen gewöhnungsbedürftig

Das Christkönigsfest findet in keinem weltlichen Kalender Erwähnung. Auch im Bewusstsein vieler Christen verschwindet es fast gänzlich. Das Christkönigsfest ist ein sehr junges Fest. 1925 wurde es von Papst Pius XI eingeführt. Damals wie heute geht es darum, Zeugnis für Christus abzulegen und Jesus Christus als den wahren, den für uns am Kreuz erhöhten König zu feiern. Getragen ist es von dem Gedanken, dass die Anerkennung der Königsherrschaft Christi eine hilfreiche Haltung sei, um der Orientierungslosigkeit und den Ängsten in einer Zeit wirtschaftlicher Unruhen und gesellschaftlicher Umbrüche zu begegnen.

Was fällt uns ein, wenn wir das Wort „König“ hören? Welche inneren Bilder und Assoziationen haben Sie vor Augen? Vielleicht denken wir auch an Reichtum und Prunk, an goldene Kronen, an herrliche Paläste und kostbare Kleidung, an Macht und vielleicht auch an Unterdrückung. Mit unserer Lebenswirklichkeit und Erfahrung hat all das nicht viel zu tun. Denn Macht haben die heutigen Könige und Königinnen schön längst nicht mehr. Unsere Phantasie ist da wohl eher geprägt von Bilder, wie die des Märchenkönig Ludwig II. von Bayern oder von opulenten Filmen wie z.B. Sissi. Beim Wort König denken viele von uns eher an Klatschkolumnen in Zeitschriften, die über die neuesten „Skandälchen“ in den Königshäusern dieser Welt berichten. Königinnen und Könige rufen auch heute noch ein lebhaftes Interesse hervor. Wo sie auftreten, strömen die Massen zusammen. Irgendwie ist es eine eigenartige Faszination, die von dem Begriff „König“ ausgeht.

Ganz anders jedoch das Bild, das uns die Evangelien von Jesus geben. Ein zum Tode durch Kreuzigung verurteilter Mensch, dem der Titel König eher als Spott angehängt wird, und dessen Macht sich eher als Ohnmacht ausweist. Was für ein König ist Jesus Christus? Macht es überhaupt Sinn, ihn als König zu bezeichnen? Und wenn ja, was folgt für uns daraus? Vor Pilatus stehend sagt Jesus: "Ich bin ein König, ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. (Joh 18,37) Es geht hier nicht um ein irdisches Reich, das mit Gewalt zu verteidigen ist: Hier geht es um das Reich Gottes, das mitten unter uns ist, dort wo Gerechtigkeit und Frieden erfahrbar werden, weil Menschen konsequent in die Nachfolge Jesu gehen. Die Macht Jesu zeigt sich in seiner unbegrenzten und bedingungslosen Liebe allen Menschen gegenüber.

Der „Große Gott von Altenstadt“

Vor allem in romanischen Kirchen, wird Christus nicht mit der Dornenkrone am Kreuz dargestellt, sondern mit der Siegeskrone. Das bekannteste und bedeutendste Kunstwerk der Basilika meiner Heimatgemeinde, ist der „Große Gott von Altenstadt“. Der monumentale, 3,20 m hohe Gekreuzigte steht, flankiert von Maria und Johannes, auf einem Querbalken über dem Choreingang. Statt der Dornenkrone trägt der Erlöser einen Goldreif, ist also als Christkönig dargestellt. Offenbar besteht in uns Menschen doch ein starkes Bedürfnis, sich ein bestimmtes Bild vom Königtum zu bewahren. Ich glaube, das liegt letztlich daran, dass sich dahinter ein Bild, ein Symbol verbirgt, das unbewusst ganz tiefe Schichten unserer Seele anspricht, tiefe Sehnsüchte in uns wachruft, wie die Sehnsucht, etwas wert zu sein, zu lieben und geliebt zu werden; die Sehnsucht, anerkannt zu sein. All das schwingt im tiefsten unseres Innern mit, wenn dieses Bild vom „König“ auf uns trifft.

Überall, wo Menschen sich um Liebe bemühen, wird Jesus Christus als König erfahrbar. Seine Macht ist die Liebe. Nicht Prunk und Pomp machen sein Königtum aus, sondern es ist seine Zärtlichkeit, seine Behutsamkeit, seine Feinfühligkeit, mit denen er durch uns auf Menschen zugeht. Er ist ein König, der uns zu Königskindern macht, der unsere tiefe Sehnsucht nach Anerkennung und Wertschätzung aufspüren und erfüllen will. Zu diesem König muss man nicht auf Knien heranrutschen; nein, dieser König will, dass wir ihm aufrecht entgegengehen.

Hans Reich
Betriebsseelsorge Allgäu
z.Z. freigestellt für die Bayerische Regional-KODA

Der Text als PDF-Datei hier!

Geistliches Wort - 45./46. KW 2016 - von Diakon Leo Bernhard, Betriebsseelsorger

 „Abschied nehmen“, zwei Worte mit Gegensätzen

Zu keiner anderen Jahreszeit wird das Abschied nehmen so deutlich wie im Monat November. Wenn sich die Natur vom saftigen Grün in die verschiedensten Farben ändert,  geht eine Ära zu Ende und eine neue Ära beginnt.
So sind wir ständig gefordert, das Vergangene zu lassen und dem Neuen zuzustimmen.
Mit jeder Veränderung, mit jeder Entwicklung findet der gleiche Prozess statt.
Das, was wir im Jahreskreis erleben, ist nur ein Spiegelbild für unseren Lebenslauf.

Wenn ich am Morgen aufstehe, ist der Tag noch jung. “Morgenstund hat Gold im Mund“ so lautet ein altes Sprichwort. Da fühlt man sich (meist) „wie neu geboren“.
Und am  Abend, nach getaner Arbeit, drängt sich Müdigkeit auf. Der Schlaf, den man als  „den kleinen Tod“ bezeichnet, lässt sich nicht verhindern. Ich muss mich fallen lassen im Vertrauen, dass ich am Morgen wieder erwache.
Das, was ich jeden Tag und jedes Jahr immer wieder neu erleben darf,  ist nur die Vorübung für den Lebenszyklus. Es ist eine Struktur, die der Schöpfer in uns angelegt hat.
In dieser Struktur ist eine ständige Entwicklung zu erkennen. Diese Struktur hat ein Ziel und eine  Verheißung: Gott will uns führen in ein verheißenes Land. Diese Welt kann uns nur eine Ahnung von dem vermitteln, was Er uns an Liebe und Schönheit zugesagt hat.
Paulus schreibt seiner Gemeinde in Rom:
„Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8,38-39)

Ich wünsche Ihnen eine lichterfüllte Zeit in diesen grauen Novembertagen.

Ihr Betriebsseelsorger

Geistliches Wort - 43./44. KW 2016 - von Ulrich Hoffman, Kreispräses Iller-Donau

„Wer’s glaubt, wird selig!“

Wer das sagt meint nicht selten: „ich glaub`s ja nicht – aber wenn`s Dir hilft und Du damit zufrieden bist, dann glaub es gern.“

Dieser Spruch beim Wort genommen drückt aber eine tiefe Wahrheit aus: Mein Glaube ist angesprochen, meine Zufriedenheit mit dem Leben und darin eben die Frage, ob ich mich auch als glücklich, ja manchmal vielleicht sogar als „selig“ empfinden darf. Im Licht des Glaubens mag es dann sein, daß ich in meiner Lebensgeschichte, wenn sie sich vielleicht gelegentlich auch als „Unheilsgeschichte“ anfühlt, Heilsgeschichte – also meine Geschichte mit Gott – entdecken kann.

Das Fest Allerheiligen steht vor der Tür. Christen feiern dabei Menschen, die ihr Glaube bis in den Himmel getragen hat. Menschen, in denen Gott seine Gegenwart hat aufblitzen lassen; Menschen, die zeigen, was für ein Segen für die ganze Welt von Menschen ausgehen kann, die sich von Gott haben anrühren und „heilen“ lassen, die ganz „heil“ geworden sind und als „Geheilte“, „Geheiligte“, als „Heilige“ aus dem Glauben heraus die Welt verändert haben.

Sie machen Mut, auch die „Heilsgeschichte“ in der eigenen Lebensgeschichte zu entdecken. Gott hat viele Wege, seine Nähe zu zeigen. Das sind in der Regel keine großen Erscheinungen und spektakuläre Ereignisse. Gott meldet sich meistens nicht mit Sturm, Blitz und Donner. Das durfte bereits der Prophet Elija in der Wüste am Gottesberg Horeb vor einigen tausend Jahren erfahren. Im „sanften, leisen Säuseln“ war Gott zu vernehmen – oder wie Martin Buber übersetzt: in der „Stimme verschwebenden Schweigens“.

Das Schweigen, das wache Hineinhören in die Stille, das Loslassen meiner Gedanken, die oft nur um sich selbst kreisen, das Mich-Öffnen und Inneren-Raum-Schaffen, damit sich Gott dorthinein aussprechen und mein Herz erreichen kann, all das zeigt den Glauben als eine Herzensangelegenheit, die ganz viel mit Vertrauen zu tun hat. Das lateinische Wort für glauben – „credere“ – drückt das aus: in „credere“ stecken die beiden Begriffe „cor“ für Herz und „dare“ für geben. In diesem Sinn heißt glauben dann „sein Herz geben“. Mein Herz kann ich aber nur jemandem geben, den ich liebe.

Die Liebesgeschichten Gottes mit uns Menschen fallen so vielfältig aus, wie Menschen eben sind.

Wer an Gott glaubt, darf sich auf eine göttliche Liebesbeziehung einlassen und aus ihr heraus leben. Das ist etwas Wunderschönes! Es fällt freilich schwer, in Worte zu fassen, was einen im Innersten bewegt, was den eigenen Glauben, die Beziehung zu Gott ausmacht.

Und doch wünsche ich uns Christen den Mut, von dem Zeugnis zu geben, wovon unser Herz voll ist und was es vor Freude glück-„selig“ hüpfen lässt, denn: „wer glaubt, wird selig!“

Geistliches Wort - 41./42. KW 2016 - von Peter Ziegler, Diözesansekretär, KAB Diözese Augsburg

 „Die Gerechtigkeit ströme wie ein nie versiegender Bach…“

Am Sonntag vor zwei Wochen war es wieder einmal soweit: Amos stand in der Leseordnung der Sonntagslesungen. Ich merke, wie die Zuhörer um mich herum unruhig werden, denn ihnen scheint nicht so ganz zu behagen, was sie da hören: „Ihr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen den Kornspeicher öffnen, das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen.“ Ich merke, wie sie versucht sind, das abzutun – das hat doch nichts mit uns zu tun, das ist doch schon über 2500 Jahre her. Auch der Prediger versucht die Schärfe zu glätten und das Geschriebene zu nivellieren.

Aber ich denke an die Anfrage der Stadt Augsburg, die einige Tage zurücklag und in der sie uns als Träger öffentlicher Belange beim Vollzug des Ladenschlussgesetzes beteiligt hat. Darin geht es um die weitere stadtweite Öffnung der Innenstadt an mehreren Sonntagen in den kommenden fünf Jahren. Und ich denke mir, dass wir damit ein weiteres Stück unserer christlichen Kultur aufgeben. Das läuft alles ganz sachte und vorsichtig – Salamitaktik sagt man da wohl dazu. Mich verwundert, dass eben nicht einmal mehr gewartet wird, bis der Sabbat vorbei ist, um wieder Geschäfte zu machen, sondern es geht exakt darum, auch diesen Sabbat selbst zum Tag der Geschäfte zu machen. Da sind wir dann also doch einen Schritt weiter als die von Amos so heftig Kritisierten. In Vers 7 heißt es dann noch bedeutungsvoll von Jahwe: Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen.“ Dieser Amos ist wohl doch aktueller, als wir uns das wünschen – vielleicht lohnt es sich, mal wieder im Buch Amos zu blättern – übrigens findet sich auch die Überschrift über diesen Text bei ihm…

Geistliches Wort - 39./40. KW 2016 - von Pastoralreferentin Martina Berndt-Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Kontrastprogramm

In der Urlaubszeit war ich gemeinsam mit meinem Mann ein paar Tage auf dem Frankenweg beim Wandern.

Dort erlebten wir etwas, das ich als echtes Kontrastprogramm zum Alltag beschreiben möchte:

- Natur statt Stadt

- Bäume, Pflanzen, Tiere statt Menschen

 Sv  - Schritt für Schritt statt schnell mal wohin fahren

dav  - Das eigene Tempo bestimmen statt Terminkalender

 Rv  - Ruhe und Vogelgezwitscher statt Telefon, Computer und Besprechungen

 av  - Aus dem Rucksack leben statt aus dem vollen Kühl-  und Kleiderschrank

Wir erlebten dieses Kontrastprogramm als sehr wohltuend und erholsam. Ich bin überzeugt:  jede/r braucht mal ein Kontrastprogramm zum Alltag mit seinen vielfältigen Anforderungen, auch wenn  so ein Kontrastprogramm bei jedem Menschen sicher unterschiedlich aussieht.

Diese Erfahrung hat mich irgendwann fragen lassen

bräuchten wir nicht auch immer wieder  ein Kontrastprogramm in und  für die Arbeitswelt?

Ein paar Stichworte fallen mir durchaus gleich dazu ein….

….Sonntagfrei statt Sonntagsshopping

….Mehr Anerkennung statt Dauerdruck

….Feste Arbeitsverträge statt prekärer Arbeit

….Tariflohn statt Dumpinglohn

….Gutes Betriebsklima statt Mobbing

….geregelte Arbeitszeiten statt Verfügbarkeit rund um die Uhr

….Vorrang des Menschen statt Vorrang des Geldes

 

PS: Als Christen haben wir übrigens mit der kirchlichen Soziallehre und dem Evangelium eine gute Rückenstärkung, um uns für ein solches Kontrastprogramm einzusetzen.

 

Geistliches Wort - 36. bis 38. KW 2016 - von Pastoralreferent Hans Gilg, Betriebsseelsorge Augsburg

Es müssen keine Edelsteine sein

Die kleinen Dinge des Alltags machen das Leben schön:

Kieselsteine im See

Ein gutes Wort zur rechten Zeit.

Ein schweigendes Da-Sein von Freunden, wenn es schwer wird im Leben

Ein gemaltes Bild von meiner Tochter.

Ein netter Gruß am Ende einer E-Mail.

Ein Schulterklopfen, wenn etwas gelungen ist.

Das zu merken, kann schon Urlaub und Erholung, sein.

Es müssen wirklich keine Edelsteine sein.

Text und Bild: Hans Gilg, Betriebsseelsorge Augsburg

Geistliches Wort - 33. bis 35. KW - von Diakon Erwin Helmer, KAB Diözesanpräses Diözese Augsburg

Liebe Leserinnen und Leser des Geistlichen Wortes der KAB Augsburg,

ich freue mich, dass die KAB im Moment bundesweit aktiv ist, um in Zukunft „Freihandelsabkommen“ zu verhindern, die mehr Schaden als Nutzen für die Menschheit enthalten. Wer die Schöpfung Gottes und jeden Menschen in seiner Würde achten und ehren will, der muss sich dieser Entwicklung stellen. Die KAB Bayern beteiligt sich federführend an einem „Volksbegehren gegen CETA“ und TTIP.

Wer meint, das alles hat mit einem Geistlichen Wort nichts zu tun oder jedenfalls hier nichts zu suchen, der täuscht sich gewaltig. Hier geht es um die zentralen Fragen der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und Solidarität, der Liebe zu Gott, zu seinen Geschöpfen und zu jedem einzelnen Bild Gottes – zu jedem einzelnen, Gott ähnlichen, Menschen.

Ganz wunderbar passt hier das neue gemeinsame Wort der amerikanischen Bischöfe und der europäischen Bischöfe, das ich Ihnen - leicht gekürzt – empfehle.

Erwin Helmer, Diözesanpräses 


Empfehlungen der EU- und US-amerikanischen Bischöfe zu den Verhandlungen der transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP)

Die Geschichte hat gezeigt, dass die Zunahme von Handel und Investitionen von großem Vorteil sein kann, solange diese in einer Art und Weise strukturiert sind, dass sie zum Abbau von Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten beitragen. Die Handelspolitik muss auf ethischen Kriterien gründen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen und das Gemeinwohl unserer Nationen wie auch aller anderen Menschen in der Welt verfolgen.

Bestimmte Grundsätze müssen herangezogen werden, um jedes vorgeschlagene Handelsabkommen, einschließlich TTIP, zu evaluieren:

Nachhaltigkeit und Vorsorge
Die Bischöfe der USA und der EU möchten die Prinzipien der Nachhaltigkeit und der Vorsorge hervorheben. Eine der Folgen des Grundsatzes der Vorsorge ist, dass vorrangig Schadensvermeidung sichergestellt werden muss.

Arbeitsschutz
Wir unterstützen die Arbeitnehmerrechte, einschließlich des Rechts, sich kollektiv zusammenzuschließen, sowie die Einhaltung der international vereinbarten Arbeitsstandards.   Ein besonderes Augenmerk sollte hierbei auf sichere Arbeitsbedingungen, angemessene Arbeitszeiten, Ruhezeiten, für Familie existenzsichernde Löhne und anerkannte Sozialleistungen gelegt werden.

Indigene Völker
In der gesamten Welt setzen sich katholische Bischöfe für indigene Gruppen ein. Aus Respekt für ihr kulturelles Erbe und im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Entwicklung muss TTIP die gewachsenen Traditionen dieser indigenen Gemeinschaften gebührend anerkennen.

Migration
Unsere Kirche hat seit Langem das Recht der Menschen auf Migration verteidigt …  Jedes Investitions- oder Handelsabkommen sollte somit in einer Weise ausgearbeitet werden, so dass es eine Verringerung der Notwendigkeit zur Auswanderung sicherstellt.

Landwirtschaft
Jedes Abkommen sollte die Landwirtschaft der Entwicklungsländer fördern und diejenigen schützen, die in ländlichen Gebieten leben und insbesondere als Kleinbauern tätig sind.

Nachhaltige Entwicklung und Bewahrung der Schöpfung
Die wesentliche Verbindung zwischen der Erhaltung unserer Umwelt und eine nachhaltige menschliche Entwicklung erfordert, Umweltschutz und das Wohlergehen der Gemeinschaften – einschließlich der Hilfe für arme Länder, denen oft ausreichende technische Kenntnisse oder Ressourcen für die Erhaltung einer sichern Umgebung fehlen – prioritär zu beachten.

Rechte an geistigem Eigentum
Die Kirche verortet die Rechte an geistigem Eigentum im breiteren Rahmen des Gemeinwohls und ist der Ansicht, dass diese Rechte mit den Bedürfnissen der Armen im Einklang stehen sollten.

Streitbeilegungsmechanismen
Das Prinzip der Menschenwürde verlangt Transparenz und das Recht der Menschen an Entscheidungen teilzunehmen, die Auswirkungen auf sie haben.

In seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium erklärt Papst Franziskus: „Die weltweite Krise, die das Finanzwesen und die Wirtschaft erfasst, macht ihre Unausgeglichenheiten und vor allem den schweren Mangel an einer anthropologischen Orientierung deutlich – ein Mangel, der den Menschen auf nur eines seiner Bedürfnisse reduziert: auf den Konsum" (Nr. 55). Papst emeritus Benedikt XVI. schreibt in seiner Enzyklika Caritas in Veritate: „Die Wirtschaft braucht nämlich für ihr korrektes

Funktionieren die Ethik; nicht irgendeine Ethik, sondern eine menschenfreundliche Ethik" (Nr. 45). Unsere Lehre stellt den Menschen – und vor allem die Ärmsten und Schwächsten – an oberster Stelle. Das vorgeschlagene TTIP-Abkommen muss sich an diesen hohen Standards messen lassen.

im Namen der Bischöfe der Europäischen Union, Reinhard Kardinal Marx, Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft

im Namen der Bischöfe der Vereinigten Staaten von Amerika, Erzbischof Joseph Edward Kurtz, Präsident der US-amerikanischen Konferenz der Katholischen Bischöfe

Geistliches Wort - 31./32. KW 2016 - von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Eine interessante Frage

Ein Maskierter bedroht einen älteren Herrn mit einer Pistole und ruft, ganz klassisch, „Geld oder Leben?“. Der ältere Herr lächelt freundlich und antwortet: „Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie diese interessante Frage stellen!“. So in einer Karikatur von Tomaschoff, die ich bei einer Betriebsversammlung gezeigt habe.

Wenn wir gefragt würden, was ist für Sie Leben, was macht für Sie Leben, genauer gutes Leben aus, was würden wir antworten? Gerade in Zeiten, in denen für einige Menschen das Leben anderer Menschen wie das eigene Leben nichts aber auch gar nichts wert zu sein scheinen, bekommt die Frage eine besondere Tiefe. Was also würden wir antworten? Uns fielen wohl Begriffe ein wie Familie, Partner, Partnerin, Kinder, Hobbys, Engagement, Gesundheit, vielleicht auch Glaube, Halt, Geborgenheit, Gebrauchtwerden, ohne Angst leben können. Käme bei der Frage nach gutem Leben auch als Stichwort Arbeit? Es sollte kommen: Das Leben ist zu kurz und zu wertvoll, um es auf ein jenseits der Arbeit zu verschieben, auf den Feierabend oder die Rente. Gerade auch die Erwerbsarbeit muss gutes Leben sein, nicht jeden Tag aber grundsätzlich schon. Die Arbeitsbedingungen, das Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen müssen ebenso stimmen, wie der Lohn.

Womit wir beim Geld wären.

Dass Wirtschaft, dass Leben in unseren Breiten nicht ohne Geld funktioniert, ist offenkundig. Wo Geld, immer mehr Geld, Profit an oberster Stelle steht - und das ist ebenfalls offenkundig - wird freilich verkauft, was das Leben wertvoll, sinnvoll und schön macht. Umgekehrt sind Löhne, die nicht zum guten Leben reichen, skandalöse Realität für viele Arbeitnehmer/innen auch hier in Deutschland. Die Antwort auf die Frage „Geld oder Leben“ müsste lauten „Geld und Leben“, besser noch „Geld zum Leben“. Sowenig wie wir gleichzeitig Gott und dem Gott Mammon dienen können (Mt 6,24), so sehr gilt, der Lohn, den ihr euren Arbeitern vorenthalten habt, schreit zum Himmel (vgl Jak 5,4; Sir 34,27).

Geld oder Leben: Sieht man von der bedrohlichen Situation ab, eine wirklich interessante Frage.

