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Geistliches Wort

Geistliches Wort von Pastoralreferent Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorge Weißenhorn

Therese wer?

Am 22.9. jährt sich ihr Geburtstag zum 160. Mal. Mit ihrem Geburtsjahr 1862 tauchen wir ein in die Zeit der Industrialisierung. Das ungeheuer schnelle Wachstum des Fabrikwesens bedeutete für die große Masse der Arbeiterinnen und Arbeiter große Not: Arbeitszeiten von 12, 14 Stunden und mehr, geringe Löhne, Kinderarbeit und vieles mehr.

In diese Zeit hinein ist Therese Studer am 22.9.1862 geboren, ohne Mutter aufgewachsen und schon früh, mit 14 Jahren, aufgrund der Krankheit des Vaters gezwungen, in einer Zündholzfabrik in Altenstadt an der Iller arbeiten zu gehen.
Warum an sie erinnern? Ist doch die Welt inzwischen eine andere.

Die Zustände, wie sie während der ersten Phase der Industrialisierung geherrscht haben, sind in der Tat hierzulande überwunden. Weltweit, etwa in den Ländern, die uns mit Textilien beliefern, leiden Arbeiterinnen und Arbeiter freilich unter vergleichbar schlimmen Bedingungen. Zudem lohnt für mich die Erinnerung an Therese Studer, weil sie uns etwas mit auf den Weg geben kann, wenn wir heute für soziale Gerechtigkeit und ein gutes Leben für alle streiten. Vier Aspekte möchte ich nennen:

  • „Meine einzige Freude war das Lernen; und nun durfte ich hier den ganzen Sommer über nicht ein einziges Mal in die Schule gehen, und das war mir das allerhärteste.“*

Ihr Hunger nach Lernen, nach Bildung hat sie ihr Leben lang begleitet. Neben der Fabrikarbeit bildete sie sich weiter, nicht zuletzt auch im Blick auf die soziale Not ihrer Zeit, die sie am eigenen Leib erlebte. Mich beeindruckt als Mensch des 21. Jahrhunderts diese Energie, die eigene Situation zu verstehen, sich zu bilden. Therese Studer prägt so die Selbstorganisation der Arbeiterinnen, den von ihr mit ins Leben gerufenen „Verein für katholische Arbeiterinnen“ in Kaufbeuren sowie als erste Verbandssekretärin den „Verband süddeutscher katholischer Arbeiterinnen-Vereine“.

  • „Nichts für mich, alles für andere!“*

Käme Ihnen eine solche Aussage über die Lippen? Mir, ehrlich gesagt, nicht. Therese Studers Einsatz für die Arbeiterinnen, für deren Selbstorganisation, deren Bildung, für die organisatorische Leistung beim Aufbau des Verbandes, beeindrucken mich und ich fühle mich in dem, was ich so leiste, eher klein und nicht so selbstlos. Dann jedoch denke ich mir, Therese Studers Initiativen wären ins Leere gelaufen ohne die Frauen und auch Männer, die sich haben solidarisieren lassen, die in großer Zahl dem ersten Arbeiterinnen-Verein beigetreten sind, die ihren Kampf gegen Ungerechtigkeit und für das Selbstbewusstsein als Arbeiterin miteinander geteilt haben. Der isolierte Blick auf prominente Vorkämpfer/innen damals wie heute unterschlägt den notwendigen Beitrag der anderen, unter denen ich mich eher wiederfinde, sei es im Verband, in der Gewerkschaft, wo immer. Außerdem gefällt mir an Therese Studer, dass sie das Leben bei aller Selbstlosigkeit auch genießen konnte, Wein, gutes Essen und die „berühmte“ Zigarre nicht missen wollte.

  • „Alles, wie Gott will!“*

Weiß ich, was Gott will? Therese Studer, tief gläubig, wusste auf jeden Fall, dass Gott die soziale Not der Arbeiterinnen nicht wollte. Sie wusste in ihrem Einsatz Gott auf ihrer Seite. Not wahrnehmen, gegen sie angehen in der gläubigen Hoffnung, dass Gott mich – auch auf Irrwegen – begleitet, gilt damals wie heute. Von Therese Studer wird erzählt, wie sie sich regelmäßig zurückzog, um zu beten.

Der kurze Satz darf, wenn es um Therese Studer geht, nicht fehlen:

  • „Lant it luck“, lasst nicht locker!

Therese Studer hat es gelebt auf ihre Art, in ihrer Zeit. Leben wir es heute auf unsere Art. 

* Zitate von Therese Studer aus: Centa Bentenrieder, Therese Studer – das Leben einer Arbeiterin, München 1932

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