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Studientagung

Weder Sorglosigkeit noch Hysterie sind angebracht

Prof. Grötsch referiert zu Folgen der Digitalisierung: Wachsamkeit ist gefordert

In Eberhard Grötsch war der geeignete Fachmann zum Einstieg gekommen, um eine Einführung in die Fragen der Digitalisierung zu leisten. Nach der Definition einschlägiger Begriffe und der Relativierung der Zukunftsszenarien machte er deutlich, dass sich hinter der Debatte wieder einmal die Machtfrage verbirgt: „Wer die Herrschaft über die Daten hat, verfügt über die Macht.“

Am Beginn der Auseinandersetzung mit jeder Thematik muss die Definition von einschlägigen Grundbegriffen stehen. Dazu stand in Prof. Eberhard Grötsch ein anerkannter Fachmann der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt zur Verfügung. Gleich zu Beginn beschrieb er die diversen Einsatzmöglichkeiten der Digitalisierung in den Bereichen Produktion, Finanzwesen, Verkehr und Verwaltung. Gleichzeitig wies er nach, dass Digitalisierung nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken sei und wies auf Streaming-Dienste und Navigationsgeräte hin.

In einem zweiten Abschnitt relativierte er die verschiedenen Prognosen zum Arbeitsplatzabbau in der Industrie, indem er einige Zukunftsszenarien der Vergangenheit in den Blick nahm: 1949 ging man davon aus, dass ein leistungsfähiger Computer mehr als 1,5 Tonnen wiegen werde, noch 1977 gingen Fachleute davon aus, dass „es keinen Grund dafür (gebe), dass jemand einen Computer zu Hause haben sollte“. Ebenso wie die Realität diese in der Zukunft liegenden „Gewissheiten“ verändert hat, könnte es auch den prognostizierten Arbeitsplatzverlusten in Höhe von 48% für Deutschland ergehen…

In einem letzten Schritt machte Professor Grötsch deutlich, dass die Veränderungen gestaltet werden müssen. Sie haben in jedem Fall enorme Auswirkungen auf die Arbeitsplatzsituation der Menschen. Es müsse überlegt werden, wie der Produktivitätszuwachs allen zugutekommen oder die soziale Sicherung gestaltet werden könne. Hinter all diesen Diskussionen um die Gestaltung der Digitalisierung stehe wieder einmal die Frage nach Macht und Herrschaft – wer profitiert von anstehenden Veränderungen und warum… 

Digitalisierung bringt den Mitarbeitern Freiräume, ihre Kompetenzen gezielt einzusetzen

DRV Nordbayern setzt auf digitalen Workflow – Beschäftigte sind hoch engagiert

Auf einen langen Prozess eingelassen hat sich die Verwaltung der DRV Nordbayern, als der Beschluss gefallen ist, die Prozesse nach und nach zu digitalisieren. Auch wenn sämtliche Akten am Ende digital zur Verfügung stehen, bleibt die Letztentscheidung beim Sachbearbeiter. Erst in der Pilotphase ist deutlich geworden, dass der analoge Prozess nicht einfach ins Digitale überführt werden kann.

Hans-Peter Mulzer als Leiter der Abteilung Zentrale Verwaltung begrüßte die Gäste der beiden Diözesanverbände aufs Herzlichste in den Räumen der DRV Nordbayern. Er freue sich, mit einem Projekt aus dem Haus überregionales Interesse angezogen zu haben und bedankte sich für den Besuch. Die beiden Referenten Peter Heider und Markus Linz ergänzten anschließend die jeweiligen Ausführungen gegenseitig und bildeten so die Zusammenarbeit von IT und Auftragsbewilligung anschaulich ab.

Schnell wurde deutlich, dass dem Haus die Vermittlung der Vorteile besonders am Herzen liegt. So verkürzten sich die Laufzeiten der Entscheidungen deutlich, wovon in erster Linie die Antragsteller von Rehabilitationsleistungen profitieren. Durch die gleichzeitige Zugriffsmöglichkeit auf den Aktenbestand könne jederzeit zeitnah Auskunft gegeben werden. Aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten etwas von dieser Neuerung, weil so Telearbeit ermöglicht werden könne. Zudem sei oberste Vorgabe, dass die Neuerung nicht zu Lasten der Mitarbeiter gehen dürfe.

Deutlich wurde daneben aber auch, dass eine ausschließliche Konzentration auf die „entscheidenden“ Momente die Betroffenen deutlich schneller ermüde. „Nicht immer haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Blick, dass regelmäßige Pausen ihre Gesundheit erhalten.“ führte einer der beiden Referenten dazu aus. Aus dem Publikum heraus wurde bald die Frage gestellt, ob das ausschließliche Setzen von Häkchen nicht zu einer Dequalifizierung der gut ausgebildeten Mitarbeiter führen würde – immerhin führe der Prozess ein gewisses Eigenleben. Diesem Eindruck widersprachen die Referenten und betonten im Gegenteil die wachsende Bedeutung des eigenen Personals. Als besonders bemerkenswert bezeichneten die Referenten gleichlautend die Tatsache, dass die verschiedenen Stellen – analog – miteinander ins Gespräch gekommen und so Verständnis füreinander entwickelt hätten.  