Geistliches Wort - 29./30. KW 2016 von Regina Wühr, Geistliche Begleiterin der KAB, Diözese Augsburg

Alles Verhandlungssache – oder von der Notwendigkeit, zudringlich zu sein

So würde ich die beiden Schrifttexte auf den Punkt bringen, die am kommenden Sonntag, dem 24. Juli (17. Sonntag im Jahreskreis) in unseren Gottesdiensten verlesen werden. Worum geht´s darin? Um die politische Durchsetzung einer guten Sache? Nein, Sie werden lachen: es geht ums Beten!

In der alttestamentlichen Lesung (Genesis 18,20-32) verhandelt Abraham hart wie auf einem orientalischen Basar mit Gott um den Schutz der Gerechten und im Evangelium (Lukas 11,1-13) hält Jesus seine Jünger dazu an, beim Beten so zudringlich zu sein wie ein Mann, der seinen Freund mitten in der Nacht heraustrommelt.  Beide Male wird die Erfüllung der Bitte zugesagt.

Geht Beten wirklich so einfach? Ich bitte und bekomme, was ich will? Ganz so einfach ist es natürlich nicht. In beiden Texten geht es ums Leben bzw. um das, was Menschen dazu brauchen. In beiden Texten werden Menschen dafür aktiv. Letztlich geht es um die innere Haltung, mit der und in der ich handle und im Leben stehe. Für glaubende Menschen geht das nicht ohne Gott, aber auch nicht ohne ihr eigenes Dazutun. Diese Einstellung spiegelt sich wider in Redewendungen wie: „Bete und arbeite!“ Oder: „Bitte Gott um Hilfe für Deine Arbeit, erwarte aber nicht, dass er sie auch noch tut!“

Noch feinsinniger in der Aussage, die dem heiligen Ignatius von Loyola zugeschrieben wird: „Bete, als hinge alles von dir ab, und handle, als hinge alles von Gott ab.“ Darin zeigt sich das Wissen um die eigene Begrenzung und das Vertrauen auf Gott. Auf einen Gott, der uns gibt, was wir zum Leben brauchen.

So betrachtet haben wir bei Gott gute Karten, wenn wir uns – auch mit politischem Nachdruck - für das Leben stark machen. In der KAB  tun wir das im Augenblick konkret zusammen mit anderen Bündnispartnern für ein Volksbegehren gegen das Freihandelsabkommen CETA, das u.a. Arbeitnehmerrechte aushöhlen will. Unterschriften für dieses Volksbegehren werden seit dem 16. Juli gesammelt.

Seien wir also – von „höchster Stelle“ dazu aufgefordert – in unserem Beten und Arbeiten zudringlich, wenn es ums Leben geht!

Geistliches Wort - 27./28. KW 2016 von Hans Reich, Betriebsseelsorge Allgäu

Barmherzigkeit – eine unzeitgemäße Tugend?

Papst Franziskus lädt im Heiligen Jahr ein, die „Barmherzigkeit“ neu für unser Christsein zu entdecken. Aber wer heute Barmherzigkeit ins Spiel bringt, setzt sich dem Verdacht aus, ein vermoderndes und damit überholtes Helferideal zu vertreten. Unter Barmherzigkeit wird heute weitgehend eine Haltung verstanden, die aus Mitleidsgefühlen heraus spontan auf menschliche Not reagiert. Nur so ist zu verstehen, dass "Gutmensch" das Unwort des Jahres 2015 ist. Als "Gutmenschen" werden insbesondere diejenigen beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen. Mit dem Vorwurf "Gutmensch", werden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert.
Mit dem traditionellen Wort „Barmherzigkeit“ tun sich heute viele Menschen schwer. Denn wir finden immer Gründe, warum wir anderen Menschen in ihren Notsituationen nicht zur Seite stehen können oder wollen: Liegt es vielleicht daran, dass wir einfach viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind und schlichtweg keine Zeit haben? Oder haben wir Angst davor ausgenutzt zu werden? Manchmal sind wir auch enttäuscht, wenn jemand schon einmal unsere Hilfe abgelehnt hat oder vielleicht leitet uns der Gedanke, dass die Person „selbst Schuld“ ist, in eine solche Situation geraten zu sein. So rechtfertigen wir unser „Nichthelfen“ oder das „einfach Wegschauen“. Viele von uns denken beim Wort Barmherzigkeit nur an Almosen und milde Gaben, die wir Mitmenschen gewähren.

Werke der Barmherzigkeit führen zur Mitte des Glaubens
Aber das ist nicht die Barmherzigkeit, um die es hier geht. Unter Barmherzigkeit versteht die Bibel und mit ihr Papst Franziskus etwas ganz Fundamentales: Sie ist jene Liebe, die sich niemand verdienen kann, die aber jeder und jede von uns braucht. Eine Liebe, die nicht berechnet und nicht auf Gegenleistung aus ist. Eine Liebe, die aus der Mitte eines großzügigen Herzens kommt. Eine Liebe, die dem erwiesen wird, der nichts zurückgeben kann. Eine Liebe, die die Gerechtigkeit überbietet und auch dem, der sich verfehlt hat, nicht entzogen wird, sondern ihm eine Tür der Hoffnung öffnet. Das meint Barmherzigkeit. Und darum sagt der Papst: „Barmherzigkeit ist in der Heiligen Schrift das Schlüsselwort, um Gottes Handeln an uns Menschen zu beschreiben.“ Gottes Barmherzigkeit ist somit „das pulsierende Herz des Evangeliums.“ Barmherzigkeit ist eine Grundhaltung. Um das zu erkennen, brauche ich ein hörendes Herz.
Es müssen nicht immer große Taten sein. Oftmals sind es die kleinen Dinge, die Barmherzigkeit lebendig werden lassen und benachteiligten Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Barmherzigkeit heißt konkret, den Menschen Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Zeit zu schenken.
Es ist also keineswegs überholt, auch in der modernen Gesellschaft immer wieder an das Grundgesetz des biblischen Gottes zu erinnern, an die ungeschuldete Nächstenliebe, an das solidarische Mitleiden und an die Mitsorge für einen Menschen, dessen Not einfach die „Zuwendung des Herzens“ verlangt.

Geistliches Wort - 25./26. KW 2016 von Pastoralreferent Andreas Kohl, Betriebsseelsorge Weilheim

Gott ins Spiel bringen

„Das Heraustreten aus dem versklavenden Ernst des Alltags und seiner Lebensbesorgung in den freien Ernst dessen, was nicht sein muss und gerade darum schön ist."

Hä? Um was geht’s? Ob Sie’s glauben oder nicht: Um Fußball.

Und als wäre das nicht schon Überraschung genug: Diese durchaus anspruchsvolle Umschreibung der „wichtigsten Nebensache der Welt“ stammt von niemand Geringerem als von Papst Benedikt, der sich - seinerzeit noch als Münchner Erzbischof - in einer Radioansprache über das Phänomen Fußball äußerte.

Doch bei allem, was beim ersten Mal Lesen ziemlich kompliziert und unverständlich erscheint: Der Papst spricht in diesem Satz zwei Erfahrungswelten an, die jeder von uns kennt – einerseits die Erfahrung, dass uns unser Alltag mit seinen vielfältigen Anforderungen oft ganz schön in Anspruch, ja regelrecht „gefangen“ nimmt. Und andererseits die Erfahrung, wie befreiend und wohltuend es ist, aus dem Alltagsgetriebe hin und wieder auszubrechen, unverzweckte Zeit zu verbringen, Dinge zu tun, die einfach nur Spaß machen.

Letzteres erfahren wir aber nicht nur beim Fußball, sondern ganz generell: Gerade dann, wenn wir spielen. Spielen ist etwas Wunderbares – nicht nur für Kinder! Spielen ist etwas Urmenschliches. Irgendwie scheinen wir Menschen zu spüren, dass unser Leben nicht im starren Ernst versinken darf, sondern dass wir vielmehr die Freude im Leben brauchen, ja Freude wie wir sie im Spiel erleben können.

Der Dichter Wolfgang Dietrich formulierte dazu einmal: „Ich glaube, dass das Spiel die unverkrampfte Tragekraft des Lebens ist.“

Wenn heute vom christlichen Zeugnis in unserer Gesellschaft die Rede ist, heißt es manchmal, wir Christen sollten mehr „Gott ins Spiel bringen“. Das sagt sich so locker. Aber wenn es darum geht, den eigenen Glauben zur Sprache zu bringen, dann fällt uns das meist alles andere als „spielend leicht“.

Aber ist es denn wirklich so schwer, „Gott ins Spiel zu bringen“, wenn ich in Gesprächen, im Kontakt mit anderen mit persönlichen Lebenserfahrungen herausrücke. Wenn ich erzähle, wie ich vielleicht in einer persönlichen Krise spüren durfte: Gott lässt mich nicht fallen. Oder wenn ich deutlich mache, warum ich mich zum Beispiel für sozial Schwache einsetze: Weil ich an einen gerechten und barmherzigen Gott glaube.    

Ein Papst spricht über Fußball. Das lässt aufhorchen. Ich bin überzeugt, wo Christen in Worten (und auch Taten!) „Gott ins Spiel bringen“, werden Menschen am Rand oder außerhalb der Kirche hellhörig und aufmerksam auf das, was uns als Christen trägt und froh macht.

Geistliches Wort - 23./24. KW 2016 - von Pastoralreferent Christian Dorn, Betriebsseelsorge Allgäu

„Wenn der Herr nicht alles vergäbe, gäbe es die Welt nicht“

Das Jahr der Barmherzigkeit? Tolle Sache. Barmherzigkeit ist wichtig. Unsere Welt braucht Barmherzigkeit. Schauen sie sich an, wie Menschen mit Menschen umgehen. Krieg, Flüchtlingselend, wirtschaftliche Ungerechtigkeit, Raubtierkapitalismus, rechte Gewalt … Da besteht ja wohl kein Zweifel, dass Barmherzigkeit notwendig ist.

Ob ich Barmherzigkeit brauche? Nein, nein, also verstehen sie: ich stehe schon auf der richtigen Seite. Ich poste regelmäßig auf Facebook gegen diese rechten Hetzer, ich bin aktiv in einer sozialen Bewegung, die sich für eine gerechte Wirtschaft einsetzt und ich kaufe natürlich auch regional ein. Also sie sehen: ich handle barmherzig.

Ein wenig überzeichnet? Natürlich. Eine Karikatur? Sicher. Und doch steht dahinter eine Haltung, gegen die wir nicht immun sind. Denn in ihr liegt eine große Versuchung. Die Versuchung, sich moralisch aufs Podest zu stellen und auf die anderen herabzuschauen. Eine Versuchung, der Menschen immer wieder erliegen. Zu Jesu Zeiten gab es die Pharisäer, die mit tiefem Ernst und großem Bemühen versuchten, gemäß dem Gesetz Gottes zu leben. In unserer Vorstellung sind die Pharisäer zu einer Karikatur verkommen. Doch in den Spiegel, den Jesus ihnen immer wieder vorhält, dürfen auch wir ab und zu einen ehrlichen Blick wagen. Denn wir Menschen sind nun einmal zwiespältige Wesen oder um mit Martin Luther zu sprechen: „simul iustus et peccator“, also zugleich Gerechte (weil von Gott gerechtfertigt) und Sünder. Jede und jeder von uns darf die Frage, ob sie oder er der Barmherzigkeit Gottes und der Mitmenschen bedürfe, mit Ja beantworten. Für Papst Franziskus ist dieses Ja Frucht des Jahres der Barmherzigkeit. Und er erzählt dazu ein Erlebnis: <Am Schluss einer Messe ist ein alte, einfache Frau zu mir gekommen. Ich habe zu ihr gesagt: „Nonna – wollen sie beichten?“ „Ja“, sagte sie. „Aber wenn sie nicht gesündigt haben?“ Sie sagte: „Aber alle haben wir Sünden.“ „Doch vielleicht vergibt der Herr nicht?“ „Der Herr vergibt alles“, antwortete sie. „Frau, wie können sie das wissen?“ „Wenn der Herr nicht alles vergäbe, gäbe es die Welt nicht.“ Ich hätte sie gerne gefragt: „Sagen sie mir, liebe Frau, haben sie an der Gregoriana, der päpstlichen Universität, studiert?“, denn das ist die Weisheit, die der Heilige Geist gibt: die innere Weisheit, die zur Barmherzigkeit Gottes führt.>

Geistliches Wort - 21./22. KW 2016 - von Diakon Leo Bernhard, Betriebsseelsorger Diözese Augsburg

Pfingsten

 

Pfingsten wird in unserer Gesellschaft mit Sonnenschein, Ferien und Ausflug in Verbindung gebracht.

Sehenswürdigkeiten aller Art werden weltweit angeboten. Wer ein bisschen in die Tiefe gehen will, betrachtet das Labyrinth. An verschiedenen Orten wurde diese Form nach dem Muster des berühmten Labyrinths aus der Kathedrale Notre Dame in Chartres nachgebaut.

Wer sich auf den Weg macht, um in die Mitte eines Labyrinths zu gelangen, braucht Zeit und Geduld.

Dafür ist das Labyrinth auch geschaffen, um über den Sinn des Lebens, über Erfolg und Misserfolg, über Hindernisse und Sackgassen im eigenen Leben nachzudenken.

Das Labyrinth mit seinen schwer zu erfassenden Windungen will auch meine Glaubenserfahrungen und Glaubenskrisen anschaulich machen. Nur wer erkennt, dass der Weg zu Gott nicht gerade auf direktem Weg zu erreichen ist, wird die Kurven und Wiederholungen im eigenen Leben verstehen.

Wir feiern das Pfingstfest mit der Bitte um den Heiligen Geist. Möge der Heilige Geist unsere Herzen erfüllen und uns den rechten Weg weisen. Den Weg zu Gott mit allen Kurven und Mühen.

Allen, die auf dem Weg sind, eine gute Heimkehr und viel Mut, den persönlichen Lebensweg als Herausforderung anzunehmen.

Geistliches Wort - 19./20. KW 2016 - von Kreispräses Ulrich Hoffmann, KV Iller-Donau

„Daher darf ein Hirte sich nicht damit zufrieden geben, gegenüber denen, die in „irregulären“ Situationen leben, nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft.“
Papst Franziskus, Amoris Laetitia 305

Ich denke an die Ehebrecherin aus dem Johannesevangelium. „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ (Joh 8,7). Papst Franziskus redet in seinem Schreiben Amoris laetitia sogar von „Felsblöcken“. Die verwunden nicht nur, sondern sie töten. Nicht nur die Hirten, sondern alle Christen sollen sich bewusst darüber sein, dass das moralische Gesetz, wenn es ohne Betrachtung der persönlichen Lebensgeschichte jedes einzelnen Menschen angewandt wird, töten kann.
"Amoris laetitia" steht nicht nur am Ende eines dreijährigen synodalen Weges, es markiert auch eine weitere Etappe auf der seit Urzeiten währenden Befassung der Kirche mit den Themen Ehe und Familie. Und Papst Franziskus gibt sozusagen als Beipackzettel gleich zu Beginn mit auf den Weg (Nr.7): "Ich empfehle nicht, es hastig ganz durchzulesen". Und er weist darauf hin, dass längst nicht alle Diskussionen durchs Lehramt entschieden werden müssen. Mut zur Lücke also, und damit auch ein deutlicher Hinweis, dass dieses Dokument keine Türen und Fenster schließen will. Was hier nicht vorkommt, kann getrost anderswo behandelt werden - eine Maxime, an die man sich erinnern sollte. Papst Franziskus stärkt das Gewissen – es ist die Aufgabe der Kirche, das Gewissen der Gläubigen zu bilden, nicht es zu ersetzen, sagt er. Und er betont, dass die abstrakte Bewertung von Situationen als "Todsünde" ohne Berücksichtigung der Umstände nicht mehr zulässig ist. Das hat weitreichende Folgen – auch für die Möglichkeit, dass Christen, die in zweiter Ehe leben, die Sakramente der Beichte und der Eucharistie empfangen können.
Papst Franziskus ist es gelungen, einen neuen Zungenschlag in die Seelsorge hineinzubringen: eine Sprache und eine Blickweise, die nicht pauschal verurteilen, sondern sorgfältig unterscheiden und die im Unvollkommenen den Ansatz für Hoffnung sehen - oder den Raum für Barmherzigkeit.
Die Unbarmherzigkeit nämlich kann nicht nur die Lust am Glauben abtöten, wenn jemand scharf zurückgewiesen oder gar verurteilt wird. Sie kann auch jede Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit abtöten. Und die, so der Papst, dürfen wir als Kirche niemals aufhören zu verkündigen. Wie steht es bei Lukas: „Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.“ (Lk 6,37).
Da das Dokument gut lesbar ist, kann man sich nur wünschen, dass es auch in die Hände der Familien und auch unserer KAB-Gruppen gelangt und dort gelesen wird. "Amoris laetitia" eignet sich, anders als viele andere Texte des kirchlichen Lehramtes, ausgezeichnet zum Vorlesen. Man muss dem Vorleser allerdings sagen, dass er im achten Kapitel auch die Fußnoten mitlesen soll…

Geistliches Wort - 17./18. KW 2016 - von KAB-Diözesansekretär Peter Ziegler

„Es ist gut, dass sich die Menschen bewusst werden, dass das Kaufen nicht nur ein wirtschaftlicher Akt ist, sondern immer auch eine moralische Handlung ist.“ CiV 2009 Z.66

An dieses Zitat von Papst Benedikt wurde ich am letzten Freitag erinnert: Wir haben in Augsburg eine alternative Stadtführung unter dem Motto „gut wirtschaften“ angeboten. Dabei haben wir miteinander nach Wegen gesucht, wo und wie nachhaltiges, soziales sowie ökologisches Einkaufen in unserer Stadt gelingt. Wir wurden dabei von einem Kamerateam begleitet, das fast drei Stunden mit uns unterwegs war. Beim anschließenden Interview stand plötzlich die Frage im Raum: „Warum führen Sie als katholischer Verband denn so eine Stadtführung durch? Das ist ja schön, aber wo ist das Katholische?“ Nun hätte man natürlich allgemein mit Kardinal Marx antworten können: „Christ sein heißt politisch sein“, aber ich war sehr froh um das erwähnte Zitat, dass unseren Konsum direkt als moralische Herausforderung begreift.

Etwas ganz Ähnliches hat dann auch ein Referent des Nachmittags ausgeführt, der darauf hinwies, dass eigentlich jedes Produkt mit einer Black box zu vergleichen ist. Wir wissen, was es kostet und was es ist – wir wissen aber nicht, was eigentlich drinsteckt – an ökologischen und sozialen Kosten. Er ermunterte uns, zumindest bei größeren Anschaffungen nach diesen verborgenen Kosten zu fragen, denn erst dann können wir eine moralische Entscheidung treffen. Versuchen Sie es doch auch einmal…

Geistliches Wort - 15./16. KW 2016 - von Pastoralreferentin Martina Berndt-Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Gedanken einer Osterkerze

Gleich drei Kreuze sind auf mir erkennbar- eher ungewöhnlich für eine Kerze, die eigentlich von Ostern, von der Hoffnung der Auferstehung und vom Leben erzählt.

Das erste Kreuz steht für das Sterben Jesu am Kreuz- für viele Menschen schwer anzunehmen, zu fassen und zu verstehen- mit vielen Fragen verbunden.

Aber was bedeuten wohl die anderen beiden Kreuze?

Das dunkle schwarze Kreuz könnte uns daran erinnern, dass es trotz Ostern noch viele Karfreitage, noch viele Kreuze im Leben der Menschen gibt. Wir denken dabei an Krankheiten und Tod in unserem Leben. Aber vielleicht steht es auch für die Erfahrung, dass Menschen anderen Menschen Kreuze auf erlegen – im täglichen Miteinander, das zu einem Gegeneinander wird oder in Familien, wenn Kinder und Eltern nicht miteinander können. Auch in der Arbeitswelt haben viele ein Kreuz zu tragen- die Angst um den Arbeitsplatz, die Erfahrung, nicht gebraucht oder nicht wertgeschätzt zu sein, der erbarmungslose Konkurrenzdruck, ständiges Arbeiten an den Grenzen der eigenen Kräfte.

Vor dieses dunkle Kreuz hat sich ein helleres Kreuz geschoben. Es macht die ausgebreiteten Arme im Kreuz deutlich. Arme, die offen sind, Arme, die bereit sind, anzunehmen. Arme, die Zuwendung, Hoffnung und Liebe zeigen. Arme, die uns Ostern spüren lassen. Arme, die wir selbst für andere sein können.

 

Diese Osterkerze steht In der Kapelle der Missionsbenediktinerinnen in Bernried am Starnberger See.

Gestaltet wurde sie von Sr. Lilian-Ruth nach einem Vorbild des Holzbildhauers Jürgen Burkert aus Görlitz.

Geistliches Wort - 13./14. KW 2016 - von Pastoralreferent Hans Gilg, Betriebsseelsorge Augsburg

Neuland

Neuland durften Firmlinge und ihre Väter entdecken beim Höhlenklettern im Oberpfälzer Jura. Kurz nach dem Höhleneingang ist es stockfinster und es kostet ein wenig Mut sich in diesem ungewöhnlichen Raum zu bewegen. Hält der Akku der Lampe, hoffentlich verliere ich die anderen nicht, wo ging´s gleich wieder raus? Dann auch noch – nur kurz – die Lampen ausschalten und eine Finsternis genießen oder aushalten müssen, wie wir sie so gar nicht mehr erleben. Eine andächtige Stille macht sich breit. Über viele Stunden ist die Gruppe auf sich gestellt und die Jungs und Männer tasten sich an dieses Abenteuer heran, lernen sich zu orientieren, sich gegenseitig zu unterstützen und die anderen im Blick zu haben. Für die Überquerung von kleinen Schluchten werden Seilbrücken und Halterungen gebaut und fast kehrt durch die Geschäftigkeit so etwas wie Normalität ein. Die Ablenkung lässt manches mulmige Gefühl kleiner werden und die Faszination steigt von Höhlenraum zu Höhlenraum. Manche dieser Räume sind leicht zu erreichen andere erfordern große Anstrengung. Das Durchkriechen enger Schlufe – Mauselöcher durch die man sich gerade so durchzwängen kann – kostet manchmal auch ganz schön Überwindung. Und dahinter wartet Neuland, das uns ehrfürchtig werden lässt.

Auch Gott lädt uns ein in sein Neuland
Seine Aufforderung lautet: Blicke dahinter! Blicke hinter Deinen Stress und Deine Geschäftigkeit und entdecke Muße und Entschleunigung. Blicke hinter deine Masken und entdecke, dass andere dich gern so annehmen, wie du wirklich bist! Blicke hinter die schönen Fassaden und Kulissen unserer Gesellschaft und entdecke, wo Menschen Deine Solidarität und Deine helfenden Hände brauchen. Blicke hinter deinen Streit und entdecke Brücken der Verständigung. Blicke hinter Tod und Karfreitag und entdecke Ostern und Auferstehung – eben Neuland.

Geistliches Wort - 11./12. KW 2016 - von Diakon Erwin Helmer, KAB-Diözesanpräses DV Augsburg

Fastenzeit – Karwoche – Ostern
„Barmherzig in der Arbeitswelt“

Natürlich fragen wir in der KAB, der CAJ und der Betriebsseelsorge auch im Jahr der Barmherzigkeit und in dieser besonderen Zeit, der Fastenzeit, immer wieder neu: wie steht es mit der Barmherzigkeit in der Arbeitswelt? Jesus, der Barmherzige, war und ist die Barmherzigkeit Gottes in Person. Er ist die Barmherzigkeit des Vaters. Er ist der „Sohn des Zimmermanns“, der die Arbeitswelt von damals kennt.

Wir kennen die Arbeitswelt von heute. Und wir sind da

·        für die Beschäftigten bei WELTBILD, die unter die Räuber geraten sind

·        für die Beschäftigten bei Amazon, die alle ohne Tarif arbeiten

·        für die Niedriglöhner/innen, die ausgegliedert wurden

·        für die andauernd Befristeten, die Alleinerziehenden, die Gestressten, die Gemobbten, die Krankgemachten.

Beim Gottesdienst des KAB-Diözesanausschuss im Januar in Leitershofen haben wir die Gedanken der KAB-Verantwortlichen zu diesem Thema gesammelt und sortiert. Hier das schöne und sinnreiche Ergebnis:

Barmherzigkeit in der Arbeitswelt heute  - eine Interpretation der KAB, Diözese Augsburg

Den Geist und die Liebe Gottes in die Arbeitswelt einbringen – konkret also Fairness, Toleranz, Wertschätzung, Zuvorkommenheit, Einsatz für Schwächere

  • Zuerst barmherzig zu sich selber sein, sich nicht unnötig unter Druck setzen, zu seinen Schwächen stehen und die Menschen spüren lassen „Du bist wertvoll!“ – egal was im Betrieb oder wo auch immer geschieht.
  • Barmherzig sein heißt geduldig oder nachsichtig sein gegenüber Fehlern oder Schwächen von Kolleginnen und Kollegen.
  • Barmherzig sein geschieht durch Wertschätzung jeder Arbeit!
  • Wertschätzung der einfachen und einfachsten Dienstleistungen.
  • Barmherzig sein, indem ich mehr tue, als von mir gefordert werden kann.
  • Barmherzig sein, indem wir Türen öffnen in schwierige, betriebliche Situationen hinein. Einfach da sein, zuhören, ehrlich und offen sein.
  • Barmherzig sein heißt, für faire und gute Arbeit überall eintreten – die Realität hinterfragen, nachfragen.
  • Barmherzig sein bedeutet, sensibler werden und offener werden für die Nöte der Menschen, vor allem die Not der prekär Beschäftigten (in Leiharbeit, Niedriglöhnen, Befristungen, unsicheren Werkverträgen …)
  • Zusammengestellt von Präses Erwin Helmer aus den Ideen der KAB - Verantwortlichen beim Diözesanausschuss, Januar 2016

Geistliches Wort - 9./10. KW 2016 - von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Daran müssen sie sich hier in Deutschland gewöhnen“

Vor einigen Wochen in der Milli Görus Moschee Neu-Ulm: Beim Gesprächsabend Muslime – Christen, zu dem die Moscheegemeinden von Milli Görus und DITIB Straß gemeinsam mit der katholischen und evangelischen Kirche in Neu-Ulm einladen, geht es um das Thema Gebet. Flüchtlinge, die in dieser Zeit zum Abendgebet kommen, wundern sich: Frauen ohne Kopftuch in der Moschee? Eine Frau sogar, Pfarrerin von der evangelischen Petrusgemeinde, die von vorne zu den Versammelten spricht? „Daran müssen sie sich hier in Deutschland gewöhnen“, so ein aktives Mitglied der Milli Görus Gemeinde.

Auch wir müssen uns an einiges gewöhnen hier in Deutschland: Daran z.B., das Flüchtlinge zu uns in die Kirchen und Moscheen kommen, um mit uns zu beten (in der DITIB Moschee z.B. etwa 20 Personen täglich, zum Freitagsgebet 30/40) und Gottesdienst zu feiern, daran, dass Flüchtlinge aus anderen Ländern und Kulturen bei uns, in unserer Gesellschaft ankommen wollen. Dass in der Pfarreiengemeinschaft Neu-Ulm hier viel Gutes geleistet wird, wissen wir, wie auch von dem Engagement in der Petrusgemeinde und seitens der Caritas sowie der Diakonie. Doch auch die Moscheegemeinden, die am Gespräch Muslime-Christen beteiligt sind, engagieren sich für und mit Flüchtlingen, indem sie etwa in der DITIB-Moschee Räumlichkeiten für Sprachkurse zur Verfügung stellen, praktische Hilfe leisten, an Flüchtlinge, so Frauen- und Jugendgruppen der Milli Görus Moschee, Gebetsteppiche, Babysachen, Windeln, Kleider und Decken verteilen. Um sprachliche Barrieren zu überwinden, dolmetschen schon länger hier lebende Asylbewerber oder Asylberechtigte aus Afghanistan oder Pakistan.

Es tut gut, dieses uns als Christen und Muslime verbindende Engagement für Menschen auf der Flucht zu entdecken. Möglich ist das, weil wir seit einigen Jahren schon das Gespräch zwischen Muslimen und Christen pflegen und weiter fortsetzen:

Gerne gewöhnen wir uns

an das geduldige Gespräch zwischen Muslimen und Christen, um sich besser kennen zu lernen, auf dass gegenseitige Wertschätzung und Achtung wachsen.

Nicht gewöhnen wollen wir uns

an pauschale Stimmungsmache gegen Flüchtlinge und an rechtspopulistische Ausfälle - und wissen uns hierin verbunden mit Gott, dessen Menschenkinder wir alle sind.

Geistliches Wort - 7./8. KW 2016 - von Gemeindereferentin Regina Wühr, Geistliche Begleiterin der KAB

Klare Ansage

„Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen,

an die Hungrigen dein Brot auszuteilen,

die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen,

wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden

und dich deinen Mitmenschen nicht zu entziehen.“

So spricht Gott beim Propheten Jesaja (58,6-7).

Fasten im Sinn Gottes bedeutet also Einsatz für die Armen und Hinwendung zum Nächsten. Das setzt Abkehr von Egoismus und Selbstbezogenheit voraus.

Fasten kann demnach bedeuten:

F wie sich frei machen von Vorurteilen und alten Verhaltensmustern

A wie aufmerksam werden für diejenigen, die meine Hilfe brauchen

S wie Menschen in Schutz nehmen, die sich selbst nicht helfen können

T wie teilen: alles, was mir gehört und worüber ich verfügen kann

E wie sich engagieren für die Veränderung ungerechter Verhältnisse

N wie neue Wege suchen und gehen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche

Und wie lautet Ihr Fasten-ABC?

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Fastenvorsätze!

Geistliches Wort - 5./6. KW 2016 - von Ewald Lorenz-Haggenmüller, Betriebsseelsorge Allgäu

OBERGRENZEN

Der Hass vermehrt sich grenzenlos.
Die Aussichtslosigkeit ist grenzenlos geworden.
Der Unfrieden hat alle Grenzen überwunden.
Das Leid ist grenzenlos geworden.
Die Vertreibung ist grenzenlos geworden.
Die Ungerechtigkeit kennt keine Grenzen.

 

Obergrenzen braucht,

wer Angst hat, überrannt zu werden,

wer Fremdes schlecht ertragen kann,

wer glaubt, was Besseres zu sein.

Ob ER Grenzen braucht?

Seid ohne Furcht und habt Vertrauen, denn ICH sorge immer für Euch.

 

Obergrenzen will,

wer kein Vertrauen in sich selbst hat,

wer nicht mehr nachdenkt, was alles machbar ist,

wer allein sich selbst der Nächste ist.

Ob ER Grenzen will?

Allen ist alles gegeben, auch unendliche Möglichkeiten des guten Miteinanders.

 

Obergrenzen zieht,

wer sich abschotten will,

wer sich zurückziehen will,

wer keine Offenheit mehr aufbringen kann.

Ob ER Grenzen zieht?

Nie und nirgends. Denn alle sind gleichermaßen geliebt.

 

Obergrenzen fordert,

wer um seinen Besitz, seine Reichtümer fürchtet,

wer aus Konflikten Nutzen zieht,

wer den Unfrieden bei anderen trennt vom Frieden bei sich.

Ob ER Grenzen fordert?

Friede kommt mit Gerechtigkeit. Über alle Grenzen. Und zu allen.

 

Obergrenzen setzt,

wer die Freiheit anderer einschränken will,

wer andere geringer wertet,

wer nicht alle für gleich erachtet,

Ob ER Grenzen setzt?

Der Himmel geht über allen auf. Und überall.


Unbarmherzigkeit braucht Obergrenzen -

Barmherzigkeit kennt keine Grenzen!

Geistliches Wort - 3./4. KW 2016 von Pastoralreferent Andreas Kohl, Betriebsseelsorge Weilheim

Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
(Brief an die Kolosser 3,16)

Gerne erinnere ich mich an die Zeit, wie ich gegen Ende meines Studiums bei einer liebenswürdigen Familie in Augsburg zur Untermiete wohnte. Im Hause Mayer fühlte ich mich vom ersten Moment an wohl. Das lag nicht nur an meinem netten, kleinen Zimmer, sondern insbesondere an der herzlichen und offenen Art der Familienmitglieder.

Die Mayers sind übrigens evangelisch – und wie: Der Vater im Kirchenvorstand, er und die Söhne im Posaunenchor, die Mutter im Bibelkreis… Aber auch noch viele andere Aktivitäten in der Kirchengemeinde bestimmen (nach wie vor) den Alltag mit.

Wir waren drei Studenten im Haus und hatten richtigen Familienanschluss: Gefrühstückt wurde jeden Morgen im Wohnzimmer von Familie Mayer. Auf dem großen Esstisch fanden sich Kaffee, frische Semmeln, Marmelade, Honig und irgendwo dazwischen – ein kleines, aufgeschlagenes Heftchen: „Die Losungen“. Ich kannte dieses Andachtsbüchlein mit den täglichen Bibelrationen, Liedversen oder Gebeten bis dahin nicht. Aber ich war schon beeindruckt, mitzuerleben, wie in dieser christlichen Familie der Tag mit Worten aus der Heiligen Schrift begann.

Da frag ich mich: Wie lebe ich mit Gottes Wort? Wohnt das Wort Christi mit seinem ganzen Reichtum auch bei mir? (vgl. Kol 3,16)

Vom 18. bis 25. Januar wird wieder die Gebetswoche für die Einheit der Christen begangen. Christen der verschiedenen Konfessionen beten in dieser Woche für ein zentrales Anliegen Jesu: Die Einheit unter den Christen (Joh 17,21: „Alle sollen eins sein … damit die Welt glaubt“.)

Eine gespaltene Christenheit ist weniger glaubwürdig. Wenn Christen uneins sind, verliert das Evangelium an Strahlkraft.

Das Gebet um den Geist der Einheit ist unerlässlich.

Genauso gilt es, das wahrzunehmen, was in der anderen Konfession an wertvoller Glaubenspraxis (vor)gelebt wird. Da gibt es viel, was uns zum Nachdenken bringen, was uns gegenseitig inspirieren und bereichern kann.

So wie zum Beispiel die tägliche „Losung“ auf dem Frühstückstisch von Familie Mayer.

Geistliches Wort - 1./2. KW 2016 von Pastoralreferent Christian Dorn, Betriebsseelsorge Allgäu

„Repariere nicht, was nicht kaputt ist“

Von dem irischen Schriftstellen George Bernard Shaw ist das Zitat überliefert: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert, nicht mit schlechten.“ Was ist das nur mit diesem beliebten Volkssport, die Zeit der Jahreswende dafür zu nutzen, in einem feierlichen Akt große Vorhaben und Pläne innerlich in Stein zu meißeln, um so ziemlich genau ein Jahr später feststellen zu müssen, dass die Umsetzungsphase gleich wieder um ein weiteres Jahr verlängert werden kann. „Zu Neujahr tun’s auch die runderneuerten Vorsätze vom letzten Jahr.“ So beschreibt der Publizist Peter E. Schumacher dieses Phänomen. Ein anderes Zitat von ihm führt uns auch auf eine mögliche Spur, warum wir in dieser Angelegenheit immer wieder – und das mit Vorsatz – scheitern: „Gute Vorsätze werden von Defiziten diktiert.“ Nun gut, mag man einwenden, das gehört doch zum Wesen eines guten Vorsatzes, dass ich einen schlechten Zustand verbessern möchte. Natürlich, doch der Mensch ist nicht so gestrickt, dass der Fokus auf ein Defizit, ein schlechtes Gewissen oder ein alles überstrahlendes, hehres Ziel ihn besonders gut zu einer Veränderung motivieren.

Zu Beginn der 80er-Jahre haben dies auch einige US-amerikanische Psychologen erkannt und eine Therapieform entwickelt, die mittlerweile auch Eingang in die soziale Arbeit und die Seelsorge gefunden hat: die lösungsorientierte Kurztherapie. Nun soll damit nicht behauptet werden, dass alle Menschen mit guten Vorsätzen ein Fall für den Psychologen sind. Doch beim Nachdenken darüber, wie wir uns in eine gute Richtung verändern können, sind einige der Grundprinzipien dieses Ansatzes recht hilfreich – und entlastend.

Repariere nicht, was nicht kaputt ist.“ Ideale sind von mir selbst konstruierte Zustände, an denen ich mich mein ganzes Leben abarbeiten kann, weil ich die Messlatte sowieso nie erreiche. Was im Leben so läuft, dass ich gut damit klar komme, darf auch so bleiben.

Finde heraus, was gut funktioniert und passt – und tu mehr davon.“ Mein Leben steckt voller Lösungen, denn jeder von uns tut bereits vieles, was gut geht und weiter hilft. Greifen wir doch einfach in diese Ressourcen-Kiste und vermehren das Gute.

Wenn etwas trotz vieler Anstrengungen nicht gut genug funktioniert und passt – dann höre damit auf und versuche etwas anderes!“ Es ist doch frustrierend, wenn ich genau weiß, wie es gehen muss – und trotzdem geht es nicht. Achtung: die Vorstellung, es genau zu wissen, könnte ich mir selbst einreden. Es ist vielleicht einfach die falsche Lösung, auch wenn sie noch so schön ist. Bleiben lassen und es anders probieren.

Genau betrachtet passt die Haltung, die aus diesen Prinzipien spricht, auch gut zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit. Jeder Mensch bedarf der Barmherzigkeit Gottes und seiner Mitmenschen. Und wenn ich Barmherzigkeit – die vergebende Liebe – lebe, werde ich auch gegenüber mir selbst barmherzig sein. Und dann gilt genau ein guter Vorsatz, nämlich der, der mir vor allem anderen zugesagt ist: Du bist geliebt! In dir ist viel Gutes! Du darfst sein!

Archiv 2015

 

 

Geistliches Wort - 52./53. KW 2015 - Pastoralreferent Andreas Kohl, Betriebsseelsorger Weilheim

Ganz Ohr

„Ganz Ohr“ waren die Oasentage für Arbeitnehmervertreter/-innen am ersten Adventwochenende überschrieben. Für die Frauen und Männer, die sich in der Arbeit als Betriebs- und Personalrat oder als Mitarbeitervertretende engagieren, ist das ein wesentlicher Teil ihres Tagesgeschäfts: „Ganz Ohr“ zu sein. Zuhören, wenn die Kollegen mit unterschiedlichsten Anliegen auf sie zu kommen, sich anhören, was die Beschäftigten loswerden wollen, genau hinhören, wo den Menschen im Betrieb der Schuh drückt. Meinem Gegenüber zuhören: Das klingt zunächst nach nicht viel – ist aber im menschlichen Miteinander etwas ganz Wesentliches und oft gar nicht so einfach…

 

 

„Ganz Ohr“ zu sein, ist aber auch eine wichtige Grundvoraussetzung, um zu hören, was Gott mir sagen will. Rund um die Weihnachtsgeschichte begegnen uns im Evangelium ebenfalls Personen, die in einem entscheidenden Moment „ganz Ohr“ waren: Maria, die die Botschaft des Engels gehört und dazu ihr „ja“ gesagt hat. Josef, der im Traum die Weisung Gottes hörte und daraufhin doch bei seiner Verlobten Maria geblieben ist. Die Hirten auf dem Feld, die hörten, was der Engel und die himmlischen Heerscharen ihnen verkündigten und sich anschließend auf den Weg nach Betlehem machten. Was wäre aus dieser Geschichte wohl weiter geworden, wenn Gott nur auf taube Ohren gestoßen wäre?

An diesen Beispielen wird aber noch etwas anderes deutlich, das für das „Hören“ in der Bibel bedeutsam ist: Aus dem „Hören“ erfolgt ein „Handeln“, aus „Horchen“ wird „Ge-horchen“. Maria lässt sich vertrauensvoll auf den Weg ein, den Gott mit ihr gehen will. Josef steht zu seiner schwangeren Verlobten. Die Hirten brechen auf zur Krippe und erzählen dort die frohe Botschaft der Engel weiter.

Weihnachten wurde es also auch deshalb, weil Menschen auf Gottes Wort gehört und danach gehandelt hatten.

Weihnachten ist so gesehen nicht auf den 25. Dezember begrenzt: Jesus kommt immer wieder neu in diese Welt, wo Menschen das Wort Gottes hören, sich von ihm treffen lassen und diesem Wort in ihrem Leben Gestalt geben.

Lasst uns in KAB, CAJ und Betriebsseelsorge auch im kommenden Jahr „ganz Ohr“ für die Anliegen der arbeitenden und der arbeitsuchenden Menschen sein. Lasst uns „ganz Ohr“ für Gottes befreiendes Wort sein und unser Leben von Seinem Wort immer mehr verwandeln lassen.

 

 

Geistliches Wort - 50./51. KW 2015 - Pastoralreferent Ulrich Hoffmann, KAB-Präses in Senden und im Kreisverband Iller-Donau

Nikolaus der Weihnachtsmann

Wie oft sind Sie ihm in diesen Tagen schon begegnet? Ich meine jenen kundenorientierten Werbeträger der Weihnachtsmann-Industrie im nachgemachten Bischofsgewand. Ist Bischof Nikolaus, dessen Lebenszeugnis das Kirchenjahr am 6.Dezember in den Mittelpunkt stellt, tatsächlich schon ganz hinter der „Weihnachtsmann-Mania“ verschwunden? Nikolaus und Weihnachten: die „staade Zeit“ ist zum Jahrmarkt der Geschäftemacherei geworden, in der die komsumorientierte Welt ihr Jahreshauptfest feiert – und Weihnachtsmann Nikolaus gibt dazu den Marktschreier. Weihnachten - das am meisten missbrauchte, verweltlichte und entleerte Fest der Christenheit.

Sonst nichts mehr? Nikolaus und Christkind stehen immerhin noch bei vielen Zeitgenossen für diffuse fromme Gefühle verbunden mit vagen, wehmütigen Kindheitserinnerungen. Sie erzeugen eine Art sentimentale Rückkehrstimmung in eine versunkene, ferne und verlorene Heimat. Für viele kann es in dieser Zeit daher gar nicht kitschig und kindisch genug sein.

Und doch ist dahinter die Sehnsucht nach gelingendem Leben, die unentrinnbar in jedem Menschen steckt. Da hinein spricht die Botschaft von Weihnachten: dass diese Sehnsucht gerechtfertigt ist, gerechtfertigt wurde dadurch, dass Gott Mensch wird und sich auf unsere Sehnsucht einlässt. Das ist eine Hoffnung, die auch der Not ins Auge sieht, die nicht wegschaut und sich nicht wegduckt. Mehr als Firlefanz und glitzerndes Lametta, das unsere alltägliche Tristesse etwas überhöht – als scheinheiliger Trost, der nur blendet, aber nicht trägt. Nein, diese Hoffnung bewährt sich gerade in der größten Herausforderung angesichts von Not, Tod und Elend, die in diesen Tagen nur allzu gegenwärtig sind. Christen hoffen auf einen, der mitgeht und uns weiterführt – sogar, wie wir glauben, bis in die Weite des ewigen Lebens.

Vielleicht denken Sie, wenn Ihnen in den nächsten Tagen wieder ein „Weihnachtsmann“ über den Weg läuft, an die alle Menschen verbindende Sehnsucht nach gelingendem Leben. Dann lugt hinter dem Weihnachtsmann wieder jener heilige Bischof Nikolaus hervor, der mit seinem Lebenszeugnis und den vielen schönen Legenden, die sich um ihn ranken, dieser Hoffnung auf den Retter Jesus Christus für die Menschen seiner Zeit und bis hinein in unsere Tage eine sehr konkrete und fassbare Gestalt gegeben hat.