„Wir brauchen weiterhin hochqualifizierte Arbeitskräfte, da ändert auch die Digitalisierung nichts“

Gespräch mit GBR-Vorsitzenden Gottfried Weippert – Maschinenbau weiterhin Zukunftsbranche…

In Bereich des Druckmaschinenbaus bringt die Digitalisierung bei weitem nicht die Veränderung, die immer prognostiziert wird, wusste Gottfried Weippert, Gesamtpersonalratsvorsitzender beim Würzburger Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer, zu berichten. Nach einem tiefen Tal sei sein Unternehmen mittlerweile bestens gewappnet. Sorgen bereite ihm daher weniger die Rationalisierung von Arbeitsplätzen, sondern vielmehr der Mentalitätswandel unter den Beschäftigten…

Auf die provozierende Fragestellung, ob denn die Herstellung von Druckmaschinen noch in eine digitale Welt passen würde, reagierte Gottfried Weippert äußerst souverän: Auch wenn natürlich der Absatz von Tageszeitungen deutlich zurückgegangen sei, nehme die Anzahl anderer Druckerzeugnisse weltweit zu. Als Nachweis der besonderen Qualität der eigenen Produktion zeigte er besondere Banknoten, die das Unternehmen zum 150. Jubiläum im vergangenen Jahr angefertigt habe, und die alle Anwesenden in Staunen versetzten.

Die Vorteile der Digitalisierung aber wies Weippert auf eine andere Weise nach: aufgrund seines digitalen Hörgeräts sei er in der Lage, trotz schwerer akustischer Beeinträchtigung seine sehr zuwendungsorientierte Aufgabe als Betriebsratsvorsitzender erledigen zu können. Bereits dies zeige, dass die Digitalisierung stets von zwei Seiten zu betrachten ist. Natürlich ergeben sich durch die digitalen Prozesse veränderte Anforderungen, aber diese führen nicht zu einer Abwertung der Qualifikation – eher im Gegenteil. Gerade der deutsche Maschinenbau profitiere von seiner weltweit anerkannten Qualität und habe daher noch eine lange Zukunft.

Der Referent führte weiter aus, dass er dennoch auch ein wenig sorgenvoll in die Zukunft blicke, wenn er auf seine Kolleginnen und Kollegen sehe. „Früher“ so führte er aus, „war es eine besondere Auszeichnung, im Außendienst Maschinen in fernen Ländern aufbauen und so in gewisser Weise Entwicklungshilfe leisten zu dürfen. Aber das zieht bei den jungen Menschen nicht mehr.“ Das gewandelte Lebensgefühl habe dafür gesorgt, dass Unternehmen und Karriere eben nicht mehr unangefochten an erster Stelle stünden. Aber auch an diese neue Realität müsse man sich eben anpassen.

"Ich würde diese Entscheidung so wieder treffen..."

Freelancerin stand bei Studientagung Rede und Antwort – Verbindung von Freiheit und Sicherheit

In Lisa Dillhoff stand den Engagierten der Arbeiterbewegung, die sich auf die Suche nach der Digitalisierung in der Arbeitswelt begeben haben, auch eine so genannte Freelancerin als Referentin zur Verfügung. Sie berichtete offen über ihr Geschäftsmodell und gestand zu, dass sie im Vergleich zu Festangestellten eher mehr als weniger Arbeitsdisziplin an den Tag legen müsse. Dennoch herrschte am Ende der Ausführungen eher Skepsis denn Euphorie.

In der Freelancerin Lisa Dillhoff stand den Interessierten eine für Arbeitnehmerbewegungen eher ungewöhnliche Gesprächspartnerin zur Verfügung: war sie doch weder sozialversicherungspflichtig beschäftigt noch in einem festen Arbeitsverhältnis. Zudem wirkte sie sehr fröhlich in dem, was sie tut. Sie stellte klar, dass sie keinerlei Auftragsmangel habe, sondern mit mehreren Kooperationspartnern in gutem Austausch stehe. Um der finanziellen Absicherung willen habe sie dennoch zusätzlich einen so genannten „freien Dienstvertrag“ abgeschlossen, der aber lediglich den zeitlichen Umfang der Beschäftigung regele.