Geistliches Wort - 48./49. KW 2015 - von Diözesansekretär Peter Ziegler, KAB Diözesanverband Augsburg

Gestern wurde in den katholischen Kirchen das Christkönigsfest begangen. Ich muss gestehen, dass ich damit über all die Jahre hinweg so meine Probleme hatte, weil ich mit machtstrotzenden Königen à la King Lear so meine Probleme hatte, ja sie so gar nicht meinem Gottesbild entsprechen wollten. Ich habe mich dann immer damit beholfen, dass es den Menschen zu früheren Zeiten wohl wichtig war, Christus mit einem König gleichzusetzen und ihm am Ende die Macht über diese Erde zuzusprechen. Aber für mich war das nichts. Da half mir auch der Gedanke von der Umwertung der Werte nicht weiter – die Ersten werden die Letzten sein, Könige zu Dienern und Diener zu Königen…

Nun aber habe ich mit Cardijn und dessen Satz „Jeder junge Arbeiter ist mehr wert als alles Gold der Erde“ etwas dazugelernt. Er entspricht mir sehr, weil er die Schwachen und Kleinen aufwertet und ihnen eine unveräußerliche Würde gibt – sie sind sogar mehr wert als ein König. „Alles, was Ihr diesen Kleinen getan oder verweigert habt, das habt Ihr mir getan oder verweigert“ erinnere ich mich an Jesu Wort beim Endgericht – schon wieder so ein Wort, das einer genaueren Analyse bedarf…

Außerdem fällt mir die Krönungsaktion der Engagierten für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein – auch sie ist ein Symbol dafür, dass sich jeder Mensch nicht erst aus seiner Arbeit heraus definiert, sondern dass er bereits vorab wertvoll und voller Würde ist – auch jenseits aller Leistungen. Jeder Mensch ist also ein König oder eine Königin, eben gerade, weil er nicht erst blaues Blut oder besondere Leistungen in den Schlachten des Lebens nachweisen muss, sondern weil er es wert ist – mit oder ohne Grundeinkommen. So verstanden ist das Christkönigsfest ein Fest, das den Wert des Einzelnen feiert – angesichts der Arbeitswelt von heute mindestens so revolutionär wie die Krönung eines Hingerichteten zu König…

Geistliches Wort - 46./47. KW 2015 - von Pastoralreferent Hans Gilg, Betriebsseelsorge Augsburg

Du bist mehr wert

Gar nicht so einfach

Gold zu finden

Den Buckel krumm machen

Das Kleine sehen

Echt von falsch unterscheiden

Gott hat sich auch ganz bescheiden gemacht

Und er will Dir sagen:

Ich habe Dich eingeschrieben in meine Hände

Denn

Du bist mehr wert als alles Gold der Erde

Geistliches Wort - 44./45. KW 2015 von Pastoralreferentin Martina Berndt-Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Werbebild für den arbeitsfreien Sonntag

Im vergangenen Sommerurlaub entdeckten wir bei einer Kirchenführung in der uralten Kirche St.Johann in Taufers/ Vintschgau ein interessantes Bild.

Das recht seltene Motiv aus dem Spätmittelalter findet sich vor allem in Südengland, Süddeutschland, Österreich, Südtirol, Norditalien und Slowenien- insgesamt sind etwa 50 Darstellungen bekannt. Hier zwei davon:

Auf dem Bild ist Christus dargestellt umgeben von den verschiedensten Werkzeugen- es trägt den Titel: Der Feiertagschristus.

Da die wenigsten Menschen im Mittelalter lesen konnten, erklärte dieses Bild, welche Tätigkeiten an Sonn- und Feiertagen nicht erlaubt sind. Der religiöse Grundgedanke dieser volksnahen und eindringlichen Darstellung war: wer an diesen Tagen arbeitet, beleidigt Jesus, ja fügt sogar dem leidenden Christus weitere Schmerzen zu.

Nun mag dieser Gedanke heutzutage befremden, aber dass viele Menschen und ihre Familien unter Sonntagsarbeit leiden, wissen wir sehr genau. Bei unserer Kirchenführung war sicher auch deshalb die spontane Reaktion auf dieses Bild: „So etwas bräuchten wir heute auch wieder!“

Seitdem beschäftigt mich die Frage: wie müsste ein solches „Werbebild für den Sonntag“ in unserer Zeit aussehen? Welche Werkzeuge und Geräte könnten/sollten heute dargestellt sein?

Geistliches Wort - 42./43. KW 2015 von Hans Reich, Betriebsseelsorge Allgäu

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Mk 10,25)

Im Evangelium vom Sonntag mahnte Jesus die Reichen: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt."(Mk 10,25) Jesus wollte vermutlich damit nicht sagen, dass es unmöglich ist, dass ein Reicher in den Himmel kommt. Aber ab wann ist man denn eigentlich reich? Ab 2000 €uro Monatsgehalt? Oder wenn man sich einen bestimmten Luxus leisten kann? Ich denke, Jesus geht es nicht darum, uns das Schöne am Leben verleiden zu wollen, oder uns die kleinen Freuden des Alltags, das kleine bisschen Luxus nehmen wollen. Ich glaube, er wollte uns vielmehr eindringlich vor den Gefahren des Reichtums warnen. Denn in uns Menschen schlummert die Gefahr, dass wir nur noch nach äußerlichem Reichtum streben und die Sicht für das Wesentliche im Leben verlieren. Es stellt sich immer die Frage: Können und wollen wir noch so ohne weiteres auf Liebgewordenes verzichten? Auf das schicke Auto, den jährlichen Urlaub, den regelmäßigen Besuch im Restaurant und auf die vielen anderen Dinge, die das Leben so angenehm machen? Oder hängen wir schon so sehr daran, dass es uns hindert, die Bedürfnisse unserer Mitmenschen zu erkennen und für soziale Gerechtigkeit einzutreten.

Nicht wer einfach nur reich ist, kommt nicht in den Himmel. Sondern wer an seinem Reichtum so sehr hängt, dass er ihn nicht loslassen kann, selbst wenn seine Seele in Gefahr ist. Reichtum verführt uns zur Selbstherrlichkeit. Die Gier nach Hab und Gut verdirbt den Charakter. Wer besessen ist von dem Gedanken, was er als nächstes noch kaufen muss, der verliert den Blick für das wirklich wichtige im Leben. Aber wie das so ist im Leben: Wir merken es nicht, wenn die Gier und das Besitzenwollen von unserem Denken und Tun und unserem Herzen Besitz ergreift.

Oft lernen Menschen erst im Angesicht von Krankheiten, des Leidens und des Leides, sich darüber klar zu werden, worauf es denn im Leben eigentlich ankommt und was das Wesentliche ist. Sie erleben plötzlich, dass im Leben, das Sein an sich viel wichtiger ist als das Haben.

Es ist gut, sich immer wieder mit der Frage zu beschäftigen, was uns den Zugang, ja die Sicht für das Wesentliche im Leben nimmt. Vielleicht erschrecken wir dann über uns selbst, wie sehr auch wir an Besitz und Anerkennung im Leben kleben.

Klarer als mit dem Kamel und dem Nadelöhr hätte Jesus es nicht sagen können. Er verurteilt die Reichen nicht per se, aber er sagt, dass sie es schwer haben, ins Himmelreich zu kommen.

Stellen wir uns einmal selbst die Frage, die Jesus mit seinem Beispiel angedeutet hat. Angenommen, wir stehen vollbepackt mit unserem Ballast vor diesem Nadelöhr. Auf der einen Seite unser Besitz, auf der anderen Seite das Gottes Reich.

Wir können durch das Nadelöhr in die gepriesene, ewige Stadt Jerusalem aber nur gelangen, wenn wir lernen, zu besitzen, ohne am Besitz zu kleben, wenn wir lernen, die Dinge dieser Welt zu genießen, ohne unser Herz von diesen Dingen und dieser Welt abhängig zu machen.

Hans Reich, Betriebsseelsorge Allgäu
z.Z. freigestellt für die Bayerische Regional-KODA

Geistliches Wort - 40./41. KW 2015 von Diakon Leo Bernhard, Betriebsseelsorger Augsburg

Was treibt uns, was bewegt uns…?

Für viele ist der Sommerspaß wieder vorbei. Was bleibt ist die Erinnerung. Ich erinnere mich gerne an Begegnungen mit Freunden. Oder an Erlebnisse mit der Familie, aber auch an so manche lange Autofahrten zum Meer oder in die Berge. Alles das gehört zum Sommer. Die entscheidende Frage wäre dann doch nach so manchen großen Strapazen: Bin ich nun glücklich? Habe ich das gefunden, wonach ich gesucht habe?

Im Nachhinein stelle ich fest, dass ein großer Aufwand an Energie nötig ist, um den Alltag für einige Tage hinter sich zu lassen.

Keinen Termin, einfach die Schönheit der neuen Umgebung zu genießen.

Und doch: Im Herzen bleibt eine gewisse ungestillte Sehnsucht. Eine Unruhe, die nicht so recht zu beschreiben ist. Diese innere Unruhe, so glauben viele, könnte man durch Kauflust befriedigen. Manche meinen, der Berg oder das Meer wäre der richtige Platz, um diese Unruhe zu besänftigen. Dazu kommt, dass große Wirtschaftzweige Alternativen anbieten, um sportlich das Glück zu erhaschen.

Da kommt mir der Hl. Augustinus in den Sinn, der sagt: „Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in Dir.“

Jesus sagt: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28)

Diese Ruhe wünsche ich mir und allen, die diesen Weg in Jesu Namen gehen wollen.

Geistliches Wort - 38./39. KW 2015 - von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Fernpass in beiden Richtungen gesperrt

Erst schon zu spät weggekommen und dann das noch: Stau am Fernpass. Nichts geht mehr. Dass auch ich mal im Radio vorkomme, als im Verkehrsfunk „mein“ Stau vermeldet wird, tröstet wenig. Auch den Vorschlag der Mehlprimeln*, ein weiter vorne im Stau stehendes Auto zu kaufen, um so einige Plätze gut zu machen, verwerfe ich. Es ist einfach zutiefst ungerecht: Ich, der ich mein Auto nur fürs Nötigste nutze, habe diesen Stau schon zweimal nicht verdient. Zeitverlust, Stillstand, alle Planungen über den Haufen geworfen, es nervt. Ich vergesse fast den schweren Unfall, der die Vollsperrung und den Stau verursacht hat.

Geistliches Wort - 36./37. KW 2015 - von Hans Reich, Betriebsseelsorge Allgäu

"Menschen auf der Flucht - Flüchtlinge bei uns"

Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35)

Die Fremden und Obdachlosen sind für uns heute vor allem die Flüchtlinge und Asylsuchenden, die zurzeit wieder vermehrt bei uns Aufnahme suchen. Krieg, Bürgerkrieg, Terror, Menschenrechtsverletzungen, Hunger, ethnische Vertreibung, politische, religiöse, geschlechtsspezifische Verfolgung, Trockenheit, Umweltkatastrophen und mangelnde Lebensperspektiven führen dazu, dass sich Menschen auf eine oft lebensbedrohliche Flucht begeben.

Flüchtlinge und Asylsuchende sind Menschen in Not – die unser Verständnis und unsere Hilfe brauchen. Es gehört zum christlichen Selbstverständnis, Menschen aufzunehmen und ihnen zu helfen, wenn sie in Not geraten sind und zwar unabhängig von ihrer Religion und ihrer Herkunft. Deutschlandweit sind daher unzählige katholische Gemeinden, Gruppen und Verbände für Flüchtlinge im Einsatz. „Als Christen sind wir berufen, hier ein deutliches Zeichen zu setzen: Wer gegen Flüchtlinge, Fremde, Migranten und Menschen anderer Hautfarbe hetzt, der hat die Kirche gegen sich“, so Bischof Norbert Trelle, Bistum Hildesheim und Migrationsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz.

Wenn in Deutschland Flüchtlingsheime brennen und Menschen rechtsradikale Parolen gegen Flüchtlinge schreien, dann macht das Angst und muss uns abgrundtief beschäumen. Andererseits macht es Mut, dass in unserem Land immer mehr Menschen bemüht sind zu helfen, wo es nur geht. Diese Aufgabe haben sich immer mehr Pfarrgemeinden, katholische Verbände und soziale Dienste in ganz Deutschland auf die Fahne geschrieben.

Die Flüchtlinge und ihre Schicksale dürfen uns Christen nicht kalt lassen. Für Christen muss klar sei, dass die Sorge um die Schwächsten, um die Fremden und die Flüchtlinge zum Kern unseres Christseins gehören. Denn die Worte Jesu gelten damals wie heute klar und deutlich: "Ich war fremd und obdachlos – und ihr habt mich aufgenommen."

Gebet:

Herr Jesus Christus, gib uns die Kraft und den Mut, gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus einzutreten und in unserem Dienst an Flüchtlingen, Asylsuchenden, Migranten und den Opfern von Gewalt und Vertreibung, Deinen Willen zu tun und am Kommen Deines Reiches mitzuwirken. Mache uns zu guten Samaritern, zu Botinnen und Boten Deiner heilenden Liebe. Amen.

Hans Reich

Betriebsseelsorge Allgäu
z.Z. freigestellt für die Bayerische Regional-KODA

Text als PDF-Datei zum runterladen und ausdrucken.

 

 

Geistliches Wort - 34./35. KW 2015 - von Gemeindereferentin Regina Wühr, Geistliche Begleiterin der KAB Diözese Augsburg

Sommerloch

Was ist ein Sommerloch? Synonym für dünne Sommerzeitungen ohne skandalöse Meldungen, für nur im Sommer verkehrsberuhigte Innenstädte (weil im wahrsten Sinn des Wortes viele ausgeflogen sind), für die gähnende Leere im (Arbeits-)Terminkalender, gar für ein Langeweile - Loch, in das man hineinfallen kann, wenn die hektische Lebensart für kurze Zeit eine andere wird?

Sommerloch könnte aber auch heißen:

Jetzt habe ich endlich Zeit zum Nichtstun. Denn: In einem Loch ist zunächst einmal nichts drin!

Das bedeutet nicht, dass im Nichtstun nichts geschieht; im Gegenteil: Körper, Seele und Geist kommen zur Ruhe und erholen sich. Die zum Menschsein gehörende Erfahrung, dass Erholungszeiten wichtig, ja „heilig“ sind, spiegelt sich in der Bibel am Ende der ersten Schöpfungserzählung wider, nach der sogar Gott ruht: „Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig; denn an ihm ruhte Gott und erklärte ihn für heilig, nachdem er das ganze Werk der Schöpfung vollendet hatte“. (Gen 2,3) Sommerliche Urlaubstage können also als eine lange Aneinanderreihung von siebten, gesegneten (!) Tagen gesehen werden.

Und wenn ich die Muße zum gesegneten, von Gott geheiligten (Aus-) Ruhen habe, dann kann mich auch wieder „die Muse küssen“, dann füllen sich meine Batterien auf und die kreativen Kräfte kommen wieder.

So betrachtet, kann das Sommerloch zum Füllhorn werden:

Jetzt habe ich endlich Zeit für, Zeit zum…
(Setzen Sie hier ein, was Ihnen in den Sinn kommt)

Ich wünsche Ihnen eine gute Erholung und viel Freude beim kreativen „Nichtstun“!

Geistliches Wort - 32./33. KW 2015 von Ewald Lorenz-Haggenmüller, Betriebsseelsorge Allgäu

wie auch wir nachgelassen haben unseren Schuldnern“ (Mt 9,12)*

Mit jedem „Vater unser“ bitten wir aufs Neue um Verständnis, Demut und auch „Nachlass“ gegenüber den Mitmenschen, die in unserer Schuld stehen, die uns etwas schuldig geblieben sind oder sogar immer bleiben müssen. Nicht mehr Gleiches mit Gleichem vergelten, nicht mehr nachtreten auf den anderen, wenn er geschwächt schon am Boden liegt, auch mal nachgeben können und auf harte Reaktionen verzichten. Barmherzigkeit und Solidarität sind Tugenden des Christen, die dann einsetzen, wenn es dem Anderen nicht gut geht.

Was uns die Politik – im Grunde als Erfüllungsgehilfe der Finanzlobby – dar- und den Griechen angeboten hat, war einer Gemeinschaft von Menschen unwürdig, die immer dann, wenn sie bedroht ist, von ihren christlichen Wurzeln spricht, welche es zu verteidigen gilt. Aber diese auch praktisch (vor-) zu leben, ist offensichtlich nicht mehr wichtig.

Die Ergebnisse der monatelangen Verhandlungs-Show mit waren mehr von Vergeltungs- und Rachegedanken geprägt, denn von dem Wunsch und Willen, dem finanziell in die Sackgasse geratenen Griechenland Hilfen anzubieten, aus eigener Kraft wieder Anschluss an die Standards in der Europäischen Gemeinschaft zu erreichen. Und die Mehrheit in unserem Land stellte sich hinter die nicht überprüften Vorurteile von den faulen, unordentlichen, nicht richtig wirtschaften wollenden Südländern.

Grexcurs statt Grexit (Griechenland besuchen statt Griechenland rauswerfen)

Die großen Ferien sind Haupturlaubszeit. Die meisten verreisen zumindest für ein paar Tage, um sich vom Alltag zu erholen und Kraft fürs nächste Jahr zu tanken. Wer dabei Griechenland besucht, bringt dem gebeutelten Land Geld im Tausch für erhaltene Dienstleistungen. Und erlebt vielleicht auch Menschen und ein Volk, das im Verständnis von Barmherzigkeit des Nachlasses von Schulden bedarf und nicht der mildtätigen Finanzhilfen, die vor allem an die Geber zurückfließen.

Wer aber Griechenland nicht besuchen – und so unterstützen – kann, bittet einfach weiterhin und setzt sich politisch dafür ein, dass auch wir „nachlassen können unsern Schuldnern“.

*Vater unser-Bitte in der Übersetzung von Fridolin Stier

Geistliches Wort - 30./31. KW 2015 von Pastoralreferent Christian Dorn, Betriebsseelsorge Allgäu

Du hast mich mit Freude umgürtet“ (Ps 30,12)

Mit diesem Vers aus dem Buch der Psalmen war in diesem Jahr das Bergwochen­ende für Arbeitnehmervertreter überschrieben, von dem schon im letzten Geistlichen Wort die Rede war. Ist es passend, dieses Wort Freude bei einer solchen Veranstaltung in den Mittelpunkt zu stellen? Sind doch Betriebsräte, Personalräte und Mitarbeiter­vertreter zum einen mit der meist freudlosen Materie des Arbeitsrechts befasst und zum anderen in den Betrieben und Einrichtungen beinahe täglich mit Konflikten und Kolleginnen und Kollegen in belasteten Situationen konfrontiert. Sollte man es da mit der Volksweisheit probieren: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“?
Schauen wir noch einmal – dieses Mal etwas genauer – in den Psalm. Auch dort ist nicht nur von der Freude die Rede. Vielmehr spricht der Beter von zwei gegensätz­lichen Wirklichkeiten. Er war in tiefer Not und ist nun gerettet. Er wurde aus der Schar der Todgeweihten zum Leben gerufen. Und die eine Seite kennen wir als Menschen recht gut. Es gibt vieles, was für uns Anlass zum Weinen und Klagen ist. Und da wollen wir doch schon gerne wissen, weshalb der Beter des Psalms in Vers 12 plötzlich feststellt: „Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet.“
Den Schlüssel zu diesem zunächst unerklärlichen Umschwung finde ich in Vers 7: „Im sicheren Glück dachte ich einst: Ich werde niemals wanken.“ Gedacht hat er das, doch die Wirklichkeit war eine andere. Hier beschreibt er sich in seiner Selbstsicherheit, die ihn glauben ließ, alles selbst in Händen zu halten. Und wenn es dann doch anders kommt, mag man an sich selbst verzweifeln. Damit trifft er uns moderne Menschen recht gut. Gerade engagierte Menschen stehen in Gefahr, sich selbst zu viel aufzu­laden und im Falle des Scheiterns an sich zu verzweifeln oder zu verbittern. Dem Beter des Psalms 30 geht dagegen etwas auf: es hängt nicht alles von mir ab, ich kann und muss gar nicht alles selber leisten und ein Scheitern muss ich nicht auf meinen Schultern abladen. Mein Leben habe ich mir auch nicht selbst gegeben, es ist Geschenk, Gabe, ja es ist ein Wunder. Und so begegne ich diesem Leben mit der Haltung der Dankbarkeit und Freude ist ein Ausdruck dieser Dankbarkeit. Diese Freude, mit der sich der Beter umgürtet erfährt, ist also nicht die Freude über ein einzelnes gelingendes Projekt, sondern eine Grundhaltung, mit der er durchs Leben geht. Und solche Freude wird wieder zur Kraft. Ganz ähnlich wie es Dietrich Bonhoeffer für die Haltung des Optimismus formuliert hat: „Optimismus ist in seinem Wesen keine Ansicht über die gegenwärtige Situation, sondern es ist eine Lebenskraft, eine Kraft der Hoffnung, wo andere resignierten, eine Kraft, den Kopf hochzuhalten, wenn alles fehlzuschlagen scheint, eine Kraft, Rückschläge zu ertragen, eine Kraft, die die Zukunft niemals dem Gegner lässt, sondern sie für sich in Anspruch nimmt.“

Geistliches Wort - 28./29. KW 2015 von Pastoralreferent Andreas Kohl, Betriebsseelsorge Weilheim

Lob der kleinen Dinge

Es war heiß an diesem Wochenende. Die Sonne brannte herunter als wir zu vierzehnt zum Gipfel des Gaishorns in den Allgäuer Bergen hinaufstiegen. So fest wie heuer mussten wir noch nie auf unserer Betriebsräte-Bergtour schwitzen. Droben am Gipfel dann die Entschädigung für all die Mühen: Ein traumhafter Rundumblick auf die grandiose Bergkulisse, ein paar Sitzplätze im Schatten des Gipfelkreuzes, ein kräftiger Schluck aus der Wasserflasche. Gurkenscheiben und Paprika-Streifen werden herumgereicht. Alle sitzen nur da, schauen, genießen Aussicht und Brotzeit und freuen sich über das gemeinsam Geschaffte.

Momente wie dieser sind kostbar – zeigen sie mir doch: Oft sind es einfache Dinge – ein Schattenplatz, ein schöner Ausblick, das Erleben von Gemeinschaft – die mich froh machen können.

Ähnliche Erfahrungen durften wir an diesen zwei Tagen immer wieder machen: Beim ersten Schluck Radler auf der Hütte, beim erfrischenden Bad im Bergsee oder wenn auf dem Weg nach oben plötzlich ein wohltuendes, kühles Lüftchen aufkam.

All das sind kleine, unspektakuläre Dinge, die mir – einfach so – geschenkt sind, für die ich dankbar sein darf.

Das meint wohl auch Papst Franziskus, wenn er in seinem neuen Schreiben „Laudato si“ zu einer „gesunden Demut und einer zufriedenen Genügsamkeit“ aufruft: „Die christliche Spiritualität regt zu einem Wachstum mit Mäßigkeit an und zu einer Fähigkeit, mit dem Wenigen froh zu sein. Es ist eine Rückkehr zu der Einfachheit, die uns erlaubt innezuhalten, um das Kleine zu würdigen, dankbar zu sein für die Möglichkeiten, die das Leben bietet…“ (Nr. 222).

Geistliches Wort - 26./27. KW 2015 von Ulrich Hoffmann, Geistl.Begleiter im KAB-Kreisverband Iller-Donau

Ansteckend christlich

Das Christentum hat sich in den ersten Jahrhunderten nicht so sehr durch die großen Missionspredigten auf den Marktplätzen der damals bekannten Welt ausgebreitet, sondern viel mehr durch eine andauernde „Mikrokommunikation“. „Mikrokommunikation“, das  ist eine „Kommunikation im Kleinen“, Mund-zu-Mund-Propaganda. Eben das, was an christlichen Botschaften von Nachbar zu Nachbar, von Freund zur Freundin, von Ehefrau zu Ehemann, von Eltern zu Kindern und umgekehrt weitergegeben wurde.

Dabei ging es dann wohl auch gar nicht um großartige Theologien und geistreiche Themen, denn der große Schriftsteller und Theologe Tertullian beklagt am Ende des 2. Jahrhunderts „Niemand möchte unsere gelehrten Schriften lesen“ --- und das wird heute immer noch so ähnlich sein.

Nein, die Menschen hatten ganz andere Fragen. Zum Beispiel: Was ist mit einem, der stirbt? Ist es aus mit ihm? Oder: Wie könnt ihr an einen glauben, der wie ein Verbrecher an einem Kreuz gestorben ist? Wie kann so einer ein Erlöser sein? Kann Gott denn so dumm sein, dass er aus seinem sicheren Himmel aussteigt – und ein Mensch wird?
Oder auch: wie kann Leben gelingen? Wie kann Gemeinschaft wachsen und Verlässlichkeit, Treue, Geborgenheit?
Und wenn die Christen dann auf solche Fragen Antworten geben konnten, die glaubwürdig und positiv waren, dann gaben sie damit anderen Menschen Anlass zum Nachdenken. Und dann konnten sie sie auch gewinnen.

Aber da ist auch noch ein Zweites, was vielleicht noch wichtiger war: An diesen Christen konnte man Dinge entdecken, die sehr ungewöhnlich - und die gerade deshalb so gewinnend waren: Die auffällige Sorge der Gemeinde für ihre Armen und Kranken; der Respekt gegenüber den Toten; der barmherzige Umgang mit den Schwachen; das Eintreten für andere; und nicht zuletzt dieser Tisch beim Mahl, an dem nicht nur die Reichen und Angesehenen einen Platz hatten, sondern auch die Sklaven, die Flüchtlinge, die „kleinen Leute“. 

All das ohne großes Aufsehen, ohne große Worte, sondern ganz einfach durch das Leben, durch das Beispiel im Alltag. Das war es, was überzeugte und ansteckte. Mission im eigentlichen Sinne des Wortes:  Andere mitgehen lassen auf den eigenen Wegen. Einen anderen teilhaben lassen an der Art und Weise wie ich in meinem Alltag mit meinem Problemen, mit meinen Begrenztheiten und Fehlern, mit meinen Mitmenschen und mit meinem Gott umgehe. Das gelebte Zeugnis nicht nur am Sonntag – sondern vor allem im ganz normalen Alltag.

Der Glaube kommt nämlich nicht aus Büchern, sondern der kommt immer auf zwei Beinen daher: Durch Menschen, die mich einladen „Komm und sieh!“, schau wie ich es mache - und die dann nicht tun, als wären sie besser als die anderen, sondern die sich nicht schämen, wenn ihr Glaube auch mal schwach ist, die sich nicht verstecken, wenn ihre Caritas und Nächstenliebe auch mal mühsam sind, sondern die wissen, dass sie auch in ihren Tiefzeiten von Gott getragen und geliebt sind - und die deshalb nicht aufgeben und verzweifeln, sondern immer wieder neu aufstehen und anfangen. Menschen, die so ehrlich sein können um zuzugeben, dass sie sich nicht auf ihre Verdienste berufen können, sondern ganz allein auf die Liebe Gottes - auf den, der aus ihren kleinen bescheidenen Anfängen Großes entstehen lassen kann.

Geistliches Wort - 24./25. KW 2015 von Peter Ziegler, KAB-Diözesansekretär

Was Manager von Maria Knotenlöserin lernen könnten…

Es ist spannend: wenn man im Internet nach Zitaten oder Aphorismen zum Thema „Knoten“ sucht, findet man in erster Linie die tragende, verbindende Komponente des Symbols. Wenn man andere Menschen fragt, dann stehen die negativen Aspekte im Mittelpunkt: Verknotungen als Behinderungen dafür, dass etwas „flutscht“.

Mich interessiert in diesem Zusammenhang viel mehr, wie Menschen mit den Knoten umgehen: da gibt es Alexander den Großen, der sich nicht lange damit aufgehalten hat, die Windungen des Knotens auseinanderzuzerren, sondern einfach das Schwert angesetzt und ihn durchschlagen hat. Dies wird immer wieder als Tatkraft und Cleverness beschrieben, dabei wird aber in meinen Augen übersehen, dass er damit das Seil unbrauchbar gemacht hat, eben weil er es in Stücke geschlagen hat. Das erleben wir auch immer wieder in den Firmen und Unternehmen, dass ein „tatkräftiger“ Berater oder neuer Manager sich nicht lange mit den Problemen auseinandersetzen möchte, sondern quasi im Handstreich eine neue Struktur verordnet, bei der dann oftmals viele Menschen auf der Strecke bleiben.

Ganz anders geht da Maria auf dem uns allen bekannten Bild in St. Peter am Perlach vor: ganz vorsichtig und ohne Zeitdruck geht sie den Knoten und damit den Sorgen der Menschen auf den Grund. Gelassen und der Zeit entrückt konzentriert sie sich ganz auf diesen einen Knoten, alles andere verliert seine Bedeutung. Sie geht nicht leichtfertig über die kleinen Knoten hinweg, sondern nimmt jeden einzelnen ernst. Das ist es auch, was die Menschen aller Zeiten so fasziniert hat an dem Bild. Vielleicht wäre es an der Zeit, es verstärkt in der Managerausbildung zum Einsatz zu bringen…

 

Geistliches Wort - 22./23. KW 2015 von Pastoralreferent Hans Gilg, Betriebsseelsorge Augsburg

Gratwanderung

Der Blick nach allen Seiten offen.
Ausgesetzt der Schönheit der Natur.
Ausgesetzt – auch der Gefahr.
Es tut gut, den kleinen Trampelpfad zu entdecken,
der mir Orientierung und auch ein bisschen Halt gibt.

Ein Bild für Gott?
Er lädt mich immer wieder ein seinem Weg zu folgen.
Unscheinbar und unaufdringlich ist sein Weg –
und doch kann er Halt und Richtung geben.
Und - gehen darf ich ihn selbst – angetrieben
von seinem Heiligen Geist.

Geistliches Wort - 20./21. KW 2015 von Pastoralreferentin Martina Berndt-Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn,

Die Arbeit ins Gebet nehmen….

  • Sehen mit den Augen Gottes
  • Urteilen nach den Maßstäben des Evangeliums
  • Handeln wie Jesus gehandelt hätte…

…so ein Leitgedanke unserer Arbeit in CAJ, KAB und Betriebsseelsorge.

In all unserem Engagement um gute Arbeitsbedingungen, sichere Arbeitsplätze, mehr Gerechtigkeit oder Mitbestimmung im Betrieb versuchen wir immer wieder aufs Neue  Glauben mit dem Leben zu verbinden-  dazu gehört auch, die Menschen in der Arbeitswelt mit ins Gebet zu nehmen.

So möchte ich uns in diesen Tagen besonders ans Herz legen….

  • Alle, die in Tarifauseinandersetzungen, um gute  und tragbare Abschlüsse  ringen
  • Alle, die unter betrieblichen Konfliktsituationen leiden
  • Alle, die sich in Betriebs- oder Personalräten und Mitarbeitervertretungen verantwortungsvoll für Kolleginnen und Kollegen einsetzen wollen
  • Alle, die als Migranten bei uns eine fair bezahlte und gute Arbeit suchen
  • Alle, die durch körperliche oder psychische Belastungen an der Grenze Ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten
  • Alle, die Angst vor dem nächsten Arbeitstag haben

Herr Jesus Christus, Dein Reich komme in die Fabriken, die Werkstätten, die Büros und in unsere Häuser! Amen

 

 

Geistliches Wort 18./19. KW 2015 - Diakon Erwin Helmer, KAB-Diözesanpräses

MAIPREDIGT - zum Tag der Arbeit

von KAB-Diözesanpräses Erwin Helmer, Augsburg

Liebe Leser/innen des Geistlichen Worts,

Am 3.Ostersonntag lesen wir im Evangelium:

Der bezahlte Knecht aber lässt seine Schafe im Stich“.

Er ist kein Hirt, kein wirklicher Leiter, kein echter Verantwortlicher, kein Vorsitzender, keine wirkliche Führungskraft.

Wer fällt Ihnen dazu ein?

Wer lässt sich bezahlen und lässt sich sein Gewissen und seine Verantwortung abkaufen?

Mir fallen da immer zwei ein: ICH und die ANDEREN.

  • Wo ICH mir eine Meinung abkaufen lasse,

  • wo ICH mich kaufen lasse,

  • wo ICH nur auf billig, billig schiele,

  • wo ICH gedankenlos einkaufe.

Wir sollten immer erst selbstkritisch auf uns schauen.

Und die Anderen?

Wo und wer sind die bezahlten Knechte? Die bezahlten Mägde?

  • Ich denke an Geldmacher, die für Geld alles machen.

  • An Finanzjongleure, Profitgeier, die Firmen kaufen, um sie mit großem Gewinn weiter zu verkaufen – ohne Rücksicht und Verantwortungsgefühl für oft Hunderte von Familien.

  • Ich denke an Arbeitnehmer, die sich ohne Not für Sonntagszuschläge verkaufen, ihre Gesundheit, ihre Familien, ihre Seele.

  • An gewissenlose Banker, korrupte Politiker.


Der GUTE HIRT aber übernimmt Verantwortung für die Seinen. Er weiß sich in einer großen Aufgabe. Er kennt die Seinen. Er weiß um ihre Bedürfnisse. Er fühlt sich getragen und berufen von Gottes Liebe, von seiner göttlichen Sendung – und übernimmt Verantwortung, ist verlässlich, versteht sich als Leiter und als Diener, absolut treu bis zum Letzten. Übernimmt seine Aufgabe mit Begeisterung und letztem Einsatz.

Der gute Hirt „gibt sein Leben für die Schafe“. Jesus, der Sohn des Zimmermanns, der Gott mitten im Leben, der Mensch, der uns einen Weg gezeigt hat. Ja, der selbst der WEG ist!


Wie ein guter Hirt für viele Menschen, das sind wir immer,

  • wenn wir einander Begegnungen, Austausch, Freundschaft schenken. Wie Jesus, der heute sagt: „Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich“

  • wenn wir durch Vorträge, Bildungsabende, KAB-Gottesdienste, Aktionen die Sensibilität schärfen für die Taten der „bezahlten Knechte“ unserer Tage und klar Stellung beziehen

  • wenn wir uns einsetzen für Familien, soziale Sicherung, für den Sonntag, für Gute Arbeit, für eine menschlichere und liebevolle Welt. Dann sind wir wie Jesus, der sich nicht nur für seine Herde einsetzte, sondern für alle! „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind“.



DANKE für alles Engagement als „gute Hirten und Hirtinnen“, Danke für große und kleine Taten, für Aktionen und gute Gedanken.

Ich bin überzeugt davon, die KAB hat heute ganz neue Chancen. In uns brennt eine Glut, die entflammt werden will. In uns steckt eine Kraft, die ihre Erfüllung sucht. In uns lebt ein Gott, der Mensch werden will. Täglich neu. Tagtäglich. Immer wieder – mit Liebe und Geduld.

1. Die Welt braucht gute Hirten – in der Arbeitswelt!

Sie braucht gute Arbeitskollegen/innen, die Verantwortung übernehmen, die Solidarität leben, liebevoll, treu, kreativ sind. Die Welt braucht eine Bewegung wie die KAB, die Menschenwürde lebt, die die Würde der Arbeit pflegt, gute statt prekäre Arbeit will, gegen Fremdenfeindlichkeit aufsteht und Liebe konkret werden lässt.

2. Christus der gute Hirte will uns nicht als dumme Schäflein, sondern als selbstbewusste Apostel/innen! Wir haben das genialste Menschenbild der Welt! Jeder Mensch ist Abbild Gottes, ist Berufener und Gerufener, ist berufen zu kämpfen für eine menschlichere, gerechte, nachhaltige Welt. Lasst uns immer wieder neu Gruppen bilden – Gerechtigkeitsgruppen, Solidaritätsteams, Aktionsteams.

3. „Die ersten und nächsten Apostel der Arbeit sind Arbeiter/innen selbst.“ Sagt die Soziallehre. Da sind wir gemeint. Machen wir uns immer wieder auf. Hinaus in die Welt, lieber eine „verbeulte Kirche“, die den „Dreck der Straße“ spürt als eine „reine“ aber unfruchtbare Kirche, ganz im Sinne von Papst Franziskus.

4. Die KAB steht in Kooperation mit wunderbar engagierten Menschen, die selbstlos, mutig, profetisch für andere eintreten, in Betriebsräten, in Gewerkschaften, Sozialverbänden, Pfarreien.

5. Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit beteiligen wir uns als KAB und CAJ, als Betriebsseelsorge und als Christen aktiv an den Aktionen zum 1.Mai. „Gewerkschaften sind ein unentbehrliches Element des sozialen Lebens“, sagt die Soziallehre. Papst Franziskus sagt: „Mit Arbeitern spielt man nicht!“


Mischen wir uns ein. Täglich neu - für soziale Gerechtigkeit, für Menschlichkeit und Liebe mitten in der Welt.

Amen.

Geistliches Wort - 16./17. KW 2015 von Diakon Leo Bernhard, Betriebsseelsorge Augsburg

Aufbrechen Aufbruchstimmung

In einem Lied heißt es: "Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen..."

Wer denkt da nicht an Kirschblüten oder Apfelblüten im Frühling? Mit der zunehmenden Sonne beginnt der große Aufbruch, in der Natur ist Aufbruchstimmung.

Ist das nicht eine Sehnsucht im Herzen eines jeden Menschen? Aufbruch bedeutet immer auch neues Leben! Auch in unserer Kirche sehnen wir uns nach Aufbruch. Ich vergleiche unsere Situation mit den Jüngern, die traurig von Jerusalem nach Emmaus nach Hause gingen (Lk 24,13-34).

Sie haben das große Ereignis nicht verstanden. Sie waren in ihrer Trauer so sehr verblendet, dass sie die wesentlichen Dinge nicht erkannten.

Ist diese Geschichte nicht auch eine Geschichte von heute?

Beim Brotbrechen haben sie ihn erkannt und "noch in der selben Nacht brachen sie auf." Noch in der selben Nacht, sozusagen in ihrer Dunkelheit ging ihnen ein Licht auf. Sie machten sich auf den Weg und wurden zu Verkündern der frohen Botschaft: Wir haben den Herrn gesehen!

Ich wünsche mir und allen Lesern diese Aufbruch-Erfahrung: Ein brennendes Herz für Jesus den Auferstandenen!

Geistliches Wort - 14./15. KW 2015 von Diözesanpräses Erwin Helmer, Augsburg

Liebe Leserin, lieber Leser,

eine sinnreiche Karwoche und ein wundervolles Fest der Auferstehung unsres Herrn wünscht

Diözesanpräses Erwin Helmer

"Ihr müsst faszinieren...."
Anweisung für Christen Ostern zu feiern (von Wilhelm Willms)
 
1.Wenn ihr auch die Ordnung der Welt durch dieses Fest nicht stören werdet
so sollte dieses Fest doch wenigstens
in euch und unter euch
ein solches Feuer entzünden
dass durch seinen Widerschein
die Welt der Toten oder richtiger – die Welt des Todes erleuchtet wird – tausend und abertausend Tote!
 
2.Dieses Fest muss ein solches Gewicht haben, dass es die Toten einbezieht
Es muss sie anrühren
Es muss sie auf uns aufmerksam machen
Es muss so schön sein
Dass es unsere Wände durchbricht
Unsere tausend Wände
 
3.Inszeniert ein unvergleichliches Fest
So extrem wie möglich!
Ihr müsst mit allen Mitteln versuchen
Das zu durchbrechen was uns trennt
 
4.Jeder möge aus sich das geheimste
Und tiefste herausholen,
nicht mit Kunstgriffen
Ihr müsst ungewöhnlich gehen
Ungewöhnlich aufeinander zu gehen
Schönste Gesten probieren sie aus
Einer geheimen Quelle aufsteigend
Alles muss anders sein
Wenn ihr dieses Fest feiert
 
5.Ostern ist das Fest der Grenze
Es ist das Fest aller Freiheiten
An diesem Fest dürft ihr euch nicht mehr an die Spielregeln der Gesellschaft gebunden fühlen
Ihr wäret tot wie sollte da
Neues Leben von euch ausgehen
 
6.Übertreibt alles –
Das Geben
Das Nehmen
Das Lachen
Das Weinen
Alles bis zum Äußersten
Ostern ist das Fest des Äußersten
Erst so kommt ihr euch nahe.
 
7.Eure Kleider müssen aus armseligen und ganz kostbaren Stoffresten
zusammengenäht sein
keine modische Schönheit
eine Schönheit die alles übertrifft
die sich in keine der üblichen Ordnungen einreihen lässt
eine neue Schönheit, muss an euch sichtbar werden
 
8.Seid still, dass ihr euch hören könnt
Ganz still
Dass eure Worte nicht aus dem Kehlkopf kommen
Ich weiß nicht woher
Lasst sie entspringen
Vielleicht kommen Worte herüber
Aus dem Bereich eurer Toten
Ultraworte nie Gehörte
 
9.Ihr müsst an den Straßenecken stehen, aufeinander warten
Aufeinander zu gehen
Stehenden Fußes miteinander essen
Alles einbeziehen.
 
10.Ihr müsst faszinieren!
Sonst gebt es auf
Extrem, nur noch extrem
Könnt ihr Ostern feiern
Ostern ist ein Fest des Äußersten
Ihr müsst eine Brunst entfachen
Ihr müsst außerhalb jeglichen Urteils fallen
Ihr müsst über euch hinaus
Ihr müsst Feuer bringen
Ihr müsst brotbrechen
Ihr müsst auferstehn
Ihr müsst aufstehn
 
Aufstand
Gegen alle Wände
Die Menschen von Menschen trennen!

Geistliches Wort 12./13. KW 2015 - von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen – Versuch zu gegebener Zeit

Der Satz ist bekannt. Jesus sagt ihn, so überliefern es die Evangelisten Markus und Matthäus (Mk 10,9; Mt 19,6), über die Ehe von Mann und Frau. Ein Satz, vieldiskutiert angesichts des Scheiterns von Beziehungen und stets zu lesen im Blick auf Jesu Botschaft vom liebenden, befreienden, einen Neuanfang ermöglichenden Gott.

Was Gott verbunden, darf der Mensch nicht trennen. Gilt doch auch so:

Gott – und Mensch; Gottesliebe – und Nächstenliebe; Respekt vor mir – und Respekt vor anderen; Verwurzelung im Verwandten-, Freundeskreis– und Zugehen auf Fremde, Flüchtlinge; Sonntagsruhe – und Werktage; Barmherzigkeit angesichts eigenen Scheiterns – und angesichts des Scheiterns anderer; Vertrauen auf das Angenommensein von Gott – Annehmen anderer in ihrem Sosein; Glaube – und Einsatz für Gerechtigkeit; Kampf – und Kontemplation; Gottesdienst am Sonntag – und Christsein im Alltag:

Was Gott verbunden, darf der Mensch nicht trennen.

All dies immer neu versuchen, zusammenzubringen:

Ist nicht das „ein Fasten, wie ich es liebe“ (Jes 58,6), wirkliches Heil-Fasten?

Auf dass zusammenwächst, was zusammengehört.


Geistliches Wort - 10./11. KW 2015 - von Diakon Erwin Helmer, KAB-Diözesanpräses

Zum „Internationalen Tag des freien Sonntags“ am 3.März

Vor genau 9 Jahren haben wir ihn erfunden und heute wird er sogar europaweit begangen - der „INTERNATIONALE TAG DES FREIEN SONNTAGS“. Der römische Kaiser Konstantin lässt am 3. März des Jahres 321 nach Christus im gesamten Reich durch seine Herolde verkünden: „Alle Richter, Stadtleute und Gewerbetreibenden sollen am verehrungswürdigen Tag der Sonne (dies solis) ruhen.“ Damit galt zum ersten Mal in der Geschichte der Tag der Christen, der Sonntag, als staatlich geschützter arbeitsfreier Tag. Endlich! Nach Jahren der Verfolgung atmeten die Christen auf.

Heute – 1694 Jahre später - erleben wir, wie Geschäftemacher und Lobbyisten zunehmend versuchen, den Sonntag zum Werktag machen. Ohne Not werden ständig neue verkaufsoffene Sonntage eingeführt, Genehmigungen für Sonderöffnungen erteilt und zusätzliche Sonntagsarbeit für Großkonzerne erlaubt. Ein von Sonntagsarbeit Betroffener erzählte mir dieser Tage: „Ich schaff das nicht mehr. Nach 25 Jahren Schichtarbeit will meine Firma jetzt auch noch mehr und mehr Sonntagsarbeit. Einige meiner Kollegen haben schon durchgedreht. Dürfen die denn alles mit uns machen?“ Ich habe daraufhin bereits die Gewerbeaufsicht informiert und bleibe im Gespräch mit dem betroffenen Arbeitnehmer. Außerdem bin ich regelmäßig über die bayerische „Allianz für den freien Sonntag“ mit dem Arbeitsministerium im Gespräch.

Ich denke schon, dass in unserem Land das Bewusstsein für die wahren „Werte“ stark ist. „Ihren Sonntag“ mögen die meisten Menschen nicht missen. Der Sonntag ist für viele der Tag zum Atemholen, der Tag der Ruhe und der Besinnung, der Tag der Familie und der Gemeinschaft, der Tag der Feier des Gottesdienstes und der Auferstehung Jesu Christi. Die beiden Kirchen sagen: „Wer den Sonntag feiert bekennt, Christus ist auferstanden, er lebt.“ Das feiern wir jeden Sonntag. Augustinus nannte den Sonntag das „wöchentliche Osterfest“. Ihn gilt es würdig zu gestalten.

Christus will aber auch, dass wir uns einsetzen - für die von Sonntagsarbeit Betroffenen und für eine menschlichere und gerechtere Welt, jeden Tag neu!

Deshalb finden am 3.März viele Aktionen durch die KAB und mit den Sonntagsallianzen statt: in Augsburg werden wir am 3.März um 16 Uhr ein Großplakat enthüllen, um 18 Uhr den „Stadtlauf für den freien Sonntag“ starten und die bayerische Staatsregierung auffordern, nun die Bundesgerichtsurteile umzusetzen, die die Arbeit in Callcentern, Wettbüros, Bibliotheken, Autowaschanlagen und weiteren Betrieben untersagen werden

Geistliches Wort - 8./9. KW 2015 - von Gemeindereferentin Regina Wühr, Geistl. Begleiterin der KAB

Auf den Blickwinkel kommt es an

Am Aschermittwoch ist alles vorbei…. Wirklich? Was denn?