Sie habe dieses Beschäftigungsmodell für sich gewählt, weil sie sich die Freiheit, nein sagen zu können, gerne erhalten wolle. Aber natürlich gestand sie gerne zu, dass sie keinerlei finanzielle Verpflichtungen für Angehörige habe, die sie zu mehr Sicherheit treiben würden. Zudem fordere ihr dieses Modell deutlich mehr Planungsarbeit ab als eine Festanstellung. Zudem gebe es für sie die Option, sich über die Künstlersozialkasse sozialzuversichern – eine Möglichkeit, die andere Selbstständige in dieser Form nicht haben. Insgesamt könne sie diese Arbeitsform all denjenigen empfehlen, die nach einer Mischung von Freiheit und Sicherheit suchen würden. Ein Teil der Zuhörerschaft befürchtete Ausbeutung der jungen Frau in deren Ausführungen erkennen zu können.

„Je mehr Aufträge, umso kleinere Stückzahlen sind möglich“

Interessanter Betriebsbesuch beim Druckhaus Mainfranken – Ausdehnung der Angebote das Gebot der Stunde

Ein Kooperationspartner der deutschlandweit bekannten Online-Druckerei flyeralarm war das Ziel des Betriebsbesuchs der Studientagung der Arbeitnehmerbewegungen. Die Digitalisierung hat für eine enorme Beschleunigung bei der Einrichtung der Maschinen gesorgt. Durch das neue Verfahren der Sammelbögen können auch geringe Auflagenhöhen sehr kostengünstig angeboten und neue Märkte eröffnet werden.

Das Würzburger Onlineunternehmen flyeralarm bedient sich in der Würzburger Umgebung fünf Kooperationspartner, die eingehende Bestellungen abwickeln. Ein erster großer Fortschritt ist dabei die Verlagerung der Produktgestaltung auf den Besteller. Es gibt so kein langwieriges Abstimmungsverfahren zwischen Grafiker und Kunden mehr. Vielmehr liefert der Kunde die fertigen Druckdaten, die digital auf „Druckbarkeit“ hin überprüft werden.

Einer dieser Druckpartner ist das Druckhaus Mainfranken in Marktheidenfeld. In der Einführung beschrieb Geschäftsführer Ulrich Stetter die wesentlichen Neuerungen der Digitalisierung. So laufe  die Einstellung der Maschinen dank der Digitalisierung nun deutlich schneller und dauere statt 45 Minuten nur noch fünf. Die Umstellung des Verfahrens auf Sammelbogen sorge zudem dafür, dass auch geringe Margen bezahlbar angeboten werden können. Erst, wenn 95% des Bogens mit Druckaufträgen besetzt sind, gehen diese in den Druck.

Seit 2014 ist flyeralarm die marktführende Onlinedruckerei in Europa. Das Geheimnis des Erfolgs sei aber weder Lohndumping noch Produktion im osteuropäischen Raum. Stetter wusste plausibel auszuführen, dass die große Menge an Aufträgen (17.000 pro Tag) dafür sorgt, dass auch Postkarten in einer Auflage von 50 Stück kostengünstig angeboten werden können. So positiv diese Ausführungen in den Ohren der Besucherinnen und Besucher klangen, so negativ stieß ihnen etwas anderes auf: im Druckhaus Mainfranken gibt es statt eines Betriebsrats lediglich einen Sozialrat, was heftig kritisiert wurde.

Neue Wege:

Analoge Präsentation digital reflektiert

 

 

Passend zum Thema der Fachtagung hatten sich zur Begleitung der Diskussionen auch digitale Begleitgruppen gebildet: Ausgestattet mit mobilen Geräten stellten die Teilnehmerinnen ihre spontanen Eindrücke auf Aussagen der Referenten unmittelbar anderen Teilnehmern zur Verfügung, um so neue Reaktionen zu provozieren. Auch die facebook-Seiten der beteiligten Organisationen wurden dafür genutzt, die Erfahrungen des Seminars der Außenwelt zur Verfügung zu stellen.

Anstelle von Reflexions- und Auswertungsrunden hatten sich die Organisatoren neue Wege des gemeinsamen Zugangs ausgedacht: in What´s App und facebook-Runden sollten zeitnah Ideen und Anregungen weitergegeben werden, um so die Spontaneität zu fördern und auch die zu „Wort“ kommen zu lassen, die sich nicht verbal einbringen würden. Dies hatte die für die Referenten die bisweilen irritierende Folge, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer ständig mit ihren Mobiltelefonen beschäftigt waren.

Weitere Gruppen kümmerten sich um Dokumentationen in Form von digitalen Bildern, analogen Zeichnungen oder – ganz oldschool – Wortbeiträgen. Bei der entsprechenden Auswertung wurde schnell deutlich, dass die meisten Teilnehmerinnen mit den neuen Medien (noch) nicht so in die Tiefe gehen, wie in der textlichen Reflexion. Dennoch war es sehr interessant, die verschiedenen Methoden einmal nebeneinander in den Blick nehmen zu können…

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