Welchen Stellenwert hat dieser Tag, der den Beginn der christlichen Fastenzeit markiert, in einer säkularisierten Gesellschaft über den politischen Aschermittwoch oder Aschermittwoch der Künstler hinaus? Fischessen und Frühlingsdiäten sind angesagt, aber sonst?

Muss, wer sich im Gottesdienst das Aschenkreuz mit den Worten „Kehr um und glaub an das Evangelium!“ auflegen lässt, „in Sack und Asche“ gehen eingedenk der Tatsache, dass das Leben endlich ist? Das Leben kein Spaß, der Glaube eine Spaßbremse??

Umkehren: wenn ich das wörtlich nehme, gehe ich den Weg, den ich gekommen bin, zurück und stehe wieder am Ausgangspunkt. Das wäre wahrlich kein Fortschritt; ich würde im Gegenteil auf der Stelle treten und es bliebe alles beim Alten. Umkehren im Sinn des Evangeliums aber bedeutet: „Sinnesänderung“, die eine Verhaltensänderung in meinem Leben zum Guten hin bewirkt.

Wer ehrlich auf sein Leben und auf das, was täglich in der Welt geschieht, schaut, weiß:

Solche Veränderung ist dringend notwendig, wenn wir gut miteinander leben wollen. Geht das überhaupt? Können wir überhaupt aus unseren (schlechten) Gewohnheiten heraus?

Verhaltenspsychologen und Hirnforscher sagen, ja wir können, zumindest in kleinen Schritten, und bestätigen damit, was im Evangelium steht. Allerdings dauere es zwischen sechs und zwölf Wochen, bis ein neues Verhalten eingeübt ist.

Die Fastenzeit dauert 6 1/2 Wochen – es lohnt sich also, einen Vorsatz umzusetzen. Und dann ist am Aschermittwoch nicht alles vorbei, sondern mit dem Aschermittwoch fängt alles erst an.

Am Anfang der Umkehr steht das Nachdenken:

  • Was möchte ich in meinem Leben verändern?
  • Was möchte ich durch mein verändertes Verhalten erreichen?

Und sollte es nicht gleich gelingen: ich kann immer wieder aufs Neue beginnen und Gott mit den Worten eines Liedes um Hilfe bitten: „Und reiß mich aus den alten Gleisen; ich glaube, Herr, dann wird es gut“. Viel Freude beim Ausprobieren nicht nur in der Fastenzeit wünscht Ihnen

Regina Wühr

Geistliches Wort - 6./7. KW 2015 - von Ewald Lorenz-Haggenmüller, Betriebsseelsorger Allgäu

… ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ (Lk, 2,32)

An Lichtmess (2. Februar) wechselten die Dienstboten ihre Stelle. Es war das Ende eines Arbeitsjahres als Angestellte auf den Bauernhöfen, als dort zur Arbeit noch viele Hände gebraucht wurden. Die Mägde und Knechte waren das Proletariat längst vergangener Zeiten. Sie waren befristet angestellt, nicht selten schlecht bezahlt und ganz dem „knechtenden“ oder fürsorglichen Stil ihrer Dienstherren ausgeliefert. Wenig Rechte, viele Pflichten. An Lichtmess gab es den Rest an Geld, mancherorts auch ein paar neue Schuhe und, weil die Arbeit auf dem Feld am 5. Februar begann, sogar drei Tage Urlaub.

Harte Zeiten für die, welche auf Anstellung angewiesen waren, mögen wir heute urteilen. Aber sind wir nicht in den letzten Jahrzehnten wieder dahin zurückgekehrt: Ungesicherte, weil befristete, meist auch noch unzureichend entlohnte Arbeitsverhältnisse, die den Betroffenen ein ähnlich prekäres Leben bescheren wie seinerzeit den Dienstboten.

Lichtmess war – und das hatte bei aller Beschwer auch etwas Positives – die Gelegenheit zur Befreiung. Denn an dem Tag konnte man seinem Ungemach entkommen und in eine neue Stelle wechseln. Ein Lichtblick sozusagen und die jährlich wiederkehrende Chance, seine Lebens- und Arbeitssituation zu verbessern. Der 2. Februar mag sich dafür allein schon vom Verlauf eines Arbeitsjahres angeboten haben, doch wurde über Jahrhunderte mit diesem Tag die Weihnachtszeit abgeschlossen. Lichtmess ist das Fest der Darstellung des Herrn. Dem jüdischen Gesetz nach war der Erstgeborene gottgeweiht und musste 40 Tage nach der Geburt in den Tempel gebracht werden. Das taten auch Maria und Josef. Und dort in Jerusalem erkannte - am Ende seines Lebens - Simeon das Jesuskind als den ihm verheißenen Erlöser und pries Gott für dieses wunderbare Geschenk „…ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“

In diesem Sinn kann das Fest der Darstellung Jesu im Tempel und der Heilssicht des Simeon auch als Hinweis dienen, die Arbeits- und Lebensverhältnisse Benachteiligter, Ausgegrenzter so zu gestalten, dass sie dem Licht und der Herrlichkeit Gottes immer näher kommen.

Geistliches Wort - 4./5. KW 2015 - von Pastoralreferent Christian Dorn, Betriebsseelsorge Allgäu

Die Armen sind im Zentrum des Evangeliums

Am 3. Sonntag im Jahreskreis hören wir im Evangelium einen Satz, den man als Zusammenfassung der Botschaft Jesu verstehen darf: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15) Um diesen Satz dreht sich alles, was der Wanderprediger aus Nazaret während der Zeit seines Wirkens tut und verkündet. Seine Gleichnisse, Geschichten, Erzählungen, ebenso wie seine Zeichen, Wunder und die Mahlgemeinschaften, die er mit vielen Menschen hält, machen etwas von dieser Wirklichkeit spür- und erlebbar. Sie lassen die Menschen ahnen, was es mit dem Reich Gottes – oder mit anderen Worten der Königsherr­schaft Gottes – auf sich hat. Diese Herrschaft ist nämlich so ganz anders als die Menschen dies von den Königen und Fürsten ihrer Zeit kannten. Das Königtum Gottes macht ein zentrales Versprechen: die herrschenden Verhältnisse sind nicht für die Ewigkeit zementiert. Unterdrückung, Armut, Ungerechtigkeit sind keine naturgegebenen Tatsachen, mit denen man sich abfinden muss, sondern von Menschen gemacht und deshalb veränderbar. Und sie sind vor allem nicht im Sinne Gottes. Denn wem gilt dieses Evangelium, diese gute Botschaft? Allen Menschen. Doch im Besonderen denen, die unter den herrschenden Verhältnissen leiden. Die Bibel belegt dies so reich und eindeutig, dass kein Zweifel bestehen kann. Als Beispiel sei Psalm 146 zitiert: „Recht verschafft er den Unterdrückten, den Hungernden gibt er Brot; der Herr befreit die Gefangenen. Der Herr öffnet den Blinden die Augen, er richtet die Gebeugten auf. Der Herr beschützt die Fremden und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht.“ Das ist – kurz gesagt – die Umkehrung der bestehenden Verhältnisse.
Papst Franziskus hat bei seinem Besuch auf den Philippinen auch hier für Klarheit gesorgt, wenn er sagt: „Die Armen sind im Zentrum des Evangeliums, im Herzen. Wenn wir die Armen dem Evangelium entziehen, dann werden wir die ganze Botschaft von Jesus Christus nicht verstehen können.“
Es ist gut, wenn sich die KAB deshalb 2015/16 unter der Überschrift „Gut wirtschaften“ mit der Frage befasst: Was heißt heute, den Armen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen?“


Geistliches Wort - 2./3. KW 2015 - von Pastoralfererent Andreas Kohl, Betriebsseelsorge Weilheim

Arbeitszeit ist Lebenszeit

„Stell dir vor, jeden Morgen stellt dir eine Bank 86.400 EURO auf deinem Konto zur Verfügung. Du kannst den gesamten Betrag an einem Tag ausgeben. Allerdings kannst du nichts sparen - was du nicht ausgegeben hast, verfällt. Aber jeden Morgen, wenn du erwachst, eröffnet dir die Bank ein neues Konto mit neuen 86.400 EURO für den kommenden Tag. Außerdem kann die Bank das Konto jederzeit ohne Vorwarnung schließen. Sie kann sagen: Das Spiel ist aus. Was würdest du tun?

Dieses Spiel ist Realität. Jeder von uns hat so eine magische Bank: die Zeit. Jeden Morgen bekommen wir 86400 Sekunden Leben für den Tag geschenkt. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, für immer verloren. Aber jeden Morgen beginnt sich das Konto neu zu füllen. Was also machst du mit deinen täglichen 86400 Sekunden?"

Den kleinen Text hat mir mal jemand gemailt. Er passt gut an den Anfang eines neuen Jahres, finde ich. Es geht um eine entscheidende Frage des Menschen: Wie will ich die Zeit nutzen, die mir geschenkt wird? Oder noch größer gefragt: Wie will ich leben?

Zwei Drittel unserer wachen und bewussten Zeit verbringen wir Menschen am Arbeitsplatz. Und doch gibt es viele, die sagen: Mein eigentliches Leben findet erst ab Feierabend, in der Freizeit statt. Aber wäre das unterm Strich nicht ein bisschen wenig „eigentliches Leben“?

Arbeitszeit ist Lebenszeit. Leben findet im Hier und Jetzt statt - ob zuhause, in der Arbeit oder sonst wo. Leben kann nicht einfach auf nachher verschoben werden.

Arbeitnehmer erzählen mir oft, dass ihnen ihre Arbeitsbedingungen das Leben schwer machen: Immer mehr Aufgaben müssen in immer kürzerer Zeit erledigt werden. Die Menschen sollen immer flexibler und mobiler arbeiten – das macht Stress und manchmal sogar krank.

Aber wenn ich mich ständig getrieben fühle, wenn ich kaum noch selbst entscheiden kann, was ich wann tue – dann werde ich meine Arbeit kaum noch als wertvoll erleben, und die Zeit, die ich mit ihr verbringe, kommt mir verloren vor.

Das Leben also doch lieber auf den Feierabend verschieben? Nein. Denn das hieße ja, vorschnell auf Lebensqualität für einen Großteil meines Lebens zu verzichten.

Ich staune oft, wie Menschen sich dafür einsetzen, dass Arbeitszeit eben doch eine gute, eine lebenswerte Zeit bleibt. Viele kämpfen auch für bessere Arbeitsbedingungen, oft mit gewerkschaftlicher Unterstützung. Mit ihrem Engagement machen sie den Alltag in den Fabriken und Büros menschlicher und lebenswerter: Der Arbeiter, der dem schwerbehinderten Kollegen an der Maschine nebenan immer wieder aushilft, wenn der nicht mehr nachkommt. Oder der Ausbilder, der viel Geduld für den lernschwächeren Azubi aufbringt.

Beispiele von Menschen in der Arbeitswelt, die einen Teil der ihnen täglich geschenkten Zeit für andere investieren und damit viel Gutes bewirken. Beispiele, die Mut machen.

Am Sonntag nach Heilig Drei König feiert die Kirche das Fest der Taufe des Herrn und damit das Ende der Weihnachtszeit. Christen haben dankbar gefeiert: Gott ist Mensch geworden. In Jesus Christus wurde Gott einer von uns und solidarisierte sich mit uns Menschen, insbesondere mit den Schwachen und an den Rand Gedrängten.

Mir sagt Weihnachten deshalb auch: Ich soll wie Jesus solidarisch mit den Menschen leben, ob im beruflichen oder privaten Alltag, und bereit sein, dafür ein Stück Lebenszeit einzusetzen. Ich glaube: Wenn ich so meine Zeit nütze, die jeden Tag auf meinem Konto eingeht, dann wird das ein großer Gewinn, dann wird die Zeit wertvoll.

 

Archiv 2014

Geistliches Wort - 52./1. KW 2014/15 von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Lästig sein – ein Weihnachtsgruß

„Wie viele Worte sind diesem Wirtschaftssystem lästig geworden!
Es ist lästig, wenn man von Ethik spricht,
es ist lästig, dass man von weltweiter Solidarität spricht,
es ist lästig, wenn man von einer Verteilung der Güter spricht,
es ist lästig, wenn man davon spricht, die Arbeitsplätze zu verteidigen,
es ist lästig, wenn man von der Würde der Schwachen spricht,
es ist lästig, wenn man von einem Gott spricht, der einen Einsatz für Gerechtigkeit fordert.“

(Papst Franziskus, Evangelii gaudium, 203)

Was Papst Franziskus für die großen Zusammenhänge formuliert, lässt sich auf mein Lebensumfeld herunterbrechen:

(Fast) niemand ist gerne lästig.

Lästig sein wird freilich zur Tugend, wenn ein Betriebsrat hartnäckig die Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit einfordert, der Gewerkschaftsvertreter immer wieder tarifvertragliche Regelungen anmahnt, Sonntags-Allianzen jeden Versuch einer weiteren Sonntagsöffnung kritisieren, die KAB sich mit konkreten Vorschlägen für ein solidarisches Leben und Wirtschaften einsetzt, die Kollegin auf anständigen Umgangsformen in der Abteilung besteht.

Lästig sein wird zur Tugend, wenn es um faire Arbeitsbedingungen und die Würde des Menschen geht sowohl in Betrieb, Wirtschaft, Gesellschaft als auch in Kommune, Gemeinde, Nachbarschaft und Familie.

Lästig sein wird da zur Tugend, zu einer Tugend, die Mut verlangt.

Jesus, dessen Geburt wir in diesen Tagen feiern, war vielen lästig. Bereits als kleines Kind, so erzählt es der Evangelist Matthäus, verfolgt ihn König Herodes. Jesus war vielen lästig und dabei ohne Angst vor denen, die seinerzeit das Sagen hatten. Jesus war vielen lästig, weil er diejenigen, die gesellschaftlich ausgegrenzt, unterdrückt, leidend waren zum aufrechten Gang der Gottes-Kinder ermutigt hat.

 

 

Geistliches Wort - 50./51 KW 2014 - von Diakon Erwin Helmer, KAB-Diözesanpräses, Diözesanverband Augsburg

Worauf warten wir noch?Städter erwarten die Straßenbahn.Kinder erwarten Geschenke.Familien warten auf ein schönes Fest.Verkäufer/innen warten auf Weihnachtsfeiertage.Beschäftigte warten auf gute Perspektiven.Und alle warten sie auf Glück, auf Freude, auf Liebe.

Johannes, genannt der Täufer, hat das Glück, die Freude, die Liebe in Person erwartet und vorhergesagt und getauft und gesehen:

Jesus, das Gotteskind. Christus, den Gottessohn.
Seitdem sind alle Menschen berufen und gesandt
vorbehaltlos zu lieben
sich tief zu freuen
immer glücklich zu sein.
Das Warten hat ein glückliches Ende.

Darum geht es, darauf bereiten wir uns vor!
Gemeinsam mit den Kindern, den Familien, den Verkäuferinnen, den sorgenbeladenen Beschäftigten, den Leiharbeitern und mit den Vergessenen unserer Tage.

Geistliches Wort - 48./49. KW 2014 - von Gemeindereferentin Regina Wühr, Geistliche Begleiterin der KAB-Diözese Augsburg

Wachsam bleiben....bis Er am Ende vor der Tür steht

Jetzt boomt es wieder, das Geschäft mit den Advents- und Weihnachtsartikeln, darunter Adventskalender in allen Ausführungen. Im 19. Jahrhundert vor allem entwickelt, um Kindern die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen, sind sie heute auch unter Jugendlichen und Erwachsenen beliebt. An jedem Tag der Adventszeit wird eine Tür/ein Fenster geöffnet. Dahinter zeigt sich die Überraschung, je nach Befüllung Schokolade, ein kleines Geschenk, ein Text, ein Bild. In den letzten Jahren hat sich in vielen Orten der Brauch entwickelt, an öffentlichen Gebäuden die Fenster eines Hauses als großen Adventskalender zu gestalten. Auch wir im KAB-Büro in Augsburg nutzen in dieser Zeit die Fenster unseres Hauses, um die Vorübergehenden mit einem „sozialen Adventskalender" ins Nachdenken zu bringen, worum es im Advent eigentlich geht.

Worum geht es denn? Advent heißt Ankunft. Gemeint ist die Ankunft Gottes in der Geburt Jesu, die Christen an Weihnachten feiern. Zugleich erwarten sie seine Ankunft in ihrem Leben und in dieser Welt. Darauf weist die Adventszeit hin. Adventlich leben würde dann bedeuten, erwartungs- und hoffnungsvoll zu leben – und das nicht nur in der Zeit vor Weihnachten.Das Evangelium vom ersten Adventssonntag zeigt, wie das gehen kann: Jesus rät uns, in unserem Leben wach zu bleiben. Er vergleicht uns mit Dienern, denen ein Mann die Verantwortung für sein Haus übertragen hat, ehe er auf Reisen geht. Dem Türhüter obliegt die Aufgabe, wachsam zu sein, denn: „ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt." (Mt 13, 35)Ja, wir tragen Verantwortung für unser Leben und für die Welt, in der wir leben, damit alle Menschen menschenwürdig in diesem „Welt-Haus" leben können. Es gilt, wachsam zu bleiben und darauf zu achten, wem wir Tür und Tor öffnen, was und wen wir einlassen – bis ER am Ende vor der Tür steht.In diesem Sinn haben die Türen des Adventskalenders durchaus eine reale Beziehung zum Evangelium und zu unserem Leben, vor allem die letzte.Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit!

Regina Wühr

Geistliches Wort - 46./47. KW 2014 - von Ewald Lorenz-Haggenmüller, Betriebsseelsorge Allgäu

Ich geh mit meiner Laterne …

… ist hoffentlich nicht Alles, was von den vielen Martinsumzügen dieser Tage den Kindern in Erinnerung bleibt. Wenn, dann ist ihnen wie uns ist wenigstens eine Begebenheit aus dem Leben des berühmten Heiligen bekannt: Für einen Bettler zerteilt er seinen Mantel und überlässt dem Bedürftigen eine Hälfte.

Der heilige Martin, geboren in Ungarn, viele Jahre römischer Soldat und schließlich Bischof von Tours in Frankreich, wurde über 80 Jahre alt und hat in seinem für damalige Verhältnisse langen Leben sicherlich nicht nur einem Armen aus großer Not geholfen. Einzig damit wäre er nicht zu einem der berühmtesten Heiligen geworden.

Der heilige Martin, geboren in Ungarn, viele Jahre römischer Soldat und schließlich Bischof von Tours in Frankreich, wurde über 80 Jahre alt und hat in seinem für damalige Verhältnisse langen Leben sicherlich nicht nur einem Armen aus großer Not geholfen. Einzig damit wäre er nicht zu einem der berühmtesten Heiligen geworden.

Dass und wie Martin seinen Mantel, der ein besonders schönes und warmes Stück Dienstkleidung gewesen sein dürfte, halbiert und verschenkt hat, ist vorbildlich. Und zwar für alle Zeiten. Und für alle Angelegenheiten. Nicht nur, wenn jemand friert. Dem Mann am Wegrand hätte damals auch schon geholfen, wäre er von Martin an einen warmen Ort gebracht worden.

Der Soldat ist wohl-tätig auf vielerlei Art. Er nimmt An-Teil, teilt sich mit und teilt großzügig. Der Beschenkte wird zum Teil-Habenden. Eine ganze Palette menschlicher Grundbedürfnisse findet sich so in einem einzigen Akt der Zuwendung und Nächstenliebe.

Vom Ganzen – vielleicht sogar vom Einzigen - ein richtig großes Stück abgeben ist verdammt noch mal schwieriger oder scheint gar unmöglich als ein Almosen, eine Spende, ein kleines Teil aus seinem eigenen vielfältigen Besitz. Dem heiligen Martin sei Dank, dass er nicht nur mal eben einen Mantel zerschnitten hat, sondern uns - gleich einer Laterne – ein Licht aufgehen lässt.

Geistliches Wort - 44./45. KW 2014 von Pastoralrefenrent Christian Dorn, Betriebsseelsorger Allgäu

Wir Menschen mögen nur bestehen,

wenn einer dem anderen die Hand reicht


„Unterm Strich zähl ich" – so verkündet es ein Werbespot eines deutschen Finanzinstituts. Und damit ist durchaus eine Haltung getroffen, die in unserer Gesellschaft, in unserem unmittelbaren Umfeld und bei jedem von uns zu entdecken ist. Ich muss doch schauen, wo ich bleibe. Erst mal denk' ich an mich.

Dabei verlieren wir aber häufig aus dem Blick, wie viel jeder Einzelne anderen Menschen verdankt, die neben ihm und vor ihm gelebt haben. Es ist der Grundgedanke der Solidarität, der sehr treffend in der folgenden jüdischen Geschichte zum Ausdruck kommt:

Ein Weiser mit Namen Choni ging einmal über Land und sah einen Mann, der einen Johannisbrotbaum pflanzte. Er blieb bei ihm stehen und sah ihm zu und fragte: „Wann wird das Bäumchen wohl Früchte tragen?" Der Mann erwiderte: „In siebzig Jahren." Da sprach der Weise: „Du Tor!" Denkst du in siebzig Jahren noch zu leben und die Früchte deiner Arbeit zu genießen? Pflanze lieber einen Baum, der früher Früchte trägt, dass du dich ihrer erfreust in deinem Leben."

Der Mann aber hatte sein Werk vollendet und sah freudig darauf, und er antwortete: „Rabbi, als ich zu Welt kam, da fand ich Johannisbrotbäume und aß von ihnen, ohne dass ich sie gepflanzt hatte, denn das hatten meine Väter getan. Habe ich nun genossen, wo ich nicht gearbeitet habe, so will ich einen Baum pflanzen für meine Kinder oder Enkel, dass sie davon genießen.
Wir Menschen mögen nur bestehen, wenn einer dem anderen die Hand reicht."

Geistl. Wort - 42./43. KW 2014 von Pastoralreferent Andreas Kohl, Betriebsseelsorger Weilheim

„Du füllst mir reichlich den Becher" (Ps 23,5)

Wer in diesen Wochen vielleicht im Fränkischen oder auch entlang von Rhein oder Mosel unterwegs ist, dem wird das geschäftige Treiben an den Weinberghängen nicht entgehen: Der Oktober ist Weinlesezeit. Bis Ende des Monats wird der Großteil der Trauben geerntet sein.

In der Bibel ist der Wein immer auch ein Zeichen der Lebensfreude, der Lebensfülle, des Überflusses. Der Wein ist zum Genießen da, der Wein wird verkostet.

„Du füllst mir reichlich den Becher": In diesem Vers im Psalm 23 ist auch von Gottes Großzügigkeit die Rede.
Wir hören heute viel von Spar-Runden, Spar-Paketen und Spar-Zwängen. Sparen wird im Bereich der Wirtschaft und Politik - gerade auch von unserer Bundesregierung - zur hohen Tugend erklärt („Sparen heißt das Gebot der Stunde").

Großzügig oder gar verschwenderisch sein, mutet da eher unpassend, ja geradezu ungehörig an.
Und doch: Verschwenderisches Schenken bzw. Sich-Verschenken (an andere/für andere) ist eine zentrale Tugend unseres Glaubens, die auch in der Bibel immer wieder hervorgehoben wird.

„Du füllst mir reichlich den Becher" – Wir Christen glauben an einen großzügigen, in seiner Liebe geradezu verschwenderischen Gott. Einen Gott, der nicht knausrig rechnet, sondern der wie ein freigiebiger Gastgeber zum Festmahl einlädt oder wie ein liebender Vater gerne verzeiht.

Eine Schriftstelle, die uns etwas über Jesu Einstellung zum Schenken sagen kann, ist die Erzählung von der Salbung in Betanien (Mk 14,3-9):
Hier lobt Jesus die verschwenderische Tat der Frau, die teures Öl über sein Haar ausgoss, weil sie aus Liebe gehandelt hat.
Den Einwand der anderen Gäste kann man ja nachvollziehen, man hätte das Öl auch verkaufen und das Geld den Armen geben können. Aber Jesus macht deutlich: Wer aus tiefstem Herzen liebt, der rechnet nicht. Denn Liebe ist nur dann echt und überzeugend, wenn sie frei ist von Kalkül und Berechnung.

Frage ich mich selber:
- Worin bin ich großzügig, verschwenderisch?
- Wo habe ich selber schon Großzügigkeit erfahren dürfen?

Verschwenden und Sparen – solange die Liebe das zentrale Motiv unseres Handelns bleibt, werden wir wissen, was wann und wo angesagt ist.

Foto: Andreas Kohl

Geistliches Wort - 40./41. KW 2014 von Ewald Lorenz-Haggenmüller, Betriebsseelsorge Allgäu

Michael, Raphael, Gabriel …. alle(s) Erzengel oder was?

Wie viele es gibt und ob es sie gibt, ich weiß es nicht. Bis in den Himmel reicht das, was wir nachweisen können, einfach nicht hinein. Daher bleibt mir nur, zu nehmen, was ich über die Engel gehört, gesehen, gelesen oder gesungen habe und welches Bild von ihnenas vielfältige Wirken Gottes; jeder Engel so etwas wie ein kleines Stück Abbild von ihm.
Michael („wer ist wie Gott?“) ist der Anführer allen Kampfes gegen das Böse. Gewalt, Leid, Krieg, Vertreibung oder Ungerechtigkeit und Unterdrückung sind so mannigfaltig, dass ich mich gerne in den Dienst nehmen lasse, an der ein oder anderen Stelle etwas dagegen zu tun.

Gabriel („Gott ist mein Held“) ist der Bote, der Mittler, der Vermittler von Gott zu uns Menschen. Was ich als Auftrag Gottes, als seinen Dienst und seinen Willen erkennen kann und danach handeln will, wird mir durch Botinnen und Boten auf vielfältigste Art übermittelt.
Raphael („Gott heilt) ist der aufmerksame Begleiter auf meiner irdischen Pilgerschaft, heilsam bei Krankheiten ebenso wie in Beziehungen. Das gibt mir ein Stück von dem Trost, dass Gott in erster Linie an meinem Heil gelegen ist.
Früher waren die Namenstage der drei bekanntesten Erzengel übers Jahr verteilt, jetzt feiern alle, die so heißen, ihren Namenspatron am 29. September. Schade, dachte ich schon mal, warum musste auf einen einzigen Tag zusammengezogen werden, was wir doch eigentlich tagaus, tagein vonnöten haben. Das Böse bekämpfen, den Menschen wichtige Botschaften vermitteln und Heilen, ist für mich jeden Tag aufs Neue eine persönliche Herausforderung und Aufgabe.
Und darum denke ich an die (Erz-)Engel – vor allem aber an das, was sie symbolisieren und mir auftragen – nicht nur am vorletzten Tag im September.
Michael, Gabriel, Raphael und all ihr Engel des Himmels, steht mir bei alle Tage meines Lebens.

Photo: Herbert Fitzka

Geistliches Wort - 38./39. KW 2014 von Pastoralreferentin Martina Berndt-Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Menschen sind Worte....

Im Urlaub entdeckten wir in den Dörfern und Städtchen des Vinschgaus immer wieder uralte Kirchen, die uns durch anschauliche Fresken biblische Szenen und Geschichten ohne viel Worte erzählten, ja fast greifbar nahe brachten. Staunend standen wir vor gemalten Engeln, Aposteln, Johannes dem Täufer oder Gottes Weltgericht - die "Lesebücher" einer Zeit, als echte Bücher eine  Rarität waren und kaum ein Mensch lesen konnte.

Anders als damals  werden wir heute oft überschwemmt von Nachrichten, Texten, Werbeslogans und Schlagzeilen. Ohne all die Zeitschriften, Werbeblätter, Mails, Nachrichten-Apps oder sonstige  Sondernachrichten jeder Form ist unsere heutige Welt nicht mehr vorstellbar. „Wer in den Medien nicht vorkommt, den gibt es nicht!" – so ein Fachmann aus dieser Branche.

Welche Chance haben da noch Werte wie Gerechtigkeit, Menschenwürde, kollegiales Miteinander, gegenseitige  Achtsamkeit, Solidarität oder gelebte Nächstenliebe?

„Menschen sind Worte, mit denen Gott seine Geschichte erzählt" (E.Schillebeeck) – dieser Satz macht mir Mut. Der  geduldige Kollege an der Maschine neben mir, die ermutigende Kollegin am Schreibtisch gegenüber, der aufmerksame Betriebsrat, die  freundliche Mitarbeiterin bei meinem Hausarzt, die hilfsbereite Frau am Bahnhof, der herzliche Nachbar von nebenan sind sie nicht alle kleine oder größere Worte, die von Gott und seiner Menschenliebe erzählen? Sind sie nicht alle Bilder, die die Werte und Geschichten der Bibel ohne viele Worte ins heute  übersetzen, ja den Menschen greifbar nahe bringen?

Nach dem Urlaub noch einmal ein neuer Start- nicht nur mit vielen Terminen und Veranstaltungen, sondern auch  mit der Chance, als CAJ, KAB und Betriebsseelsorge „Worte zu sein, mit denen Gott seine Geschichte erzählt"

Geistliches Wort - 36./37. KW 2014 von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Ich habe nichts gegen Ausländer

„Ich habe nichts gegen Ausländer, aber ein Deutscher kriegt nicht, was denen reingeschoben wird."
„Ich habe nichts gegen Ausländer, aber wir können uns nicht ein so großes Auto leisten."
„Ich habe nichts gegen Asylanten, aber die lungern nur herum und machen Krach bis tief in die Nacht. Da traut sich nicht mal die Polizei rein."
„Ich habe nichts gegen Ausländer, aber Deutsch sollten sie schon können und sich so benehmen, wie das in Deutschland nun mal üblich ist."
Sätze, die ich so aus dem Mund von KAB'lerinnen und KAB'lern kenne: Von KAB'lerinnen und KAB'lern, die oft selbst mit schwierigen Situationen in der Arbeit und der Familie zu kämpfen haben. Diese Sätze machen mich traurig und ohnmächtig zugleich. Ich merke, dass meine Versuche, nicht alles zu rechtfertigen, aber doch Verständnis zu wecken, Argumente ins Feld zu führen, verpuffen. Die Tiefe, aus der diese Sätze hochkommen, erreiche ich nicht. Dann heißt es gleich: „Das wird man ja doch mal sagen dürfen." Und dieses Muster wiederholt sich: „Ich habe nichts gegen Muslime, aber ...", „Ich habe nichts gegen Juden, aber ...".
Die diesjährige interkulturelle Woche, an der sich die KAB Neu-Ulm seit Jahrzehnten beteiligt, wirbt für ihr Anliegen unter dem Motto, „Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern", u.a. mit einer Postkarte, die ein japanisches Sprichwort zitiert: „Urteile nicht über Dinge, von denen du nur Echo und Schatten kennst. Und über Menschen erst recht nicht."
Auch so ein Satz. Ein Satz, den der Jude Jesus , meiner Überzeugung nach, unterschrieben hätte; Ein Satz, dem ich die Tiefe wünsche, um sich dort Platz zu schaffen gegen viele andere Sätze, die dort wohnen.
Das hätte doch was!

Geistliches Wort - 34./35. KW 2014 von Gemeindereferentin Regina Wühr, Geistliche Begleiterin der KAB im Bistum Augsburg

"Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.

Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und  habe nicht den Wunsch, freigiebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen. Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen. Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.  Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich."

Bernhard von Clairvaux 1090-1153, Namenstag: 20. August

Dieser Auszug aus dem Schreiben des hl. Bernhard an seinen früheren Schüler, Papst Eugen III., liest sich wie eine Empfehlung zur Vorbeugung von Burnout. Burnout – Ausgebranntsein, eine körperlich-psychische Erschöpfung, die sich einstellt, wenn jemand sich über einen längeren Zeitraum hinweg verausgabt, stark belastet ist und keine Energien mehr sammeln kann.

Bernhards Argumentation ist simpel, aber umso zutreffender: wer nur ausströmt, ist bald leer, „ausgebrannt“ eben; unbeschadet kann nur geben, wer aus der Fülle schöpft. Wenn das nicht (mehr) möglich ist, dann gilt es, sich zu schonen und neue Kräfte zu sammeln.

Das allein ist der Sinn von Freizeit und Urlaubstagen, an unsere Quellen zu gehen und unsere Energiespeicher aufzufüllen. Daher müssen diese Tage absolut frei gehalten werden von Arbeit und Ansprüchen, die uns daran hindern.

Ich wünsche Ihnen eine erholsame zweite Augusthälfte!

Photo: Gertraud Sandherr-Sittmann

Geistliches Wort - 32./33. KW 2014 von Ulrich Hoffmann, Kreispräses Iller-Donau

Zachäus: Gottes Erinnerung - Gotteserinnerung

Die im Lukas-Evangelium überlieferte Geschichte des Zöllners Zachäus gehört bestimmt zu den bekanntesten Geschichten des neuen Testaments. Keiner kann den Grundschul-Religionsunterricht durchlaufen, ohne nicht Zachäus begegnet zu sein. Singspiele und viele neue geistliche Lieder gibt es rund um den kleinen Mann, der so gerne größer wäre, um den vom Volk verachteten Ausbeuter, der plötzlich wie verwandelt ist.

Der Name "Zachäus" hängt zusammen mit dem Namen "Sacharja", so heißt auch ein Prophet im Alten Testament. Der Name bedeutet "Gott hat sich erinnert".
Damit deutet sich schon an, dass die Geschichte außerordentlich Bedeutsames anspricht, ja: die Begegnung Jesu mit dem kleinen Mann im Baum berührt die Mitte der christlichen Existenz. „Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein." Dieser kleine Satz hat es in sich. Hier steht nicht mehr und nicht weniger als der Aufruf zu einer Existenz, die sich ganz in Dienst nehmen lässt – für das Evangelium.
Unter dem liebenden Blick wird Zachäus gewandelt

- vom Zöllner zum Zeugen,
- vom Zuschauer zum Akteur,
- vom heillos Verlorenen zum vom Herrn Geheilten und Gefundenen.

Was Zachäus hier erfährt geht uns alle an: dass wir aufgefordert sind, die Zuschauerränge irgendwo oben im Maulbeerbaum – da, wo wir uns sicher wähnen, da wo wir uns die Hände nicht schmutzig machen müssen, da wo wir aus sicherer Distanz uns zu nichts bekennen müssen – zu verlassen, und zum Zeugen, zum Akteur zu werden.
Wir sind als Christen nicht für uns selbst da. Ohne das Evangelium Jesu Christi fehlt unserem Land etwas Entscheidendes. Es fehlt ihm »das Licht von oben«, der Gotteshorizont.
Ist das Evangelium nicht so etwas wie eine Stimme aus einer anderen Dimension?
Im Evangelium geht es nicht um Wirtschaft und Politik, um Wissenschaft oder Kunst, noch nicht einmal um Bildung und Erziehung. Das Evangelium ist in der Tat so etwas wie eine eigentümliche Beleuchtung aller menschlichen Wirklichkeitsbereiche. Es erzeugt eine Einfärbung aller Dinge, gleichsam eine Fermentierung, die eine alles durchdringende, Perspektiven verändernde Kraft hat.

Unserem Christsein sollte nicht abhanden kommen, was sein Markenzeichen ist: Es hat eine Botschaft, die alle Menschen angeht. Evangelium im christlichen Sinn ist die Ansage eines grundlegenden Machtwechsels. Es geht um die Ablösung aller gottfeindlichen Mächte und Gewalten aus ihren angemaßten Machtpositionen. Es geht um die Einsetzung des Auferstandenen zum Herrn über alle Welt. Jesus selbst spricht in seiner Verkündigung vom kommenden und schon jetzt angebrochenen Reich Gottes. Überall, wo Gottes Herrschaft anerkannt wird, beginnt etwas Neues, eben: das Reich des Vaters.
Zachäus erlebt das ganz unmittelbar. Er löst sich aus den alten Machtstrukturen, in die er als Zollpächter mit Haut und Haaren eingespannt war, und erkennt die befreienden Strukturen des Gottesreiches: „Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück."
Die ungerechten Strukturen, denen Zachäus gedient hat, bis ihn Jesus von seinem Baum geholt hat, sie wirken bis heute – und manchmal mögen wir den Eindruck haben: sie wirken machtvoller als je zuvor. Ein Blick in die Tageszeitungen und Nachrichtensendungen scheint doch klar und deutlich zu beweisen: die gottfeindlichen Mächte und Gewalten regieren, toben sich aus und verursachen grenzenloses Leid. Aber: Der Kampf um Heil oder Unheil meines Lebens ist schon positiv von Gott entschieden – „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden."
Immer wieder neu ist von uns diese Grundentscheidung des Herzens gefordert: Wem will ich gehören? Biblisch gesprochen: den Mächten dieser Welt, die mich versklaven wollen – oder Gott dem Herrn, der mich durch Christi Sieg fähig gemacht hat, »Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Lichte sind«, wie es in Kol 1,12 heißt.

Mit der wunderbar komponierten Bekehrungsgeschichte des Zachäus macht Gott uns Mut, Jesus freudig in unser Lebenshaus einzulassen, damit diesem unserem Haus das Heil geschenkt werde.
So werden wir vom Zuschauer zum Zeugen, zur Hebamme dafür, dass unseren Mitmenschen die Größe ihrer Berufung durch Gott aufgeht! Wie Zachäus dürfen wir und sie Anwärter seines Reiches werden, Schüler des Evangeliums, Menschen, die ihr Leben am Leben Jesu Christi ausrichten.

Ermutigen wir uns gegenseitig, die Angst zu überwinden, sich als gläubiger, praktizierender Christ zu bekennen, zu »outen«, über unsere Gottesbeziehung auskunftswillig und auskunftsfähig zu werden – füreinander und für andere.
Der Name "Zachäus" hängt zusammen mit dem Namen "Sacharja". Der Name bedeutet "Gott hat sich erinnert". Weil Gott sich an uns erinnert können wir auch an Gott erinnern als denjenigen, der alle Menschen zu Bewohnern des Gottesreiches machen und dem Angesicht der Erde den Gotteshorizont schenken möchte.

Geistliches Wort - 28./29. KW 2014 - von Pastoralreferent Christian Dorn, Betriebsseelsorge

Muss nur noch kurz die Welt retten

Prekäre Arbeitsbedingungen, Freihandelsabkommen, Klimawandel, Fracking – vieles bewegt uns, vieles hält uns in Atem, vieles ruft nach unserem Engagement. Gerade in einem Verband wie der KAB ist da viel an Einsatz, Aktivität, Kreativität, manchmal auch Ruhelosigkeit und Aktionismus wahrzunehmen. Es erinnert mich ein wenig an einen Liedtext von Tim Bendzko: „Da draußen brauchen sie mich jetzt, die Situation wird unterschätzt, und vielleicht hängt unser Leben davon ab … Muss nur noch kurz die Welt retten …“ Und dann höre ich die Worte Jesu aus dem Sonntagsevangelium (Mt 11,28): „Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ Ruhe – bei all dem was in der Welt vorgeht? Ruhe – angesichts von Ungerechtigkeit und Not? Ruhe – wo sie mich doch da draußen brauchen?

Wie geht das zusammen? In der spirituellen Tradition gibt es ein sich ergänzendes Gegensatzpaar: Kontemplation und Aktion. Es beschreibt die Haltung eines Menschen, der sich einsetzt und engagiert, aber nicht anker- und ruhelos. „Wenn du alles, was in dir lebendig und weise ist, zum Handeln einsetzt und nichts zur Besinnung, soll ich dich da loben? Dafür lobe ich dich nicht.“ Bernhard von Clairvaux weist uns mit diesem Satz darauf hin, uns nicht allein über unser Handeln zu definieren. „Die Rettung der Welt hängt von mir ab – und mein Selbstwert davon, dass ich damit Erfolg habe.“ Diese Haltung führt einen Menschen ziemlich sicher in die Verzweiflung. Jesus mahnt in ähnlicher Weise die sehr engagierte Marta: „Marta, Marta, du machst dir viel Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig.“ (Lk 10,41) Und als Vorbild verweist er sie auf ihre Schwester Maria, die eher den Eindruck macht, als würde sie der Arbeit gerne aus dem Weg gehen. 
Doch was ist dieses eine, das notwendig ist? Für den Franziskanerpater Richard Rohr besteht das Problem der meisten von uns darin, dass wir wie in einem Spiegelsaal leben. In jedem der Spiegel suchen wir nach Bestätigung. Die Spiegel mögen für das Urteil von Mitmenschen stehen, für meine Arbeit oder mein sonstiges Engagement. Richard Rohr möchte uns einladen, uns nur in einem Spiegel zu betrachten, in dem wir uns so sehen, wie Gott uns sieht. Mit seinem liebenden Blick, der uns bedeutet: Du bist gut, so wie du bist!

Um dies zu erfahren und uns davon beschenken zu lassen, bedarf es der Kontemplation oder Besinnung. So gelange ich zu meiner inneren Quelle, aus der heraus dann ein starkes soziales Engagement erwachsen kann. Und es wird ein Engagement mit großer Kraft und Ausdauer sein. Aber auch einer guten Prise Gelassenheit, wie sie in dem schönen Ausspruch von Henry David Thoreau zum Ausdruck kommt: „Wenn ich am Strand sitze und zuhöre, wie die Wellen auf den Strand schlagen, fühle ich mich von jeder Verpflichtung befreit und denke, dass alle Völker der Welt ihre Verfassungen ohne mich ändern können.“

Geistliches Wort - 24./25. KW 2014 von Diakon von Leonhard Bernhard, Betriebsseelsorge Pfingstfest

Wir feiern Pfingsten und verbinden dieses große Fest mit der Sendung des Heiligen Geistes.

In Liedern und Gebeten rufen wir um den Heiligen Geist. Dieses Flehen um den Heiligen Geist ist ein Auftrag, den uns Jesus gegeben hat.

Der Heilige Geist möge einziehen in die Herzen aller Menschen. Es geht um die schöpferische Kraft, die uns verheißen ist.

Ich habe zu diesem Pfingstgedanken ein Tor als Bild gewählt. Für mich hat das Tor eine  Bedeutung in unserem menschlichen und spirituellen Leben.

Die Pfingstfrage könnte doch heißen: Wie weit öffne ich das Tor meines Herzens, damit der Heilige Geist in mir willkommen ist? Ist es mir ein Anliegen, dass Gottes guter Geist in meinem Tun und Denken eine zentrale Rolle einnimmt?

Im Alltag kann ich folgende Erfahrung machen: Wenn ich ein Haus oder eine Firma betrete, ist manchmal spürbar, welcher Geist hier Zuhause ist.

Der Heilige Geist ist nämlich an ganz bestimmten Merkmalen zu erkennen, so wie es Paulus im Epheserbrief 4,2 beschreibt:

"Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe"

Wenn ich mich im Arbeitsleben umsehe, wird meist "geklotzt, gezockt und gerackert auf Teufel komm raus". Und dann wundern wir uns, wenn Menschen dieses System nicht mehr ertragen. Wenn Menschen in allen Altersgruppen verheizt werden. Wenn tüchtige junge Leute ausbrennen und der Belastung nicht mehr standhalten können.

Da lobe ich mir den Paulus, der sagt: "Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe." Dann kann etwas Neues entstehen. Dieser Heilige Geist ist in der Lage, "das Antlitz der Erde erneuern". Um diesen Geist lohnt es sich zu beten. Für diesen Heiligen Geist will ich mich  öffnen wie ein großes Tor.

Ich wünsche allen Lesern ein gesegnetes Pfingstfest und die Freude am Geist des Herrn!

Geistliches Wort 20./21. KW 2014 - von Pastoralreferent Andreas Kohl, Betriebsseelsorge Weilheim

Am 6. Mai war der 5. Todestag von Pfarrer Martin Bummele. 10 Jahre lang (1988-1998) hat er als KAB-Diözesanpräses das Leben, die Arbeit und Spiritualität unseres Verbandes im Bistum Augsburg mitgeprägt.

Ich persönlich habe ihn insbesondere als Pfarrer von Blaichach, Ofterschwang und Seifriedsberg noch in guter Erinnerung.

In dieser österlichen Zeit muss ich an einen Brauch denken, den Martin Bummele in Ofterschwang eingeführt (und zuvor wohl aus Frankreich importiert) hat:
Am Ende des Ostergottesdienstes wurden die Mitfeiernden eingeladen, ihre Augen mit dem frisch geweihten Osterwasser zu benetzen.

Warum das? Wie kommt man auf so eine Idee?

Der tiefe Sinn ist der, dass Ostern einen neuen Blick ermöglicht. Wer Ostern gefeiert hat, der kann die Dinge um sich herum, die Menschen, mit denen er zu tun hat, sein eigenes Leben, ja das Leben selbst nicht mehr mit den alten Augen ansehen – die alten Augen ermöglichen auch nur eine alte, die gewohnte Sichtweise. Wer das Leben mit Osteraugen sieht, der sieht alles um sich herum mit neuen Augen.

Wie bei den Jüngern, die das leere Grab entdeckt hatten: Die alten Augen sahen nur ein schwarzes Loch. Doch dann erkannten sie nach und nach, dass da etwas Neues am Werk ist, dass da etwas Unerwartetes, Unglaubliches geschehen ist.

Die Erfahrung können wir auch in unserem Leben immer wieder machen: Manchmal bin ich wie mit Blindheit geschlagen. Da hab’ ich für etwas keine Augen. Und plötzlich – vielleicht in einem unerwarteten Moment - gehen mir die Augen auf.

Ich sehe mit Osteraugen:

- Wenn ich auch nach vielen Ehejahren neugierig darauf bin, bei meiner Frau/meinem Mann neue Seiten wahrzunehmen oder manche liebenswerte Eigenschaft wiederentdecke.

- Wenn ich meinen Kindern etwas zutraue und in ihnen das Potential sehe, das in ihnen schlummert.

- Wenn ich in der Arbeit in meiner Kollegin/meinem Kollegen den Menschen mit seiner persönlichen Situation, mit seinen eigenen Sorgen und Bedürfnissen sehe und ihn frage: „Wie geht’s Dir?“

- Wenn ich als Christ das Vertrauen habe, dass der Geist Jesu Christi seine Kirche und den einzelnen Gläubigen nie verlässt und gewiss ans Ziel führt.

„Ich wünsche uns Osteraugen,
die im Tod bis zum Leben,

in der Schuld bis zur Vergebung,
in der Trennung bis zur Einheit,

in den Wunden bis zur Herrlichkeit,
im Menschen bis zu Gott,

in Gott bis zum Menschen,
im Ich bis zum Du

zu sehen vermögen.

Und dazu alle österliche Kraft.“

(Bischof Klaus Hemmerle, im Angesicht des Todes)

Geistliches Wort 18./19. KW 2014 - von Pastoralreferentin Martina Berndt-Hoffmann, Weißenhorn

Gut, dass wir einander haben,

gut, dass wir einander sehn,

Sorgen, Freuden, Kräfte teilen

Und auf einem Wege gehen….

… das durften die Jünger Jesu erleben, als sie mit ihm Tag für Tag unterwegs waren- sogar über seinen Tod hinaus, auf dem österlichen Weg nach Emmaus.

Und heute?

  • Gut, dass Ihr auch da seid- hören wir als KAB, als Betriebsseelsorge immer wieder, wenn es gilt, bei betrieblichen Konflikten Flagge zu zeigen…

  • „Neben der tausendfach gezeigten Sympathie… ist die über die gesamte schwere Zeit nach dem Beginn der Insolvenz tätige und gelebte Solidarität der katholischen Betriebsseelsorge ganz besonders zu erwähnen „( aus einem Buch über die Schlecker-Insolvenz).

  • Als ich letztes Jahr ein paar Tage im Krankenhaus war, bekam ich von zwei Betriebsrätinnen eine Karte “Wir denken an Dich“ und eine andere schickte mir eine wunderschöne Osterkerze.

  • In den letzten Wochen besuchten wir unsre Tochter in ihrem freiwilligen sozialen Jahr in Argentinien. Die dortige Gemeindereferentin erzählte, dass die Gemeinde Besuch von  einer Gruppe aus Deutschland hatte. Ihre eigene Skepsis, ob so etwas Sinn macht, wurde entkräftet, als eine Frau aus der Gemeinde sagte: Wie schön, zu wissen, dass es auch in Deutschland Menschen gibt, die an uns denken und für uns beten.
  • In der Woche vom 28.4.-4.5. wird es eine besondere Brücke zwischen der Augsburger KAB und unserer Partner- KAB in Songea/ Tansania geben. In einer Kontinente und Grenzen überschreitenden gebetsbrücke werden wir gegenseitig für die Anliegen der KAB in Songea und Augsburg beten.

Gut, dass wir einander haben- gut, immer wieder entdecken zu dürfen, dass wir gemeinsam unterwegs sind auf den Spuren Jesu!

Geistliches Wort 16./17. KW 2014 von Pfarrer Mathias Kotonski, Gablingen

Gottes Kraft geht alle Wege mit

Die Bibel ist ein Buch mit vielen Weg-Geschichten.
Menschen sind unterwegs,
angefangen von Abraham und Mose
bis hin zu Paulus.
Sie gehen ihre Wege im Bewusstsein,
dass Gott mit ihnen geht.

Auch an den Kar-und Ostertagen werden viele Wege gegangen.
Die wichtigsten sind der Kreuzweg und der Weg nach Emmaus.

Beim Kreuzweg trägt Jesus das Kreuz nach Golgotha,
dem Ort der Kreuzigung.
In diesem Kreuzweg können wir auch viel von unserem Leben entdecken.
Es gleicht manchmal auch einem Kreuzweg,
wir brechen zusammen unter den Belastungen des Lebens,
Menschen stehen am Rand, spottend oder helfend.
Doch weil wir wissen, dass das Ziel des Kreuzwegs
nicht der Tod am Karfreitag,
sondern die Auferstehung an Ostern ist,
brauchen wir angesichts unserer Kreuze nicht verzweifeln,
sondern können vielmehr durch das Betrachten und Beten des Kreuzwegs Hoffnung und Zuversicht schöpfen.

Auch bei den Jüngern die nach Emmaus gehen
ist manches genauso wie bei uns.
Wir sind unterwegs, traurig und depremiert.
Aber Jesus geht mit, auch wenn wir ihn nicht erkennen.
Er hört uns zu. Er nimmt unsere Sorgen und Ängste ganz ernst.
Er kann unsere Herzen brennen machen für die Botschaft von Ostern:
Jesus ist auferstanden. Das Leben lebt. Der Tod ist tot!
Wir können ihn erkennen beim Brechen des Brotes
in der Hl. Messe und im Alltag.

Gottes Kraft geht alle Wege mit – die Kreuzwege und die Wege nach Emmaus!

Geistliches Wort - 14./15. KW 2014 von Erwin Helmer, KAB-Diözesanpräses, Augsburg

„Vorrangige Option für die Armen"
Deutsche Kirchen suchen wirtschaftlichen und sozialen Konsens

Vor genau 17 Jahren haben die beiden großen Kirchen in Deutschland ein viel beachtetes „Wirtschafts- und Sozialwort" veröffentlicht. Nun starten Erzbischof Zollitsch und EKD-Präses Schneider eine neue Runde der ökumenischen Zusammenarbeit mit der Sozialinitiative 
„Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft". Was vor 17 Jahren absolut besonders war: es gab einen breiten Beratungsprozess. Denn die Kirchen starteten damals mit einem Entwurf, ließen diskutieren, veröffentlichten einen zweiten Entwurf, ließen diskutieren und formulierten ein abschließendes Paper, das von einer breiten Mehrheit getragen wurde. Auch dieses Mal wollen die Kirchen die Fachleute des sozialen Lebens – das sind wir alle – einbeziehen. Sie haben einen ersten Entwurf als „Sozialinitiative" gestartet, der nun vorliegt. Wir sind nun gerufen, den Text anzuschauen und zu kommentieren. Selbstverständlich werden wir uns als KAB, als Betriebsseelsorge, als CAJ damit intensiv befassen. Übrigens kamen bereits 1995 bis 1997 sehr viele Rückmeldungen an beide Kirchen von uns als KAB und insbesondere aus der Diözese Augsburg.

Was mir beim ersten Durchlesen gleich sehr gut gefällt, das ist:

Endlich bekennen sich dir deutschen Kirchen zu einer eindeutigen „vorrangigen Option für die Armen". Die Liebe zu den Benachteiligten und der besondere Blick für die Entwürdigten in allen wirtschaftlichen und sozialen Fragen halte ich für wesentlich und für zutiefst christlich.Endlich reden die Kirchen auch klar von einem sinnvollen Mindestlohn, der einzuführen ist.Sie legen die Finger in die Wunden der Arbeitswelt, benennen die „prekäre Arbeit" (Leiharbeit, Werkverträge, Geringfügige Beschäftigung ...) als Problem und suchen Lösungen.Und sie sprechen neben der Forderung nach mehr Beteiligung auch von mehr Verteilungsgerechtigkeit – ein Wort, das man zeitweise öffentlich kaum in den Mund nehmen konnte.

Also los geht's!
Wer eine Meinung hat, der meine!
Wer eine Position hat, der positioniere sich!
Wer einen Kommentar hat, der teile ihn mit mir!  Mail an erwin.helmer@kab-augsburg.org

P.S.: Sie können die 10 Thesen der Sozialinitiative herunterladen unter:   www.dbk.de
Die Internetadresse für Ihre direkten Rückmeldungen lautet: www.sozialinitiative-kirchen.de
(Bitte senden Sie Ihren Kommentar auch an:  erwin.helmer@kab-augsburg.org)

Geistliches Wort - 12./13. KW 2014 von Gemeindereferentin Regina Wühr, Geistliche Begleiterin der KAB Diözese Augsburg

Wer in diesen Tagen die Moritzkirche in Augsburg betritt, wird überrascht  von einer Installation, die die Künstlerin Sara Opic für die Fastenzeit gestaltet hat. Es handelt sich um drei aus Lehm und Stroh gefertigte Figuren, die eine junge Frau aus unseren Tagen darstellt, und in unterschiedlichen Körperhaltungen und an unterschiedlichen Orten in der Kirche platziert sind.

Die Figuren verkörpern menschliche Haltungen und Werte und setzen durch das verwendete Material  und die Formgebung einen starken Impuls, sich mit ihnen auseinander zu setzen.

Sie sind eingeladen, sich von den Bildern ansprechen zu lassen und sich zusätzlich zu den hier vorgeschlagenen Impulsen eigene Gedanken zu machen.

Übrigens: die Frauen tragen den Namen „Johanna“, das heißt übersetzt: Gott ist (mir) gnädig. Wenn Sie in Augsburg sind, besuchen Sie sie doch einmal. Sie sind noch bis einschließlich 16. April zu sehen.

Fotos: Bernhard Stappel

Geistliches Wort 10./11. KW 2014 von Pastoralreferent Christian Dorn, Betriebsseelsorge Allgäu

Die offene Tür des Paradieses

Am 3. März des Jahres 321 n. Chr. verfügte Kaiser Konstantin in einem Edikt: „Alle Richter, Stadtleute und Gewerbetreibenden sollen am verehrungswürdigen Tag der Sonne ruhen.“ Seither ist der Sonntag in christlich geprägten Ländern ein geschütztes Gut. Seit einigen Jahren gerät der arbeitsfreie Sonntag unter Beschuss. Unter dem Druck großer Handels­konzerne und anderer Interessensgruppen öffnet die Politik immer mehr (Hinter-)Türchen, die das Arbeiten und Einkaufen am Sonntag erlauben. Mit dem Sonntag ginge aber mehr verloren als ein freier Tag. Unsere Gesellschaft verlöre ihren Rhythmus zwischen Arbeit und Ruhe. Was dies bedeutet, macht ein Beispiel des Zeitforschers Karlheinz Geißler deutlich:

„Ich kenne keinen überzeugenderen Beweis, als jenen, den der weltberühmte Geiger Josua Bell zu Beginn dieses Jahres lieferte. Am 12. Januar 2007, um 7 Uhr 51 Ortszeit begab dieser sich in eine Washingtoner U-Bahnstation. Als Straßenmusikant gekleidet, begann er auf seiner kostbaren Stradivari Johann Sebastian Bachs Chaconne in d-Moll zu spielen. Die weitaus meisten ein- und aussteigenden Passanten rannten, ungebremst in ihrem Fortschrittsdrang, hektisch an dem musizierenden Künstler vorbei. Erst der 64. Passant hielt kurz inne, warf dem genialen Musiker ein paar Cent in den leeren Geigenkasten, und eilte weiter. Nach 43 Minuten außergewöhnlich guter Musik an einem außergewöhnlichen Ort waren schließlich 1070 Personen an dem Kunstereignis vorbeigerast. Nur einige wenige hatten für einen kurzen Moment ihren Dauerlauf unterbrochen. Im Geigenkasten fanden sich nach der Aufführung 32,17 Dollar.

Die Botschaft ist eindeutig: Es ist die Eile, die Hetze, die ‚Zeit-ist-Geld Mentalität’, die uns an der offenen Tür des Paradieses vorbeilaufen lässt. Wir bleiben, wenn wir nicht innehalten, taub für das Wohlklingende, das Schöne und alles „seelisch Erhebende“. Das gilt selbstverständlich nicht nur, wie im eben zitierten Beispiel,  für wohlklingende Töne, das gilt ebenso für jene Erlebnisse und Erfahrungen, die unser Auge erfreuen, die den Geschmack entfalten und die Nähe zu lieben Menschen kultivieren. Wir verpassen im Leben immer etwas, auch diejenigen, die innehalten, verpassen etwas. All jene aber, die nicht innehalten, verpassen das Schönste.“

Deshalb: Sonntag schützen! Eine konkrete Möglichkeit: Fragen Sie die Kandidatinnen und Kandidaten zur Kommunalwahl am 16. März nach deren Haltung zum Schutz des Sonntags!

Geistliches Wort - 8./9. KW 2014 von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Rathaussturm

Demnächst ist es wieder soweit, zumindest in Neu-Ulm und Ulm: Hexen hocken an den offenen Fenstern des Rathauses, Guggenmusik spielt, Gratis-Leberkäse erfreut des Schwaben Seele und Leib, der Oberbürgermeister übergibt den Rathausschlüssel, die Lokalpresse titelt, „Narren übernehmen die Macht", und ich denke mir: Nun ist es also offiziell.

Über die realen Narren an der Macht lässt sich genüsslich lästern. Manche haben sich den Spott redlich verdient. Andererseits stehen gerade wieder Wahlen an: Kommunalwahlen, Betriebsratswahlen, Europawahlen: Ich kann wählen und abwählen. Gehe ich wählen? Kandidiere ich? Wichtig, so die KAB im Blick auf die Betriebsratswahlen, „wichtig sind Menschen, die Verantwortung übernehmen". Nächsten Sonntag hören wir von Paulus, dass wir „Gottes Tempel" sind und der Geist Gottes in uns wohnt (vgl. 1Kor 3,16). „Gottes Tempel": Gottes Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Liebe, Gottes befreiende Gegenwart lebt in uns, verleiht uns göttliche Würde. Diese göttliche Würde kommt allen zu: Christen wie Muslimen, Flüchtlingen, Geringverdienenden, Managern ... Ringen wir im Wissen darum um unsere Wahlentscheidung, darum wie und wo wir Verantwortung übernehmen?

Letztes Wochenende haben wir die Pfarrgemeinderäte gewählt: Das ist ja nun noch viel weiter von einem Rathaussturm entfernt. Wenn das vorher Gesagte nicht ganz falsch ist, müssten wir da nicht auch innerkirchlich deutlich mehr Demokratie wagen?

Geistliches Wort - 6./7. KW 2014 von Peter Ziegler, KAB-Diözesansekretär

"Liebe ist nicht Trost, sie ist Licht"

Simone Weil als geborene Mystikerin für unsere Bewegung?

In den letzten Wochen befasse ich mich immer wieder mit der „nichtchristlichen Christin" Simone Weil. Wahrscheinlich passt auf sie Karl Rahners Rede vom „anonymen Christentum" besser als auf jeden anderen Menschen – denn „die Wege zu Gott führen nicht immer über die Kirche". Leider ist Weil weit unbekannter als etwa Madeleine Delbrêl, ihre Schwester im Geiste. Wie sie stammte sie aus Frankreich, wie Delbrêl war auch ihr die Religiosität nicht in die Wiege gelegt.

Vielmehr begann die 1909 geborene und in wohlsituierten Verhältnissen aufgewachsene Simone als radikale Pazifistin und Gewerkschafterin, die aber den Marxismus aufs Schärfste kritisierte („Nicht die Religion, die Revolution ist Opium für das Volk"). Trotz ihrer schwachen körperlichen Konstitution verließ die studierte Philosophin den Schuldienst, um über ein Jahr als Fabrikarbeiterin im Akkord zu arbeiten. In dieser Zeit entstand ihr „Arbeitstagebuch", in dem sie die „Verzweckung" des Arbeiters auf Schärfste kritisierte. Im Spanischen Bürgerkrieg arbeitete sie 1936 bis zur Selbstaufopferung.

Im gleichen Jahr nahm die Annäherung der geborenen Jüdin an den Katholizismus ihren Anfang: In einer kleinen romanischen Kapelle in Umbrien zwang sie die Übermacht der mystischen Erfahrung auf die Knie. Im weiteren Verlauf prägt sie die Liebe zu den Menschen ebenso wie die zu dem für sie unfassbaren Gott – sie erkennt den Sinn des Menschen in der Spiritualität („Die Schwerkraft des Geistes lässt uns nach oben fallen.") und setzt auf die Verantwortung jedes Einzelnen für Veränderungen („Wenn du die Welt verändern willst, beginne mit dem Menschen, den du jeden Morgen im Spiegel siehst."). Gleichzeitig schätzt die intellektuelle Überfliegerin ihre eigenen geistigen Fähigkeiten nur allzu gering („Ein Mensch, der sich etwas auf seine Intelligenz einbildet, ist wie ein Sträfling, der mit seiner großen Zelle prahlt.").

Obwohl ihre mystischen Darlegungen bisweilen nicht sehr leicht zu verstehen sind, wäre sie eine passende weibliche Ergänzung zu den Märtyrern unserer Bewegung...

Geistliches Wort - 4./5. KW 2914 von Hans Reich, Betriebsseelsorge Allgäu

"Seht das Lamm Gottes ...."

Im Evangelium vom Sonntag hörten wir von Johannes dem Täufer: "Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt!" (Joh 1,29) Der Anblick von Lämmern war den Menschen damals wohl um einiges vertrauter als uns Menschen heute. Doch auch wir wissen, wie junge Tiere oft lieblich wirken. So ist das Lamm sicher ein Zeichen für Reinheit, Friedfertigkeit und Unschuld. Lammfromm nennt man jemanden, der wohl keiner Fliege etwas zu Leide tun könnte. Manchmal vergleichen wir auch Menschen mit Tieren: Er ist „wie ein Löwe" - sagen wir von jemandem und wollen damit seine Stärke und Kraft hervorheben. „Wie eine Schlange" - und wir meinen damit seine Wendigkeit, manchmal auch seine Giftigkeit und Gefährlichkeit. Wenn wir jemanden als Esel bezeichnen, oder schlimmer noch als Affen, so ist das eher beleidigend. Der Vergleich mit Tieren soll oft helfen, besondere Eigenheiten und Eigenschaften eines Menschen hervorzuheben, oder einen Menschen zu charakterisieren.

Christus wird von Johannes nicht als König oder als Herrscher der Welt gekennzeichnet, sondern als Lamm Gottes. Johannes hat damit eine Sehnsucht angesprochen, die die Menschen damals wie heute in sich tragen. Die Menschen sehnen sich danach, dass einer kommt, der sie von dem "Müll" und den Sünden dieser Welt befreit. Jesus Christus, das Lamm Gottes wird zum Gegenpol unmenschlicher Strukturen, in Politik, Wirtschaft und in der Kirche. Die Gewaltlosigkeit des Lammes befreit die Menschheit von den Verwundungen und Dunkelheiten des Lebens, von Streit und Sünde und wird somit zu einem Wegweiser für unser Leben.

Und wenn Johannes ausruft: „Siehe, das ist das Lamm Gottes!", kündigt er an: Jetzt ändert sich was. Jetzt kommt Bewegung in die Sache, denn dieses Lamm Gottes lässt die Not und die Sünde der Welt nicht liegen. Christus hebt sie auf und trägt sie weg, schafft sie aus der Welt. Das Lamm Gottes räumt den Weg frei! Ich möchte Sie ermutigen, bewusster mit Ihren Gedanken, Worten und Taten umzugehen und sich jeden Tag für das Gute zu entscheiden.

Geistliches Wort - 2./3. KW 2014 von Hans Gilg, Pastoralreferent

Gottesweg – Königsweg

Gott mag die schmalen Wege,
die staubigen, auf denen man sich dreckig macht.
Wege auf denen man Begegnungen nur schwer ausweichen kann,
wo Zeit ist für einen Gruß und für ein paar nette Worte.
Seinen Weg finden:
Für mich heißt das nicht, Wege breit zu machen, zu teeren und mit 
Schildern zuzupflastern.
Für mich heißt es:  Stelle Dich an den Anfang seines Weges
und mache die ersten zaghaften Schritte. 
Geh solidarisch mit den Menschen – gerade auch mit den „Kleinen“ in unserer Welt,
teile, was Du hast
und lass Dich beschenken.

Geistliches Wort - 1. KW 2014 von Diakon Leonhard Bernhard

Gedanken zum Jahreswechsel

Mit der beginnenden Adventszeit spricht man gerne von der Zeit der Muse und der Stille. Ja, dieser Zeit wird eine besondere Atmosphäre zugesprochen.

Vermutlich ist dies die innere Sehnsucht im Menschen, mit guten Freunden gute Gespräche zu führen. Ja es ist immer wieder schön, wenn dies gelingt - nicht nur in der Advents- und Weihnachtszeit.

Weil Begegnungen so wichtig sind, weil sie als Grundbedürfnis zum Leben gehören, haben sie einen besonderen Stellenwert. Von Geburt an sind wir auf das Du ausgerichtet. In jedem Menschen steckt das Bedürfnis verstanden zu werden. Geachtet und geliebt zu sein. Es ist die Suche nach Glück und Harmonie.

Und was ist, wenn es nicht gelingt?

Was ist, wenn sowohl in der Familie als auch am Arbeitsplatz der Ansprechpartner fehlt? Was passiert, wenn Kinder kein richtiges Zuhause mehr haben, weil die Eltern getrennte Wege gehen? Was passiert, wenn alle diese Urbedürfnisse nicht gestillt werden?

Dann wird eine hoffnungslose Sehnsucht verdrängt, seelische Not und Süchte nehmen überhand.

Diese Hoffnungslosigkeit ist in vielen Bereichen unserer Gesellschaft zu erkennen.

Wir nennen es heute Burnout, Depression oder Zivilisationskrankheit.

Vielen Menschen fehlt heute das Ziel oder der Sinn ihrer Bemühungen.

Darum ist es so wichtig, den Leuten an dem Platz, wo man steht - ob in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Familie oder auf der Straße - ein gutes Wort zu schenken. Ein Wort der Anerkennung und der Achtung. Die biblischer Aussage dazu heißt: Ein Segen sollst du sein in dieser Welt. (Gen 12,2)

Dies könnte ein Vorsatz für das neue Jahr sein.

So wünsche ich allen Lesern und allen Menschen dieser Welt ein gesegnetes neues Jahr 2014.

Leonhard Bernhard, Betriebsseelsorge

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